( Jesaja 29,17-24 ) - [ English ]
Lesen des Textes als Lesung
Liebe Jubelkonfirmandinnen, liebe Jubelkonfirmanden, als ich euch nach Euren Erinnerungen an Eure Konfirmandenzeit gefragt habe, da habt ihr gesagt: wir mussten viel auswendig lernen, über 300 Verse und viele Lieder. Für einige war das mühsam, andere wiederum zehren heute noch von dem reichen Schatz, der sich in ihr Gedächtnis und Herz gelegt hat.
Und während es für einige von euch ein bewusster Glaubensschritt war, sich zu fragen: was glaub ich eigentlich? war für andere die Bedeutung nicht ganz klar. Auf jeden Fall war es für euch alle, so habe ich es herausgehört, ein besonderer Tag, der in eurer Erinnerung geblieben ist.
Auch bei mir war es damals ein bewusster Glaubensschritt muss ich sagen. Wir hatten einen sehr charismatischen Pfarrer, der Wert darauf gelegt hat, dass man seine Entscheidung für Gott trifft. Das habe ich dann auch, wenn man das so sagen kann, getan.
Die Bedeutung wird mir immer noch im Lauf des Lebens erst offenbar. Es ist so wie in dem Lied, das wir gerade gesungen haben „Wir haben Gottes Spuren festgestellt auf unsern Menschenstraßen.“
Ihr ward in einer Gruppe in eurer Konfirmandenzeit unterwegs oder auch nur zu zweit mit Pastor. Ihr seid den Spuren gefolgt, die vor euch schon andere gegangen sind und die Zeugnisse davon hinterlassen haben mit ihrem Leben, mit dem, was sie aufgeschrieben oder euch erzählt haben.
Spuren sind faszinierend – sie sind zugleich Zeichen von Abwesenheit und Anwesenheit. Sie lassen sich entdecken, deuten und verfolgen. Sie weisen hin auf etwas Vergangenes und zeigen auf, in welche Richtung man sich in Zukunft bewegen soll. Jesus hat viele Spuren hinterlassen. Er machte die Tauben hören und die Sprachlosen reden. Brachte Liebe und Wärme in die kalte Welt und viel Hoffnung. Es ist gut, sich zu erinnern…. Auch an Liedverse, an die Fragen und Antworten in Luthers kleinem Katechismus, an Geschichten in der Bibel. Sie tragen einen durchs Leben und, so habt ihr es auch schon erlebt, vor allem, wenn ein geliebter Mensch stirbt, den man begleitet, können diese Worte einen trösten.
Wo soll es hingehen liebe Jubelkonfirmandinnen und liebe Jubelkonfirmanden, aber natürlich auch liebe Gemeinde?
In die Zukunft, mit Gottes reichem Segen nämlich. Wohin genau?
Wir haben die alttestamentliche Lesung in Jesaja 29 gehört. So soll die Zukunft sein: zu der Zeit werden die Tauben hören die Worte des Buches, und die Augen der Blinden werden aus Dunkel und Finsternis sehen; und die Elenden werden wieder Freude haben am Herrn, und die Ärmsten unter den Menschen werden fröhlich sein in dem Heiligen Israels. Es wird ein Ende haben mit den Tyrannen und Lügnern.
Die Worte des Propheten Jesaja erinnern mich an das, was später Jesus den Menschen zuruft, die sogenannten Seligpreisungen oder heute sagt man eher: Glücklichpreisungen, weil das der Übersetzung am nächsten kommt. Glücklich sind die Trauernden, glücklich sind diejenigen, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich. Alle, die am Rande stehen, die Leid tragen, die Frieden suchen, denen spricht Jesus diese Worte zu. Und wer einmal am Rande stand, verlacht wurde, aus Gründen des Aussehens vielleicht oder der eigenen Art zu leben und zu denken, weiß genau, wie sich das anfühlt und welche Verletzungen es hinterlässt. Im schlimmsten Fall beginnt man, sich selbst auszugrenzen und zurückzuziehen aus Angst, was andere über einen denken.
In diese Welt spricht Jesaja sein Wort zuerst zu Israel und dann zu uns allen. Er spricht zu uns, wenn wir ganz genau zu wissen scheinen, was richtig und was falsch ist, andere lächerlich machen, sie ausgrenzen. Er spricht zu uns, wenn wir diejenigen sind, die nicht dazu gehören und draußen stehen. Jesaja sagt: Es dauert noch eine kleine Weile, aber wenn ihr begreift, dass jede und jeder von euch ein Werk meiner Hände ist, dass ihr alle meine Kinder seid, dann wird niemand mehr ausgegrenzt (vgl. Jes 29,23). Ihr werdet einander offen ins Angesicht schauen und dahinter die Würde sehen, die ich euch allen in die Seele gelegt habe. Und wenn das passiert, „zu der Zeit werden die Tauben hören die Worte des Buches, und die Augen der Blinden werden aus Dunkel und Finsternis sehen; und die Elenden werden wieder Freude haben am HERRN, und die Ärmsten unter den Menschen wieder fröhlich sein in dem Heiligen Israels […]. Jakob soll nicht mehr beschämt dastehen, und sein Antlitz soll nicht mehr erblassen“ (Jes 29,18-19.22b). Wenn ihr einander versteht und Gott damit ehrt, dann öffnet sich eine reiche Zukunft.
Dahin soll es gehen, liebe Festgemeinde. In diese Zukunft.
Allerdings dauert die kleine Weile, von der Jesaja spricht, nun schon zweieinhalbtausend Jahre. So lange ist es her, dass er Israel, das er mit dem Namen des Stammvaters Jakob nennt, diese Botschaft gegeben hat. Mitmenschlichkeit , Solidarität, Barmherzigkeit und Freundlichkeit ist ein Weg, der manchmal schwer zu gehen ist, er ist manchmal lang und mühsam.
Aber diese kleine Weile, die Zukunft, in die es gehen soll, strahlt zum Glück schon in unsere Zeit hinein, punktuell. Die Zukunft ist nicht nur in einem Land nach unserer Zeit, sondern hier und heute. Jedes Mal, wenn wir versuchen, andere zu verstehen, bevor wir urteilen, haben wir eine Stück Weg geschafft. Einen weiteren, wenn wir Menschen in unsere Mitte holen. Unsere Weggemeinschaft wird dann umso größer und die Zukunft weiter.
Wohin soll es gehen mit Gottes Segen war die Ausgangsfrage heute am Tag der Jubelkonfirmation.
Die Verheißung des Jesaja soll euch Mut machen.
Und Jesu Spuren immer wieder zu folgen, das ist ein gutes Ziel.
Gottes Wort ist Mensch geworden in Jesus Christus. damit auch diejenigen mitgenommen werden, denen die Geschichte mit Gott bisher verschlossen geblieben ist.
Als lebendiges Wort zog Jesus durch das Land und erzählte mit seinem ganzen Leben von der Liebe Gottes. Er lud sich bei denen ein, die sonst keiner besuchte, und aß und trank und lehrte sie, wie es ist, ganz tief in die Geschichte Gottes mit den Menschen einzutauchen.
Er öffnete neue Wege und Herzen, befreite Menschen von Scham und Schuld. Viele, die allein unterwegs waren, von der Gesellschaft zu Außenseitern und Sonderlingen erklärt, fanden sich plötzlich in der Mitte des Geschehens wieder. Sie wurden von Jesus berührt und erzählten die Frohe Botschaft weiter. „Und er gebot ihnen, sie solltens niemandem sagen. Je mehr ers ihnen aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus.
Lasst uns so einen Weg in die Zukunft gehen, damit die kleine Weile bald ein Ende hat:
Zu der Zeit werden die Elenden wieder Freude haben am HERRN, und die Ärmsten unter den Menschen wieder fröhlich sein in dem Heiligen Israels. Amen