2023-10-29 - 21. Sonntag nach Trinitatis - (DE) - Pfarrerin Nicole Otte-Kempf

( Mt 5,9 (3-12) ) - [ English ]


Jesus Christus spricht: Glückselig sind die, die Frieden stiften. Denn sie werden Kinder Gottes heißen. 

Liebe Konfirmanden, liebe Familien, liebe Gemeinde

Heute ist ein großer Tag, und ihr steht im Mittelpunkt. Ihr seid herangewachsen, aus der Kindheit herausgewachsen. jeder von euch hat seine Begabungen schon entdecken können im Leben. Ihr wisst und könnt eine Menge. Ihr habt viele glückliche Momente erlebt – mit euren Eltern, mit Freunden. An manchen Tagen hattet ihr auch Sorgen und Schwierigkeiten.  

All das gehört mit zu der Zeitspanne eures bisherigen Leben dazu. Ihr seid alt genug, um selber zu verstehen, dass ihr nicht alles im Leben in der Hand habt. Die guten Wünsche für euer Leben, die gelten euch immer noch. Wir alle hoffen und wünschen, dass gute Tage für euch kommen. Vor allem, dass ihr glücklich sein könnt, über die Maßen erfüllt von Freude. 
Die Bibel sagt dazu: selig! GlückSelig seid ihr! So sagt Jesus zu euch. 

Stimmt das eigentlich? Wer ist wirklich „glückselig“? Die Reichen und Starken, die Macht haben, die im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, würden wir ja meinen. Von Jesus hören wir aber etwas anderes. Er sagt „GlückSelig seid ihr“ gerade zu denjenigen, denen es gerade nicht gut geht, die gerade nicht Glück und Seligkeit im Leben erfahren haben. 

Hört die Rede Jesu Mt 5,3-12 aus der Basisbibel


1Als Jesus die Volksmenge sah,stieg er auf einen Berg.Er setzte sich und seine Jünger kamen zu ihm.

2Jesus begann zu reden und lehrte sie.

3»Glückselig sind die, die wissen,dass sie vor Gott arm sind.Denn ihnen gehört das Himmelreich.

4Glückselig sind die, die trauern.Denn sie werden getröstet werden.5Glückselig sind die, die von Herzen freundlich sind.Denn sie werden die Erde als Erbe erhalten.

6Glückselig sind die, die hungern und dürstennach der Gerechtigkeit.Denn sie werden satt werden.

7Glückselig sind die, die barmherzig sind.Denn sie werden barmherzig behandelt werden.

8Glückselig sind die, die ein reines Herz haben.Denn sie werden Gott sehen.

9Glückselig sind die, die Frieden stiften.Denn sie werden Kinder Gottes heißen.

10Glückselig sind die, die verfolgt werden,weil sie für Gottes Gerechtigkeit eintreten.Denn ihnen gehört das Himmelreich.

11Glückselig seid ihr, wenn sie euch beschimpfen,verfolgen und verleumden, weil ihr zu mir gehört.

12Freut euch und jubelt!Denn euer Lohn im Himmel ist groß!


Liebe Gemeinde, Jesus sagt also:die, die vor Gott arm sind, sind an erster Stelle. Die, die mutlos und verzweifelt sind. Macht Jesus vielleicht Witze? Selig sind die Verzweifelten? Und Jesus setzt diese Reihe ja noch fort. Was diese glückselig Gepriesenen im Alltag erleben und was Jesus ihnen zuspricht, das steht in einem spannungsreichen Kontrast zueinander.Wie kann man das verstehen? 

Liebe Jugendliche – wir haben im vergangenen Jahr darüber gesprochen, was glauben bedeutet und was nicht. Glauben bedeutet nicht, den gesunden Menschenverstand an der Kirchentür abzugeben. Es gibt einiges, was einem schwer fällt zu glauben. Die Bibel ist kein Biologiebuch, habe ich euch öfter gesagt. Es ist ein Buch, das die Erfahrungen von Menschen mit Gott und Jesus sammelt. Menschen haben diese Bücher geschrieben und den Inhalt zusammen gesetzt. Es ist nicht vom Himmel gefallen. Und einige Aussagen widersprechen sich gegenseitig. So sind die Erfahrungen, die Menschen mit Gott machen. Unterschiedlich eben. Jeder von euch macht andere Erfahrungen mit Gott in seinem Leben. 

Es geht bei all dem um etwas viel Wichtigeres: der Glaube eröffnet uns den Blick in eine andere Wirklichkeit. Glauben bedeutet, die Welt mit den Augen Gottes sehen zu lernen. Gott sagt: es ist nicht gut, dass die Reichen und die Mächtigen und die, die Gewalt ausüben gelobt und anerkannt werden. Nein. Das, was schwach ist vor den Augen der Menschen, das habe ich mir ausgewählt. Jesus, als der Sohn Gottes, dreht die gewohnten Maßstäbe um. 

Liebe Gemeinde, die Glückseligpreisungen Jesu setzen eine andere Wirklichkeit in Kraft, die unsichtbare Wirklichkeit des Himmels, die uns doch jeden Tag umgibt, die wir oft nicht mehr wahrnehmen. Jesus macht nicht mit beim schneller-schöner-stärker-reicher Wettbewerb. Weil es grausam ist. Menschen leiden darunter, Kinder, Jugendliche, Erwachsene auch. Diese ständige Anstrengung, Leistung zu bringen, mithalten zu müssen, zu gewinnen. Jesus sagt: bei mir gelten andere Werte, die Menschen nämlich gut tun und er lädt uns ein, daran teilzuhaben, im Glauben. 

Jemand könnte meinen: das hört sich ja nett an und für Kirche ist das ja auch ok, aber im Alltag? Im wirklichen Leben?

Liebe Konfirmanden, Jesus hat es nicht einfach nur behauptet, er hat es gelebt, was er gesagt hat. Er hat sich seine Jünger ausgesucht und sie waren nicht perfekt, haben vieles nicht verstanden und haben Fehler gemacht. Jesus hat auf Gewalt verzichtet. Er hat Frieden gesucht. Er hat denen vergeben, die ihn verraten, verlassen, verspottet und getötet haben. Er war traurig und verzweifelt, als er starb. Das heißt, Jesus ist auf der Seite von denen, die leiden und ist ihnen damit ganz nah. Er weiß, wie es sich anfühlt. Und dann ist er auferstanden am 3. Tag. Daraus, liebe Konfirmanden kommt die große Kraft, die große Hoffnung, die uns durch unser Leben trägt auch in den dunklen Stunden. Gott ist stärker als der Tod. Er hat ihn durchlitten. Dietrich Bonhoeffer hat es so gesagt: Christus hilft nicht kraft seiner Allmacht, sondern kraft seiner Ohnmacht, seines Leidens. Nur der leidende Gott kann helfen. Wir glauben an einen verletzlichen Gott, der auf der Seite der Schwachen ist. 

Glauben bedeutet, die Welt mit den Augen Gottes sehen zu lernen. Selig seid ihr. Ja, so ist es: wir sind geliebter als wir wissen. Wenn man diese Quelle entdeckt hat, dann sprudelt daraus Lebensfreude pur. Glauben bedeutet, die Welt mit den Augen Gottes sehen zu lernen. Fürchte dich nicht, den Frieden zu leben. Fürchte dich nicht, der Schwächere zu sein. Wer glaubt, sieht weiter, als man mit den Augen sehen kann. GlückSelig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes heißen. Das ist eine Einladung an euch, an uns alle. Und wie nötig braucht unsere Welt Friedensstifter.Jeder kennt solche Menschen und es ist großartig, ihnen zu begegnen. Wo man in ihrer Nähe ist, kann man fast riechen und schmecken, wie es in Gottes Reich zugeht. Da ahnt man, was ein Engel sein mag: da hat das Wort „Gotteskind“ einen schönen Klang, der noch lange nachhallt. 

Liebe Jugendliche, Lass euch sagen: Glückselig seid ihr. Auch dann, wenn ihr traurig seid, wenn alle Pläne durchkreuzt werden. Eure Glückseligkeit kann euch niemand wegnehmen. Ihr seid eingeladen, die Welt mit Gottes Augen zu sehen. Das heißt glauben. Ihr seid aufgefordert, Friedensstifter zu werden, mit eurem Leben zu diesem wunderen Werk Gottes in dieser Welt beizutragen. Euch steht eine großartige Zukunft offen. Und ihr seid dabei nicht allein. Gott ist mit eurem Segen mit euch unterwegs. Amen