2023-03-05 - Reminiszere - (DE) - Pastor Dieter Lilje

( Mk.12:1 - 12 ) - [ English ]


Und er fing an, zu ihnen in Gleichnissen zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen Turm und verpachtete ihn an Weingärtner und ging außer Landes. Und er sandte, als die Zeit kam, einen Knecht zu den Weingärtnern, damit er von den Weingärtnern seinen Anteil an den Früchten des Weinbergs nähme. Da nahmen sie ihn, schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort. Abermals sandte er zu ihnen einen andern Knecht; dem schlugen sie auf den Kopf und schmähten

ihn. Und er sandte einen andern, den töteten sie; und viele andere: die einen schlugen sie, die andern töteten sie. Da hatte er noch einen, den geliebten Sohn; den sandte er als Letzten zu ihnen und sagte sich: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen. Sie aber, die Weingärtner, sprachen untereinander: Dies ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten, so wird das Erbe unser sein! Und sie nahmen ihn und töteten ihn und warfen ihn hinaus vor den Weinberg. Was wird nun der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg andern geben. Habt ihr denn nicht dieses Schriftwort gelesen: »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen«? Und sie trachteten danach, ihn zu ergreifen, und fürchteten sich doch vor dem Volk; denn sie verstanden, dass er auf sie hin dies Gleichnis gesagt hatte. Und sie ließen ihn und gingen davon.

Liebe Gemeinde!

Jesus erzählt dieses Gleichnis den Leitern der jüdischen Gemeinschaft, den Pharisäern und Schriftgelehrten nur wenige Tage vor seiner Kreuzigung. Mit diesem Gleichnis wollte er sie warnen, sich nicht von ihm abzuwenden. Man spürt schon, wie sehr sie darauf aus waren ihn umzubringen.

Die Juden wussten sofort, wer mit diesem Gleichnis gemeint war. Der Eigentümer des Weingartens war Gott, die Arbeiter waren die Leiter des jüdischen Glaubens, sie selbst, die das Volk Gottes versorgen sollten. Sie wussten auch, dass die Knechte, die der Eigentümer schickte, die Propheten waren, die unter den politischen und religiösen Leitern viel zu leiden hatten. Was ihnen aber neu war, war der Teil mit dem Sohn des Eigentümers, der zuletzt geschickt wurde. Aber, statt dass man ihm Respekt zeigte, hat man ihn umgebracht. So hat Jesus seinen eigenen Tod vorausgesagt. Was die religiösen Führer aber noch mehr verärgert hatte, war die Aussage Jesu, dass der Eigentümer kommen würde die Arbeiter umzubringen, das Land wegnehmen und es anderen geben würde. Gott, so meinten sie, würde ihnen niemals das Land nehmen. Sie sind doch das Volk Gottes. Sie würden es nicht zulassen, dass dieser arrogante Jesus ihre Autorität untergräbt. Und doch, in dem sie so reagierten, sich gegen Jesus wehrten, stellten sie sich ja gerade gegen Gott und erfüllten, was Jesus ihnen vorausgesagt hatte.

Was ist seitdem passiert? Jesus wurde umgebracht. Gott hat den Weinberg anderen gegeben. Die Kirche Jesu Christi bearbeitet den Weinberg Gottes und wir, die Christen, sind die Arbeiter im Weinberg. Wir bleiben bei dem Bild:
Jesus Christus hat die Kirche gegründet. Wie ein effektiver Farmer hat er für alles gesorgt, dass die Kirche wachsen und Frucht bringen kann. Er gab einen neuen Befehl, dass wir uns lieben sollen, wie er zuerst geliebt hat. Er gab den Befehl das Evangelium in der ganzen Welt auszubreiten, ohne Grenzen. Er schickte den Heiligen Geist, in uns und durch uns Frucht der Liebe zu bringen.

Das Problem der Arbeiter im Gleichnis war, dass sie so taten als gehörte das Land ihnen. Wenn aber der Eigentümer einen Knecht schickte seinen Anteil zu bekommen, wenn sie Rechenschaft über ihre Arbeit geben sollten, taten sie so als würde ihnen das Land gehören und verachteten die Forderungen des Weingärtners. Sie taten alles, zu zeigen, dass sie das Sagen hatten.

Dieses war das Problem der religiösen Führer in Jerusalem, das Problem für viele, die in der Kirche und Gemeinde die Leitung übernommen haben, und zwar, das so leicht übersehen wird, wem die Kirche gehört. Umso mehr wir uns einsetzen desto grösser die Gefahr, dass man selber auch bestimmen möchte. Wo ich meine Zeit, Energie und mein Geld einsetze, da möchte ich auch selber bestimmen, was damit geschieht.

Die Geschichte ist voll von Beispielen, wo Menschen in der Kirche sehr engagiert waren, aber dann auch erwarteten, dass alle anderen tun sollten, was sie verlangten. Das in sich ist noch nicht das Problem. Gute Leiter sind Menschen, die es schaffen, dass andere ihrer Leitung folgen. Das Problem entsteht dann, wenn die Leitung nicht mehr mit dem Ziel Christi übereinstimmt.

Vor einigen Jahren wurde unserer Kirche ein wunderschönes, großes Grundstück in den Drakensbergen für unsere Jugendarbeit angeboten. Welch ein schönes Angebot! Es gab aber eine Bedingung, und zwar, dass keine Schwarzen auf den Freizeiten zugelassen werden sollten. Nur diese eine Bedingung und dieses schöne Grundstück wäre unsers. Das erinnert an die Versuchung Jesu. Das Angebot wurde abgelehnt! Als Kirche konnten wir das nicht befürworten, da es gegen den Willen und das ganze Leben Jesu zeugen würde.

Manchmal gibt es auch in den Gemeinden und Vorständen Leute, die eine Druckgruppe gegen die Gemeinde oder den Pastor bilden, weil es ihnen nicht gefällt, was gesagt oder getan wird. Das in sich ist in Ordnung. Die Leitung muss Verantwortung übernehmen und darauf achten, dass nichts Falsches gelehrt oder durchgeführt wird. Nur, wenn das, was sie durchsetzen wollen, gegen den Willen Jesu ist, dann werden sie, wie die Arbeiter im Weinberg, den Eigentümer ignorieren und gegen seine Ziele handeln. So kann es auch sein, dass auch der Pastor oder die Pastorin so auftritt, als wäre er/sie der Eigentümer und will nur die eigenen Gedanken und Ziele durchsetzen. Aber auch er, wie alle in der Gemeinde, müssen danach fragen, was der Eigentümer des Weinberges, was Jesus Christus selbst will und erwartet.

Darum gilt es in der Gemeinde, dass wir alle immer wieder fragen, ob das, was wir sagen und tun, mit dem übereinstimmt, was Jesus gelehrt und gelebt hat. Es geht nicht um die Frage, ob wir zur Kirche Jesu Christi gehören wollen, sondern, dass wir erkennen, dass die Kirche Jesus Christus gehört.

Amen.