2023-05-18 - Himmelfahrt - (DE) - Pfarrerin Nicole Otte-Kempf

( Lk 24,44-53 ) - [ English ]


Was ist der Himmel, liebe Gemeinde?

Sind es die unendlich blauen Weiten oder sind es die scheinbar zeitlosen Momente, in denen wir glücklich sind?

Im englischen unterscheiden wir heaven und sky. Ich mag es, dass das in der deutschen Sprache offen bleibt. So auch an Christi Himmelfahrt. Wir erinnern uns daran, dass Jesus 40 Tage nach seiner Auferstehung zu Gott zurückkehrt.  In den Himmel.

Ich lese aus Lk 24,44-53

Gerade noch war Jesus zum Greifen nahe. Er saß mit ihnen zusammen wie so oft. Die Gemeinschaft war wichtig gewesen. Und so könnte es doch auch eigentlich bleiben. Jesus könnte doch einfach bleiben. Nah, zum Anfassen, mit Händen und Füßen. Aber dieser glückliche Moment verstreicht. Jesus kann nicht bleiben. Er kehrt zu seinem Vater zurück in den Himmel.

Lasst mich kurz etwas zur biblischen Vorstellung des Himmels sagen. Sie ist vom altorientalischen Weltbild geprägt. nämlich drei Stockwerke: Ganz unten das Wasser der Tiefe. Über dem Meer ruht die Erde, über der Erde thront der Himmel. Das Firmament des Himmels stellte man sich als ein festes Gewölbe vor, das sich wie eine Glocke über die Erde spannt. Dieses Gewölbe trägt den Himmelsozean, der mit dem Urmeer in der Tiefe verbunden ist. er hat Fenster oder Schleusen, durch die es regnet. 

Der Himmel ist von Gott geschaffen und bietet Lebensraum für die Geschöpfe. Wie die Erde, so ist auch der Himmel dem letzten Gericht unterworfen und wird am Ende der Zeit vergehen. Ein neuer Himmel und eine neue Erde werden sie ablösen.

Der Himmel ist in der Bibel gleichzeitig auch der Wohnort Gottes. Wie ein König so hat Gott im Himmel seinen Thron.  Und er wirkt in die Menschenwelt hinein. Die Bewegung Gottes vom Himmel zur Erde gipfelt in Jesus Christus. Durch ihn öffnet sich der Himmel.

Eindrücklich ist die Erzählung von Jesu Taufe. Da öffnete sich der Himmel. Wo Jesus war, da wurde das Reich des Himmels, Gottes Reich sichtbar und spürbar.  

Liebe Gemeinde, soll ich Jesus mit einer Geste beschreiben, dann sind es die offenen Arme.

Ein Zeichen dafür, dass Jesus die göttliche Gabe selbst hat zu öffnen:

Nämlich, und da erinnere ich mich an die Jahreslosung von letztem Jahr, wo Jesus sagt: wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen, sondern einladen, zu mir zu kommen. 

Bei anderen lud er sich selbst ein und öffnete ihre Herzen. Ihm war keiner zu klein, zu krank, zu alt, zu arm, zu sehr Außenseiter.

Jesus öffnet seinen Jüngern auch das Verständnis für die Schrift.

Und Menschen den Weg zu Gott. Er zeigte ihnen Gottes Liebe. Wo er war, war der Himmel auf Erden.

Und nun, in der Stunde des Abschieds, da hat Jesus einen Auftrag für seine Jünger. Die Sache mit Gottes Himmel auf Erden soll weitergehen. Sie sollen als Zeugen in seinem Namen predigen, nämlich Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Allen ohne Ausnahme gilt diese Einladung, zu Gott umzukehren, heimzukehren zu dem, von dem wir alle herkommen.  

Da ist Jesus, der mit offenen Armen auf sie, auf uns alle wartet. Der zur Rechten des Vaters sitzt. Erhöht von Gott selbst.

Die Jünger bleiben zurück. Aber bevor Jesus geht, sendet er auf sie, was ihnen sein Vater verheißen hat. Sie sollen auf die Kraft aus der Höhe warten.

Liebe Gemeinde, den Geist nimmt man sich nicht, man muss auf ihn warten. Das gilt damals und selbstverständlich auch für uns heute. Wir als Kirche können nur mit der Kraft aus der Höhe Kirche sein. Nicht aufgrund eigener Kraft. Kirche ist Gottes Instrument, Ackerfeld und Bau. Wir sind seine Mitarbeiter.  Manchmal vergisst Kirche das und meint, aus eigenem Planen und Tun könnten wir großartig, einladend, wachsend sein. Immer emsig, immer aktiv.

Aber ganz am Anfang, liebe Gemeinde, da stand das Warten.

Jesu Symbol sind die offenen Arme. Auch am Kreuz. Auch an Himmelfahrt. Er hob die Hände auf und segnete sie.

Und die Jünger waren allezeit im Tempel und priesen Gott. Wartende Gemeinde findet sich dort zusammen, wo Gott mit uns Kontakt aufnehmen will. Und Gottes Segen begleitet uns im Gottesdienst als freundliche und wirksame Zuwendung unseres dreieinigen Gottes.

Gott ist uns nahe gekommen. Jesus hat uns gezeigt, wie offene Arme füreinander gehen. Er hat sich den Menschen persönlich zugewendet und doch verschwand er in die himmlischen Weiten Gottes, die wir nicht greifen können.

Himmelfahrt steht für das Geheimnis des geöffneten Himmels Gottes, dafür, dass die Geschichte Gottes noch nicht abgeschlossen ist, weder zeitlich noch räumlich.

Heißt: das Beste kommt noch. Wir sind bei Gott. Und Christus ist schon da. Er öffnet uns hier auf der Erde, in unserem Alltag den Himmel Gottes. in jeder Liebe, die wir einander schenken; in jedem Gottesdienst, wo wir einander achten und Gott loben und preisen.  

Was ist der Himmel? Himmel, das ist die Summe aller Liebe.