2023-11-05 - 22. Sonntag nach Trinitatis - (DE) - Pfarrerin Nicole Otte-Kempf

1. Johannes 2,12-14 ) - [ English ]


„Tu mir kund den Weg, den ich gehen soll; denn mich verlangt nach dir. Psalm 143,8 Diesen Bibelvers hast Du Dir, lieber Paul, ausgesucht.

Es ist immer gut, den Weg zu kennen. Geh ich hier oder da lang? Und wenn ich jemanden nach dem Weg frage, dann ist da schon die Voraussetzung, demjenigen auch zu vertrauen, den man fragt. Noch viel mehr, wenn es um Lebens- und Glaubensfragen geht.

Du Paul, vertraust darauf, dass Gott Dir den Weg zeigen wird, den Du im Leben gehen sollst. Und du bittest ihn auch darum.

Es ist schön: es gibt im Leben gute und gerade Straßen, manche Entscheidungen fallen einem leicht. Aber es wird auch in deinem Leben Weggabelungen geben und Umwege und Potholes werden dir vermutlich nicht erspart bleiben. Und einige Strecken werden sicher auch mal Durststrecken sein.

Dann tut es gut zu wissen, was einen bisher im Leben trägt und getragen hat. Und es tut gut, in einer Gemeinde zu sein, mit Menschen, die einem freundlich begegnen und einen unterstützen. Und daran erinnern, dass Gott in deinem Leben mit dir unterwegs ist und der dir den Weg zeigen möchte.

Das tut auch Johannes mit seinem Brief, aus dem heute der Predigttext kommt: Er spricht den Christen etwas neu zu, was er früher schon einmal zugesprochen hat. Es ist das Fundament, an das er erinnert. Es ist der Glaube, und es ist das, was das Vertrauen in Gott bewirkt hat und bewirken wird.

Ich lese aus 1 Joh 2,12-14


12Liebe Kinder, ich schreibe euch, dass euch die Sünden vergeben sind um seines Namens willen. 

13Ich schreibe euch Vätern; denn ihr habt den erkannt, der von Anfang an ist. Ich schreibe euch jungen Männern; denn ihr habt den Bösen überwunden. 

14Ich habe euch Kindern geschrieben; denn ihr habt den Vater erkannt. Ich habe euch Vätern geschrieben; denn ihr habt den erkannt, der von Anfang an ist. Ich habe euch jungen Männern geschrieben; denn ihr seid stark, und das Wort Gottes bleibt in euch, und ihr habt den Bösen überwunden.


Liebe Gemeinde, es ist euch sicher beim Hören auch gleich aufgefallen. Johannes spricht nur die Männer an in seinem Brief. Aber ich will glauben, auch wenn es nicht so dasteht: die Mütter und Mädchen und jungen Frauen sind sicher mitgedacht. So war das damals: die Frauen spielten bei den Schreibern der biblischen Bücher keine große Rolle. Die Zeiten haben sich glücklicherweise geändert.

Grundsätzlich gilt die frohe Botschaft in diesem Brief kleinen, jungen und alten Menschen. Unabhängig vom Alter braucht man andere, die einen daran erinnern, was einen im Leben trägt.

Johannes beginnt das, was er zu sagen hat mit zugewandten Worten. Er sagt: Liebe Kinder.

Es spielt schon eine große Rolle, wie man eine Rede beginnt, denn es trägt zur Stimmung bei. Ein freundlicher Umgangston hilft sehr. Nicht nur, was ich sage, ist wichtig, sondern wie ich es sage. Mein Tonfall wird wahrgenommen. Im richtigen Ton kann ich fast alles sagen, im falschen Ton fast nichts.

Johannes geht es nicht nur um das, was er zu sagen hat, sondern die, zu denen er redet, zu denen hat er offensichtlich eine Beziehung. Wo ich so angesprochen werde, da soll ich nicht nur die Ohren öffnen, sondern auch mein Herz.

Wie ein roter Faden begegnet diese Anrede im Neuen Testament immer wieder.

Die frühen christlichen Gemeinden haben auch gestritten und um den neuen Glauben gerungen. Aber, da bin ich mir sicher: Wo Menschen einander mit „Liebe Geschwister“ begegnen, da wird ein Ton angestimmt, der allem Streiten und Ringen nichts von der Ernsthaftigkeit nimmt, aber doch eine Richtung weist.

Wie wirkt sich der Glaube in unserem Leben aus?

Diese Frage steht hinter dem 1. Johannesbrief.

Der Brief mahnt, dass zum Leben eines Christen die Liebe gehört:

Wer glaubt, für den hat es Konsequenzen: Daran merken wir, dass wir ihn kennen, wenn wir seine Gebote halten. Wer sagt: Ich kenne ihn, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner … Wer hingegen dem Vorbild Jesu folgt, ist am barmherzigen Tun erkennbar.

Von Gott geliebt werden und andere lieben hängt eng zusammen. Darum kann der 1. Johannesbrief formulieren: „Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“. Die Liebe ist das Kriterium meines Denken und Tuns. Zum Leben in der Liebe gehört auch das Thema unseres Sonntags. Nämlich Vergebung. Die sorgt dafür, dass ich nicht ewig an meiner Schuld festklebe. Die hilft mir, wieder aufzuatmen und nach vorne schauen zu können.  Und zu versuchen, anderen zu vergeben, die an mir schuldig geworden sind.

Johannes erinnert die Gemeinde daran: Wer sich ein Kind Gottes nennt, dem sind alle Sünden vergeben, den trennt nichts von Gott, dem Vater. Da ist die Beziehung von Gott her in Ordnung und nichts kann das stören, keine Sünde, kein Teufel. Ihr Kinder, lasst euch das sagen, euer Leben ist ein neues, ein anderes geworden, wo ihr das erkennt und für euch annehmt.

Lieber Paul, ich wünsche Dir, dass Du das auch annehmen kannst.

Gott ist Liebe. Und er möchte eine Beziehung zu Dir haben, die dir immer wieder Kraft gibt im Hier und Jetzt zu leben und zugleich Zuversicht schenkt für alles, was in deinem Leben kommt.

Das hat man dir bei Deiner Taufe zugesagt, und das hörst du heute wieder am Tag deiner Konfirmation.

Taufe und Konfirmation ist eingebettet in unser Gemeindeleben. Die Liebe Gottes gilt Dir, der Du ein Teil der Gemeinde bist. Mit Dir zusammen leben wir alle in der gleichen Zuversicht.

Gemeinde ist die Gemeinschaft der Erlösten; frei von Furcht, weil nichts in dieser Welt uns trennen kann von Gott und seiner Liebe. In allem, was uns widerfährt, sind wir von Gott begleitet und in sein Buch des Lebens eingezeichnet. Selbst da, wo in der Bibel ein „du“ nahelegt, ich wäre bloß einzeln gemeint, ist meist gemeint „du als Teil der Gemeinde, die mit dir glaubt und hofft“.

In solcher Liebe leben, mit Bruder und Schwester die Gewissheit teilen, das heißt: Ich muss mich nicht wirklich mehr vor etwas fürchten. Ich lebe ohne Angst und voller Zuversicht. Und gehe meinen Weg. Inmitten einer Gemeinschaft. Gott zeigt uns den Weg in die Zukunft. Amen