2023-04-02 - Palmarum - (DE) - Jugenddiakonin Julia Bingießer

( Joh.12, 12-19 ) - [ English ]


Was haben wohl die Anhänger Jesu gesagt, als er in Jerusalem eingetroffen ist?

Endlich wachen die Menschen auf und merken, wer Jesus wirklich ist.

Endlich kommt einer, dem man vertrauen kann und bei dem man hoffen kann.

Ja, da kann man doch wirklich laut jubeln!

Die Menschen sind die Unterdrückung durch die Römer leid.

Alles wurde beobachtet - alles kontrolliert. Und man musste immer das machen, was die gesagt haben, die Römer.

Fremde Herrscher dürfen machen, was sie wollen.

Es ist ganz bedrückend und die Menschen sind sehr unglücklich.

Aber jetzt bricht eine neue Zeit an. Jesus wird dafür sorgen, dass wir unseren Glauben in Frieden und Ruhe leben können – ohne diese Besatzungsmacht. 

Ich habe mitbekommen, dass Menschen sich in seiner Gegenwart verändert haben, wie Zachäus, der den Menschen immer zu viel Geld abnahm.

Blinde hat er sehend gemacht und Menschen, die nicht laufen konnten, macht er gesund. Einen Sturm stillt er einfach so.

Und ganz besonders viele sind jetzt gekommen, weil er einen Mann - Lazarus, der tot war, wieder lebendig gemacht hat.

Jesus wird der König, das ist sonnenklar!
Wer will ihm noch widerstehen? Angesichts der Massen, die heute hier sind, müssen doch alle einsehen, dass sie sich vertan haben. 
Da müssen sie doch Jesus als Messias und König anerkennen!

Nur Jesus selber, der sieht das nicht so positiv. Immer wieder kommt er mit Weissagungen aus den alten Schriften und spricht von seinem Leiden und Sterben. Aber der Jubel der Menschen muss doch auch ihn überzeugen. Wir müssen ihm helfen, eine bessere Einstellung zu übernehmen – er ist einfach zu bescheiden und achtet sich viel zu gering. 

Ein König auf einem Esel – also ein schönes weißes Pferd, das hätte doch viel besser gepasst. Aber über diese Kleinigkeit werden die Leute schon hinwegsehen.

Jesus ist meine Hoffnung. Endlich wird er der wahre König und uns aus der Unterdrückung befreien!“

Drei Jahre lang waren die Jünger*innen mit ihm unterwegs. Sie haben mit eigenen Ohren gehört, was er alles gesagt hat. Sie haben mit eigenen Augen gesehen, wie er den Schwachen und Kranken geholfen hat. 
Würde Jesus sich wirklich die Königskrone auf den Kopf setzen und ein politischer Herrscher werden? Würde Jesus König Herodes militärisch angreifen und ihm die Krone wegnehmen? Oder vielleicht sogar einen Feldzug gegen den Kaiser von Rom starten? Nach allem, was die Jünger*innen über ihn wissen, trauen sie ihm das immernoch zu?

Es ist kein Pferd, kein Kamel, kein Elefant. Sondern ein Esel auf dem Jesus nach Jerusalem einreitet. Das ist nicht nur eine Kleinigkeit, über die Menschen hinwegsehen sollen.  Jemand, der den König entmachten will, kommt nicht auf einem Esel. Führt der Gewalt im Schilde? Würde Jesus so eine Gewalt anwenden? 

Jesus hat es immer wieder vorhergesagt? 
„Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten und getötet werden.“ Das war keine bloße Bescheidenheit. Jesus wusste, dass dies sein Auftrag ist.

Als die Jünger sich gestritten haben, wer der Größte unter ihnen ist, hat Jesus nicht geantwortet: „Hauptsache, ihr lasst mich den Allergrößten sein“? Oder: „Gut, dass ihr euch schon mal überlegt, wie wir mehr Macht bekommen können, denn bald werde ich König sein und dann muss klar sein, wer von euch mein einflussreichster Minister wird“?

Nein, Jesus hat gesagt: „Wenn jemand will der Erste sein, der soll der Letzte sein von allen und aller Diener.“ Auch das war kein Zufall, sondern sein Prinzip.

Und auch in Jerusalem bleibt Jesus sich selbst treu.

Obwohl eine große Menge in diesem Moment hinter ihm steht, greift er die römische Besatzung nicht an. 
Und das enttäuscht viele Menschen. Sogar einige seiner Jünger*innen. Judas zum Beispiel, der so sehr gehofft hat, dass Jesus endlich die Verhältnisse verändern wird – wenn es sein muss, auch mit Gewalt.

Es braucht ganz schön Mut, Menschen zu enttäuschen, weil man anders handelt als sie erwarten. Wenn man sich selbst treu bleibt, werden andere enttäuscht werden. 

Und Jesus selbst hatte den Mut, sich nicht danach zu richten, was Andere ihm gesagt haben, sondern sich nach seinen Prinzipien, nach Gottes Willen, zu richten und zu handeln. 

Jesus wollte ja gar nicht selbst als König gefeiert werden. Er wollte die Königsherrschaft Gottes in der Welt sichtbar und erlebbar machen. Er wollte den Menschen zeigen, wie mächtig diese Herrschaft Gottes helfen kann und Gutes bewirkt. Gott handelt durch Menschen: durch Jesus. Und durch uns, wenn wir Jesus nachfolgen. Jesus nachfolgen, heißt, ihn uns zum Vorbild nehmen. Sein Leben zeigt, dass die Königsherrschaft Gottes nicht mit Gewalt, Angst und Zwang regiert, sondern mit Frieden, Sanftmütigkeit, Mit-Leiden, Teilen, Freude, Zuwendung zu den Schwachen und Leidenden.

Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft von Palmsonntag: Dranbleiben.

Jesus hat nicht aufgegeben sich für das Gute einzusetzen. Er wurde dafür sogar gekreuzigt. Aber wir wissen auch, dass das nicht das Ende seiner Geschichte ist. 

Und genau deshalb können wir dranbleiben und Gottes Königreich in unserer Welt mitgestalten. In dem wir Jesus nachfolgen und den Mut haben nach seinen Prinzipien, nach Gottes Willen, zu leben.

Denn Gott ist da, schenkt uns Mut und unterstützt uns, wenn wir uns trauen.