( Jakobus 5,13-16 ) - [ English ]
Liebe Konfis, ich danke euch dafür, dass ihr eure Gedanken mit uns geteilt habt. Wir als Gemeinde gehen mit euch auf diesem Weg. Wir sind eine Weg-Gemeinschaft. Und in zwei Wochen feiern wir auch mit euch den Tag eurer Konfirmation. Wir sind auch eine Feier-Gemeinschaft. Aber Gemeinde ist noch mehr. Nicht nur etwas für gute Zeiten. Auch in den Notzeiten sind wir füreinander da. Hört den Predigttext, der im Jakobusbrief steht im 5. Kapitel und dann möchte ich meine Gedanken dazu mit euch teilen.
Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen. Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden. Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.
Mir hilft das, was der Apostel schreibt: Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen.
Mir hilft es zu beten, wenn ich leide. Und es gibt wirklich genug, woran ich leide: Immer mehr an der Welt nämlich, wenn sogar der Nachrichtensprecher das sagt. Die Welt ist in Unsicherheit. Der grausame Krieg in der Ukraine und nun auch in Israel.
Und wenn es mir selbst schlecht geht, hilft es auch: Beten, mit Gott reden, manchmal auch nichts sagen und manchmal auch aushalten, dass Gott nicht so viel sagt. Aber die Augen geschlossen und die Hände gefaltet – manchmal so wie bei Albrecht Dürers „Betenden Händen“ [mit aufrecht aneinander gelehnten Händen], manchmal so [mit Fingern ineinander verhakt], manchmal im Sitzen mit gesenktem Kopf und manchmal aufrecht stehend und zum Himmel schauend.
Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen.
Letztes Jahr in der Rehaklinik in Deutschland hab ich damit angefangen, Psalmen nicht nur zu lesen, sondern zu eigenen Melodien zu singen. Und die Stimmung, die dadurch in mir entstand, fand ich so manches Mal überwältigend. Wenn ich gut gelaunt bin, singe ich ein Lied oder ich höre Musik, geistliche und weltliche, und ich singe mit, wenn es mir gut geht und damit es mir gut geht.
Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn.
Was mir in jedem Fall hilft: Zu wissen, dass ich nicht allein bin, dass hier überhaupt keiner allein ist, nicht in der Johannes Gemeinde und nicht in der ganzen sichtbaren oder unsichtbaren Kirche. Dass es da immer jemanden gibt, den man rufen kann, wenn man selbst krank ist oder man andere Not leidet. Und dazu möchte ich ermutigen, das auch zu tun. Wenn wir von Euren Nöten wissen, dann können wir auch handeln.
Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden.
Mir hilft das zu wissen: Irgendjemand ist da, die für mich betet. Und wenn mein Glaube schwach ist, dann ist da jemand, die daran glaubt, dass das Gebet hilft, wenn ich krank bin oder eine Operation habe oder in Therapie bin.
Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden.
Dass dann der Herr einen aufrichten wird, daran will ich gern glauben. Und Sünden vergeben. Das nimmt einem viel Last von der Seele und von den Schultern, die einen manchmal einfach runterdrückt. Wenn Gott Sünden vergibt, dann kann man aufrechter durchs Leben gehen. Es tut gut zu wissen, dass da viel Glaube anderer Menschen ist, die einen in ihre Fürbitte mit hineinnehmen.
Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet.
Es ist hier keine Rede davon, dass nur kräftig genug gebetet werden müsste, damit jemand wieder gesund werde. Und es ist keine Rede davon, dass für einen, der krank wird oder krank bleibt, nicht genug gebetet wurde oder dass er nicht genug geglaubt hätte. Das Gebet des Glaubens ist keine besondere Gabe oder ein Allheilmittel, sondern Ausdruck tiefen Vertrauens. Vertrauen darauf, dass Gott handelt. Gott legt seinen Segen auf die Gemeinschaft der Betenden. Es wird kein Wunder garantiert, aber Beistand und Vergebung. Manchmal wird einer gesund, das gibt es. Aber auch ohne Heilung wird das Gebet dem Kranken helfen. Gott wird ihn aufrichten. Das gilt auch für Sterbende, die in Frieden Abschied nehmen können.
Ich glaube an den Gott, der mir in Jesus begegnet und liebevoll in die Arme nimmt und mir beisteht in den tiefen Tälern meines Lebens und Sterbens.
Dieser Glaube tut mir gut.
Sicher machen wir alle Fehler in unserem Leben und sind allesamt sündige Menschen…. Aber: von Gott geliebte sündige Menschen. Es tut gut, einander zu sagen, was man falsch gemacht hat, weil darunter man selbst und andere natürlich auch leiden.
Einander die Sünden bekennen, es sich selbst einzugestehen, dass die eigene Weste gar nicht so weiß ist, wie ich das gern hätte, das ist gar nicht einfach, aber innerlich heilsam. Und sicherlich gehört zur Heilung auch, dass wir nicht unaufrichtig leben gegenüber anderen und gegenüber uns selbst. Schaut nicht nur auf die Schuld der anderen; schaut vor allem auf die eigene Schuld. Sie wird vergeben werden, und Vergebung macht heil. Wenn es mir innerlich gut geht, dann hat das natürlich auch positive Auswirkungen auf meinen Körper.
Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.
Manchmal bin ich gar nicht gerecht, vielleicht sogar öfter als ich denke ungerecht. Und manchmal bin ich auch gar nicht so ernstlich.
Aber einer oder eine unter uns, die könnte es sein, wenn ich es nicht bin, wenn ich mich in meinem Leben und Glauben eher schwach fühle. Und das hilft mir.
Liebe Konfis, liebe Gemeinde,
Wir sind Weg Gemeinschaft
Feier Gemeinschaft
In der Not Gemeinschaft
Eine füreinander Glauben und Beten Gemeinschaft. Amen