( Hiob 2,1-13 ) - [ English ]
Vielleicht erinnert sich die eine oder der andere an die Werbung aus den 80er Jahren: Idylle, Schweizer Berge, grüne Wiese, 2 lila Kühe und zartes Kuhglockengeläut. Und eine Stimme, die sagt: Milka, im lila Papier. Die zarteste Versuchung seit es Schokolade gibt.
Aber sie ist nicht zart und sie ist nicht aufregend und sie macht wenig Spaß. Die Versuchung. Vielleicht für einen kurzen Moment. Aber langfristig gesehen kommt allermeist nichts Gutes dabei raus.
Wer versucht wird, der wird auf die Probe gestellt. Es geht um moralische Werte, zu denen ein Mensch steht oder eben dann in dem Moment aufgibt.
Ehrlich sein, auch wenn ich dadurch Nachteile habe? Steuern hinterziehen, wenn es niemand sieht? Mir etwas schenken lassen und damit dann bestechlich sein? Kann ich mir selbst treu bleiben?
Um Versuchung geht es am Sonntag Invokavit.
Liebe Gemeinde, ich freue mich über die Romanfigur Hiob heute im Predigttext. Er spielt, wenn es um Versuchung geht, eine ganz zentrale Rolle.
Das Buch Hiob im AT gehört zur Weltliteratur und zählt zu den ältesten und umfangreichsten Texten der Bibel. Das Buch wurde zwischen dem 5. Und 3. Jh. Vor Christus geschrieben und reagiert auf die Zeit nach dem Exil in Babylon. Im Jahr 586 vor Christus zerstören nämlich die Truppen vom babylonischen König Nebukadnezar II . Jerusalem und dessen Tempel. Die Führungsschicht der Juden wird ins babylonische Reich verschleppt.
Und im Exil, in der Fremde wurde neu darüber nachgedacht, wie man es erklären kann – dieses unendlich große Leid, das sie nun getroffen hat. Das aber auch immer wieder überall Menschen trifft. Und was hat vor allem Gott damit zu tun? Ist er dafür verantwortlich? Werden wir bestraft, weil die Generationen vor uns sich versündigt haben? Das zumindest war bis zu dieser Zeit eine Erklärung für Leid, das einen traf.
Einflußreiche Kreise entstanden damals in Israel und sie meinten: neben Jahwe, neben Gott, muss es eine zweite Macht geben. Ein guter Gott gegen einen bösen Gott quasi und beide sind gleich stark.
Und genau auf diese Vorstellung des Dualismus von zwei Mächten, darauf reagiert der Autor der Hiobnovelle.
In einem Prolog wird uns die Hauptperson Hiob vorgestellt. Und spannend: Er ist kein Israelit, sondern man könnte sagen: ein Heide. Er kommt aus dem Land Uz, dem Grenzgebiet zwischen heute: Jordanien und Saudi-Arabien. Er gilt als Vorbild. Denn Hiob war rechtschaffen und aufrichtig. Gottesfürchtig. Er hielt sich fern von allem Bösen. Und er war sehr sehr reich.
Doch dann … stürzt Hiob ins Unglück. Es ist von einem himmlischen Hofrat die Rede. Und wenn die Gottessöhne zusammen kommen, dann ist eines klar: JahweGott sitzt auf dem Thron und die Gottessöhne, darunter auch der Satan treten vor ihn und alle müssen Rechenschaft ablegen darüber, was sie tun und lassen. Es ist allein Jahwe, der auf dem Thron sitzt und das Sagen hat. Er allein hat die Macht. Er ist der Chef.
Zweimal ereignet sich im Prolog diese Himmelsszene.
Der Satan, übersetzt: der Störenfried, der immer quer treibt, hatte Jahwe beim ersten Mal bei der Zusammenkunft herausgefordert. Denn: er kennt die Menschen, er streift auf der Erde umher. Er recherchiert genau, was die Menschen so treiben. Er interessiert sich für sie. Und möchte wissen, warum sie sich zu Gott halten. Was ist ihre Motivation?
Eine gute Frage eigentlich: was bringt mir der Glaube? Erhoffe ich mir daraus einen Gewinn?
„Hast du acht gehabt auf meinen treuen Knecht Hiob? Einen wie ihn gibt es sonst nicht auf der Welt“ fragt Gott den Satan.
Der Satan ist sich sicher: Hiob ist nur deshalb ein gottesfürchtiger Mensch, weil es ihm ja gut geht. Er hat ja alles. „Warum sollte er nicht an dich glauben?“ stellt er Jahwe die Gegenfrage. „Der Glaube ist für Hiob pure Berechnung. Du bist für ihn nur Mittel zum Zweck. Aber nimm deinen Segen weg von ihm: er wird dir öffentlich absagen.“
Und so geschah es. Jahwe machte bei der Wette mit. Das heißt: ER,
Gott allein war verantwortlich dafür, Hiobs Glauben auf die Probe zu stellen. Und so verliert Hiob alles, was er hat. Hiob bleibt Gott treu, unterwirft sich ihm und huldigt ihm. Der Satan muss nachbessern.
Predigttext aus Hiob 2,1-13
Es geht an Hiobs Gesundheit. „Seine Haut wird ihm wichtiger sein. Er wird dir ins Angesicht fluchen.“ Davon ist der Satan überzeugt. Und Gott gibt ihn in die Hand des Satan, aber setzt ihm auch eine Grenze: schone sein Leben. Wieder wird deutlich: der Satan bekommt nur die Macht, die Gott ihm zugesteht. Böse Geschwüre bekommt Hiob von oben bis unten. Hautkrankheiten galten als ansteckend. An einen Ort außerhalb der Stadt, der sogenannten Mazballah mussten die Kranken gehen, ein Hügel, auf dem Verbrennungsrückstände und Asche aus dem Ofen aufgehäuft war. Dort saß Hiob und schabte seine juckende Haut und rieb sich mit Asche ein, die wie ein Puderkleid wirkte gegen Hitze und Kälte.
Und Hiob… hält sich treu zu Gott.
Man denkt im ersten Moment: was hat er nur für eine Frau, die ihm rät gegen Gott zu fluchen. Aber man muss bedenken: die meint es eigentlich gut mit ihm. Sie sieht, wie er sich quält und wünscht ihm einen schnellen Tod. Wenn Hiob Gott flucht, muss er gesteinigt werden. Das Leiden hätte ein Ende.
Hiob leidet, er hat alles verloren. Ich könnte es verstehen, wenn er sterben wollen würde. Aber Hiob weist seine Frau zurück. Er widersteht der Versuchung.
Und sagt den berühmten Satz: Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?
Der Satan hat sich wieder einmal geirrt.
Liebe Gemeinde, ich wünschte mir, ich könnte Hiob darin folgen, wenn mir Leid widerfährt. Aber keiner kann es vorhersagen. Leid trifft einen.
Es ist manchmal schwer, den liebenden barmherzigen, allmächtigen Gott in Verbindung zu bringen mit dem unendlichen Elend in der Welt. Wie kann er das zulassen? Die klassische Theodizeefrage.
Es gibt keine Erklärung für das Leid und keine Antwort darauf, warum Gott hier im Thronsaal bei Hiob dem Satan nachgibt.
Welche Möglichkeiten gibt es, Gott zu verstehen, wenn er für uns unverständlich handelt? Was bedeutet das vor allem für die Erfahrung von Leid und Tod? Martin Luther hat die Unterscheidung in den deus absconditus, den verborgenen Gott, und den deus revelatus, den offenbaren und gepredigten Gott, gefunden, um mit dieser Frage theologisch umgehen zu können:
Für mich ist klar: Hiob ist mir ein Vorbild. Nicht der Geplagte ist „der“ Hiob, sondern der an Gott Festhaltende.
Wer an Gott festhält in allen Versuchungen, egal, wie zart sie auch daherzukommen scheinen, ist der eigentlich Starke im Glauben. Gott ist höher als unser Verstehen. Das weiß Hiob, das macht ihn zum Vorbild.
Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?
Das Bekenntnis zu ihm und der Blick in die Heilige Schrift helfen uns, in den Versuchungen des Lebens zu bestehen und Gott richtig zu dienen: Hungrige zu speisen, Arme zu bekleiden.
Und wenn es zu schwer wird? Dann sind hoffentlich – wie bei Hiob – Freunde da, um mit uns mitzutrauern, zu trösten, zu ermutigen.
Amen