( 1 Kor 2,12-16 ) - [ English ]
(mit einem als Geschenk verpackten Karton)
Text wird vorgelesen
Liebe Pfingstgemeinde,
Wenn ich an Geschenke denke, dann denke ich an Weihnachten. Bunt verpackt unterm Christbaum und ich denke an Ostern, Eier suchen und manchmal ist da auch noch eine Kleinigkeit mehr im Nest. Aber von Pfingstgeschenken habe ich noch nie etwas gehört.
Sehr wohl aber davon, dass vom Himmel plötzlich ein Rauschen her kam wie von einem starken Wind. Und dass alle vom Heiligen Geist erfüllt wurden, damals in Jerusalem.
Die Sache mit dem Heiligen Geist ist immer etwas schwierig.
Stellt euch vor: Gottes Geist zum Geburtstag, unter dem Weihnachtsbaum oder im Osternest – ich glaube, alle würden traurige Gesichter machen.
Natürlich, ich denke, wir sind uns alle einig: die Geschenke sind nicht das wichtigste für uns an Weihnachten und Ostern, aber symbolisch doch schon, kann man die Geschenke nämlich auch nutzen, den Kindern z.B. den Sinn der Feste näher zu bringen. Wir bekommen etwas geschenkt. Von Gott. Und eben auch heute am Pfingstfest.
Wir haben den Geist aus Gott, damit wir wissen, was uns von Gott geschenkt ist – heißt es im Brief an die Korinther.
Der Geist hilft uns also sozusagen nur auf die Sprünge, zu erkennen, was Gott uns schenkt. (Geschenk rausholen)
Was könnte da wohl drin seinIch erinnere mich an die Geburtstage und Weihnachtsfeste, als ich Kind war. Das war auch immer spannend.
Und wenn es dann endlich so weit war, hab ich das bunte Papier aufgerissen. Und auf Fotos von damals kann man es sehen: wie meine Schwester und ich um die Wette strahlen und lachen von einem Ohr zum anderen – in einem Berg aus buntem Geschenkpapier.
In meiner Kinderbibel - die habe ich zur Taufe geschenkt bekommen– ist Pfingsten so ähnlich. Menschen mit farbigen Gewändern und auf einem jeden von ihnen eine rote Feuerflamme. Und alle freuen sich und lachen - von einem Ohr zum anderen.
Ich habe es geliebt, wenn mir meine Mutter und Oma daraus vorgelesen haben, aus meiner Kinderbibel. Und wir haben die Bilder angeschaut. Und der Zauber dieser anderen Welt kam ins Kinderzimmer.
Da wimmelte es von Tieren, von jeder Art mindestens zwei. Und viele Schafe, von denen auch ich in meiner Phantasie eins sein durfte. Da lief ich dann mit Jesus über Felder, saß mit ihm auf dem Fischerboot, als ein Sturm kam. Die Jünger hatten Angst, aber ich, ich wusste immer: Jesus wird mich beschützen.
Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, damit wir wissen, was uns von Gott geschenkt ist.
Die Sache mit dem Geist ist manchmal schwer. Irgendwann war
der Zauber der Kindheit vorbei.
Die Kinderbibel wurde gegen die Lutherbibel ausgetauscht, und die war so voller Buchstaben, klein gedruckt, von denen ich vieles gar nicht verstand. Alles schwarz und weiß und manchmal auch ein bisschen grau, aber niemals mehr farbig. Niemals mehr habe ich so in der Bibel gelesen, wie als Kind.
Und im Studium wurde viel Exegese gemacht. Es ist herrlich, den Dingen auf den Grund zu gehen, historisch-kritisch nachzufragen, Texte in ihren gesellschaftlichen Zusammenhang zu stellen. Und zu fragen, was das für uns heute bedeutet. Für dich und mich.
Wenn der Glaube erwachsen wird, dann kann man es, finde ich, mit einem Schnuffeltuch vergleich, das man als Kind so hat und immer zum Einschlafen braucht und es hat immer diesen beruhigenden Geruch und ist ganz zerknittert und voller Flecken irgendwann und dann wird es in die Waschmaschine gesteckt zum Waschen und wenn es rauskommt, erkennst du dein Schnuffeltuch nicht mehr. Wo ist die bekannte Farbe, der beruhigende Geruch? Und es braucht eine Zeit, bis es wieder zu deinem Schnuffeltuch wird.
So kann es auch mit dem Glauben gehen. Er wird auf die Probe gestellt, und es passiert etwas in deinem Leben, das du nicht gleich einordnen kannst und es fühlt sich befremdlich an, und du suchst und sehnst dich nach deinem dir bis dahin vertrauten Glauben. Und es dauert eine Weile bis du ihn wieder erkennen kannst. Und er fühlt sich so anders an.
Das passiert. Und dann kommen da auch mal Zweifel, der Glaube macht dem gesunden Menschenverstand Platz. Und die Welt wird erklärt. Urknall und Evolution und die Geschichten von Jesus… Was können wir von ihm überhaupt wissen? Wie ist das mit Ostern und Himmelfahrt und Pfingsten zu erklären? So, dass man es intellektuell verstehen kann.
Und zu Weihnachten und zum Geburtstag, beschlossen wir in der Familie, schenken wir uns nichts mehr, wir sind ja schon groß und Geschenke kaufen ist oft auch stressig. Und Kommerz.
Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist; es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden.
Und irgendwann und immer wieder werden die biblischen Geschichten doch wieder bunt. Ein schönes Gefühl. Und ganz bestimmt ist da Gottes Geist im Spiel. So wie er oft im Spiel ist, wenn etwas Neues entsteht.
Als ich Mama geworden bin und mit meinen Kindern die bunten Geschichten in der Kinderbibel wieder entdeckt habe.
Als ich mit der Kinder- und Jugendarbeit begonnen habe und versucht habe, junge Menschen, die von Kirche noch nicht viel gehört haben, für diese Kirche und für den Glauben zu begeistern.
Als ich meine ersten Beerdigungen gehalten habe und den Auftrag in mir gespürt habe, von meiner Hoffnung zu erzählen und dafür einzustehen, dass da noch etwas kommt.
Als wir in der Familie doch wieder Geschenke in buntem Papier unter den Baum gelegt haben.
Jedenfalls ist der Geist wieder zurückgekommen, den ich aus meiner Kindheit kenne. Das Gefühl, dass da mehr ist. Das Gefühl, dass das Leben bunt und unser Mund voll Lachens sein soll. Von einem Ohr bis zum anderen. Als Erwachsene haben wir es oft viel schwerer als die Kinder.
Wir kennen den Geist der Welt: wollen alles verstehen und planen. Aber manchmal weiß ich - nein, ich bin gewiss, dass es anders sein soll. Dass das Leben anders gedacht ist. Dass das Leben bunt sein soll und dass uns unser Gott lachend sehen will.
Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, damit wir wissen, was uns von Gott geschenkt ist.
Apropos Geschenk. Hier ist es. Würdet ihr es gern haben?
Es aufreißen und reinschauen? Seid ihr vielleicht ein bisschen gespannt und spürt etwas Vorfreude in euch, was da wohl drin sein könnte?
Hättet Ihr einen Wunsch, was da drin sein soll?
Das ist das Geschenk, liebe Gemeinde
Ich nenne es
Hoffnung. Zuversicht. Begeisterung. Amen