2023-04-09 - Ostern - (DE) - Pfarrerin Nicole Otte-Kempf

( 1 Kor 15,1-11 ) - [ English ]


Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. 

Unsere Hoffnungen haben sich erfüllt. 

Heute, am Ostermorgen stehen wir zusammen in einer Gemeinschaft, die diesen Aufstand des Lebens gegen den Tod bestaunt und feiert. Wir werden mit hineingenommen in die Schar derer, die den Tod Jesu miterlebten. Und am Ostermorgen hören wir von den Frauen am Grab und die den Leichnam dort nicht vorfanden und der Stein weggerollt worden war. „Entsetzt euch nicht“ sprach der Jüngling zu den Frauen. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Geht aber und erzählt es weiter. 

Die Frauen fürchteten sich und erzählten erst einmal niemandem davon. So erzählt es uns der Evangelist Markus.

Wir werden heute morgen mit hineingenommen in die Ostererfahrungen von Menschen, die vor uns gelebt haben. 

Wir werden heute Morgen mit hineingenommen in die Ostererfahrungen, die Menschen um uns herum machen. Mitten unter uns ereignen sie sich. Da erfahren Menschen, dass sich ihr Leben verwandelt. 

Paulus, einst Saulus genannt, erlebte auch so eine Verwandlung. Als er gerade auf dem Wege nach Damaskus war, die Anhänger Jesu zu verfolgen, da umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel. Er konnte 3 Tage lang nicht sehen. Jesus nimmt ihn in seinen Dienst. Paulus erfährt, dass Jesus nicht eine Größe der Vergangenheit ist. Er weiß: wir haben es immer mit ihm zu tun. 

Und allein der Gnade Gottes verdankt er es, dass er Menschen durch seine Botschaft erreicht. Manchmal braucht man so eine Botschaft von außen. Der Herr ist auferstanden! Ja, das kann man sich selbst sagen, aber es ist etwas anderes, wenn es mir jemand anderes zusagt. Hinein in meine Lebenssituation. Und es tut auch gut, wenn da jemand ist, der mir hilft, aufzustehen, der mir Mut macht. 

Liebe Gemeinde, dafür ist unsere Gemeinschaft da. In unserem Alltag. In den Gottesdiensten, die wir feiern. Und heute am Ostermorgen. 

Unser Glaube hängt an dem, was Gott uns zugute hat geschehen lassen. Schwer zu verstehen. Aber darum geht es auch nicht. 
Es geht an Ostern nicht um die abstrakte Wahrheit, dass einer der tot war, lebendig geworden ist: sondern es geht darum: Jesus ist lebendig in unserer Mitte. Wir machen persönliche Erfahrungen mit dem Lebendigen. 

Der Herr ist auferstanden. Die Korinther haben es sich auch sagen lassen. Das war ein  Einschnitt in ihrem Leben, als Paulus um 50 n. Chr. Bei ihnen gewesen war. 

Und im Predigttext erinnert er sie daran.  

Text lesen

Liebe Gemeinde, Jesus ist gestorben, begraben worden, auferweckt und gesehen worden. Schon damals eine Glaubensformel der jungen Christenheit. Und sie gehört zu den zentralsten und ältesten Texten des Neuen Testaments. 

Paulus waren Gerüchte zu Ohren gekommen, dass einige die Auferstehung Jesu leugnen. Nun erinnert er sie: ihr werdet selig, wenn ihr so festhaltet, wie ich es euch verkündigt habe. Es sei denn, dass ihr`s umsonst geglaubt hättet. Seid ihr etwa unüberlegt gläubig geworden? 

Das Verstehen gehört zum christlichen Glauben dazu. Oder besser gesagt: wir versuchen zu verstehen. Soweit es uns möglich ist. 

Die Auferweckung Jesu ist kein biologisches Geschehen. Da wird kein toter Körper reanimiert. Paulus spricht an anderer Stelle von Umgestaltung, Verwandlung, Überkleidung. 

Der Auferstandene gehört nicht mehr der sterblichen Welt an. Gott erschafft aus dem Nichts etwas Neues. Da gehen mit ihm, für uns neue Räume auf. Seine neue Lebendigkeit gilt auch uns als die neue Perspektive.

Gestorben ist er, weil er sich für uns stark machen und unsere Hölle auf sich nehmen wollte. Sein Leben, Wollen und Predigen gelangte zum Ziel. 

Jesus ist gestorben für unsere Sünden nach der Schrift. Er ist begraben und auferweckt worden und gesehen worden. Menschen machen ihre Ostererfahrungen. Ganz persönlich.

Und wenn wir die Aussagen über Ostern in der Bibel lesen, dann merken wir: sie sind unterschiedlich. Die differenzierende Überlieferungsgeschichte ist Glaubensgeschichte. Individuell und persönlich.  

Die Art und Weise der Christusbegegnungen war bei genannten Zeugen ein anderer als bei uns heute. Wir hören die biblischen Geschichten und von der Glaubenssicherheit derer, die vor uns waren und heute mit uns sind. Unser gemeinsames Fundament in der Kirche, in unserer Johannesgemeinde ist die Ostererfahrung. Und das ist nicht unser Verdienst, sondern allein Gottes Gnade.  Wir können die Auferstehung gedanklich nie durchdringen. Wir wissen, selbst die ersten Zeugen waren fassungslos. 

Darüber nachdenken ist eine Sache, dem Hingerichteten und Auferstandenen zu begegnen, ist eine andere. Wie gut, dass die Frauen nicht dauerhaft geschwiegen haben über das, was sie am Grab erlebt hatten. Sie erzählten es weiter. Und Paulus auch. 

Und wir auch. Wir leben nicht nur in Jesuserinnerungen. Wir erfahren Jesus, den Auferstandenen in Wort und Sakrament. 

Da ist ein Lied, das mich erfüllt und mir das Herz leicht macht. 

Da fühle ich, da spricht genau jemand in meine Situation hinein und ich gehe getröstet nach Hause, freue mich, die neue Woche mit Gottes Segen zu beginnen

Da spüre ich: hier bin ich willkommen. An Jesu Tisch. Mit all meinen Fehlern und mit meiner nicht ach so perfekten Vergangenheit. Mit meinen Ängsten und meinem manchmal kleinen Glauben. Und gehe gestärkt meinen Weg weiter. 

Ostererfahrungen. Im Gottesdienst. 

Sie wirken weiter. Indem wir weitergeben, was wir selbst empfangen und erlebt haben. Dazu sind wir beauftragt. 

Die Begegnungen mit dem Auferstandenen gehen weiter, alle Tage bis an der Welt Ende. Amen