( Markus 10, 2-9 (10-12) 13-16 ) - [ English ]
„Menschen brauchen Familie – Kinder brauchen Eltern.“
Predigttext: Markus 10, 2-9 (10-12) 13-16
Ich möchte euch mitnehmen, mitten hinein in die Scharen von Leuten, die um Jesus herum zusammenliefen, um von ihm zu hören. Stellt euch vor, ihr stündet mitten drin im Geschehen um Jesus, mitten unter seinen Zuhörern.
Und ihr seht: Direkt vor euch tauchen einige Pharisäer auf.
“Ist Ehescheidung erlaubt?” fragt einer der Pharisäer.
Jesus fragt zurück: “Was hat euch Mose geboten?”
Der habe es erlaubt, antworten die Pharisäer.
“Ja,um eures Herzens Härte willen hat er euch dieses Gesetz geschrieben;” sagte Jesus; “aber von Beginn der Schöpfung an hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.”
Was wohl die anderen gedacht haben mögen, die Jesu Antwort hörten? Und wie ergeht es uns mit seiner Antwort? Ärger? Verunsicherung? Gefühle von Schuld? Bestätigung?
Auch in der Erzählung von Johannes 8 verharmlost Jesus nicht die Schuld der Ehebrecherin. Er weiß um ihre Schuld. Genauso wie er um die Schuld der übrigen Menschen weiß: “Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.”
Ich bin sicher, dass seine Antwort sehr unterschiedlich aufgefasst wurde und noch wird.
Jesus wird von den Pharisäern immer wieder auf die Probe gestellt.
Dadurch boten sie ihm jedoch die Gelegenheit, zu bestätigen, dass Gott die Menschen erschaffen hat und was Gott in Bezug auf die Ehe für die Menschen angeordnet hat.
Aber auf einmal werden alle Anwesenden unterbrochen. Eltern mit Kindern drängen sich vor zu Jesus.
Auch sie haben viel über ihn, seine liebevolle Rede über Gott und seine Macht gehört. Nun wollen sie zu Jesus, damit er ihre Kinder segnet.
Doch bevor sie in seine Nähe kommen können, treten einige der Jünger vor sie und bauen sich wie ein Schutzwall vor ihnen auf. „Was wollt ihr?“ fragen sie abwehrend. Seht ihr nicht das wir uns hier mit ernsthaften Problemen beschäftigen und Fragen diskutieren die für die Zukunft entscheidend sind, und ihr kommt mit Kindern hier an und stört uns.” Jesus hat Wichtigeres zu tun als sich um euch zu kümmern! Was er zu sagen hat, können eure Kinder eh nicht verstehen.”
“ Wir wünschen uns, dass Jesus unsere Kinder segnet.“ antworten die Eltern zaghaft.
Jesus hat inzwischen aufgehört zu erzählen.
Er schaut seine Jünger irritiert an. Die Atmosphäre hat sich geändert.
Jesus wird wütend und zugleich traurig. Er geht ruhig, aber auch ganz entschlossen auf die Jünger und die Eltern mit ihren Kindern zu. Schließlich sagt er zu seinen Jüngern: „Was bildet ihr euch eigentlich ein? Habt ihr denn so gar nichts verstanden?
Vor ein paar Stunden habe ich vor euren Augen und Ohren noch mit den Schriftgelehrten über die Ehe und die Ehescheidung diskutiert. Ich habe versucht ihnen und euch klarzumachen, dass alle Menschen Anteil am Reich Gottes haben.”
Eure Herzen sind genauso hart wie die der Schriftgelehrten. Ihr habt ein Herz aus Stein, wie all die Menschen, die meinen etwas Besseres zu sein.
Schaut euch die Kinder an.
Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht Anteil haben am Reich Gottes.
Was soll das heißen: Nur wenn ihr werdet wie die Kinder, könnt ihr Anteil haben am Reich Gottes?
Jesus spürt das Unverständnis. Er dreht sich um und erklärt:
„Eltern lieben ihre Kinder, nicht weil sie alles richtig machen, sondern um ihrer selbst willen. Und Kinder vertrauen dieser Liebe.
Schaut, wie sie in den Armen ihrer Mutter einschlafen oder ihrem Vater entgegenspringen, wenn er heimkommt.
Kinder sind Vorbilder im Vertrauen können.
Sie vertrauen blind der Liebe ihrer Eltern, ihrer Großeltern oder auch ihrer Geschwister.
Genau so liebt uns Gott um unserer selbst willen, und nicht nur dann, wenn wir es ihm recht machen. Er liebt uns ohne Vorbedingungen.
Und er öffnet seine Arme, wenn wir ihm entgegenspringen und ihm erzählen wollen, was wir im Herzen haben, was uns beschäftigt.
Kindliches Gottvertrauen.
Seine Nähe suchen – ohne Furcht.
Das können wir von den Kindern lernen.
Einfach Dasein.
Vor Gott Dasein.
Sich hinsetzen, anlehnen und schweigen.
So unkompliziert, kindlich einfach geht glauben.
Die Welt gehört in Kinderhände.“
Und nachdem Jesus das alles gesagt hat, dreht er sich um, geht zu den Kindern, nimmt sie in die Arme, herzt sie und segnet sie. Er wendet sich den Kindern zu. Er bricht mal wieder mit aller Distanz und auch mit den gesellschaftlichen Konventionen seiner Zeit.
In diesem Moment merken sowohl die Jünger als auch die Zuhörer seiner Reden, dass hier etwas großartiges Geschieht. In diesem Moment eröffnet Jesus den Kindern eine ganz persönliche Beziehung zu Gott. Er lässt sie seine Nähe, Liebe und Zuneigung spüren.
Das Himmelreich gehört denen, die so sind wie diese Kinder.“
”
Jesus macht hier deutlich: Die gesamte Botschaft gilt auch den Kindern. Die Botschaft von Jesus ist so, dass sie Kinder gut verstehen können, denn sie ist einfach.
Kinder sind wichtige Menschen, vollwertige, gleichwertige, besondere Gottesgeschöpfe, die uns zum Vorbild werden können
Jesus liebt Kinder – da besteht kein Zweifel. Dazu gehören aber selbst verständlich auch die behinderten oder kranken Kinder. Auch wenn diese von der Gesellschaft manchmal abgelehnt werden: Bei Jesus sind auch genau sie an der richtigen Stelle. Wir können sagen: Jedes Kind ist lebenswert, ja- liebenswert!
Für Jesus sind Kinder genauso wichtig wie Erwachsene. Kinder können Erwachsenen sogar Vorbild sein.
Für unser eigenes Verhalten gegenüber Kindern gilt: Ist Gottes Liebe in uns, muss dies auch an unserem Verhalten ihnen gegenüber erkennbar werden.
Kurt Marti (geb. 1921), ein Schweizer Theologe und Schriftsteller schrieb Folgendes:
Geburt
Ich wurde nicht gefragt bei meiner Zeugung
und die mich zeugten wurden auch nicht gefragt bei ihrer Zeugung.
Niemand wurde gefragt außer dem Einen und der sagte: Ja.
Ich wurde nicht gefragt bei meiner Geburt
und die mich gebar wurde auch nicht gefragt bei ihrer Geburt.
Niemand wurde gefragt außer dem Einen und der sagte: Ja.
Amen