( 2. Korinther 4, 6-10 ) - [ English ]
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen
Der Predigttext für den letzten Sonntag nach Epiphanias:
Gott, der da sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass die Erleuchtung entstünde zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes - in dem Angesicht Jesu Christi. Wir haben aber diesen Schatz in irdischen Gefäßen, auf dass die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserem Leibe, auf dass auch das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar werde.
Liebe Gemeinde,
Zu den schönen Erinnerungen an Kindergeburtstage gehört auch ein Spiel mit dem Namen: „Topfschlagen“. Die Augen werden dem Spieler verbunden. Er bekommt einen Kochlöffel in die Hand und bewegt sich dann auf dem Boden, um einen Topf zu finden, unter dem sich ein „Schatz“ verbirgt. Blind unterwegs – welche Freude, wenn der Löffel auf den Topf trifft. Und interessant genug: Dafür sind Kinder und Jugendliche und vielleicht sogar Erwachsene nicht zu alt: Um sich für Schatzsuchen zu begeistern. Zwar möchte man nicht mehr mit verbundenen Augen auf dem Boden kriechen – es gibt andere Formen. Aber die Erfahrung lehrt: Kaum eine Freizeit, sei es ein Jugendlager oder Konfi-camp ohne eine gut geplante Schatzsuche.
Immer geht es darum, sich auf die Suche zu machen mit der Hoffnung einen verborgenen Schatz zu finden. Meistens ist man bei einer Schatzsuche als Team unterwegs. Auf jeden kommt es an.
Ich nehme an, die meisten von Ihnen haben Erinnerungen an so ein Spiel. Vor allem diesen Moment, wo der Schatz gefunden wird. Ach, was ist das für eine Freude. Ein Gefühl von Erleichterung, Erfolg. Eine Zufriedenheit, die die Anstrengung wieder ausgleicht. Wunderbar: alle Mühe hat sich gelohnt. Der Schatz ist gefunden.
Ein Spiel – aber es ist nicht nur ein Spiel.
Da wohnt ein Sehnen tief in uns Menschen, einen Schatz zu finden. Nicht umsonst ist das einer der beliebtesten Spitznamen für einen Partner oder Partnerin: Schatz!
Menschen haben nicht nur die Sehnsucht nach einem Gegenüber, den sie als Schatz empfinden, sondern auch nach „Sinn“, nach „Halt“, nach geistlicher Heimat. All das kann ein Schatz sein. Alles, was einem zeigt, wo der Platz im Leben ist, und eine Kraftquelle ist, mit dem Leben fertig zu werden.
Paulus hat diesen Schatz gefunden. Er hatte sich nicht bewusst auf eine Schatzsuche begeben – es war anders: der Schatz wurde ihm vor die Füße gelegt. Auf dem ersten Weg war dabei nicht einmal sichtbar, dass es sich um den kostbarsten Schatz seines Lebens handeln würde. Ich erinnere an das sogenannte „Damaskuserlebnis“, das aus Saulus Paulus gemacht hat. Lukas erzählt es in der Apostelgeschichte (Apg. 9, 3f) folgendermaßen: „Als Paulus auf dem Wege war (unterwegs gegen die Christen) und in die Nähe von Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel; und er hörte eine Stimme: Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ Es war eine schwere Unterbrechung auf seinem Weg. Eine Weile erblindete Paulus. Er wusste nicht sofort, was ihm widerfuhr. Bald aber begriff er: Ihm war Gott erschienen. Das Licht vom Himmel, das ihn erleuchtete. Lukas schreibt es so, dass das Bild einen unmittelbar an die Weihnachtsgeschichte erinnert: Den Hirten auf dem Felde erschien ein helles Licht. Das Licht vom Himmel, eine Erleuchtung. Eine Gotteserfahrung, die das eigene Leben unglaublich hell macht – das feiern und erinnern wir Christen in der Epiphaniaszeit.
Mit dem heutigen Predigttext sind wir Jahre später. Paulus hat schon einige Gemeinden gegründet. Den Schatz, seine lebensverändernde Begegnung mit Jesus trägt er bei sich. In seinem Herzen. Paulus beschreibt es mit den ersten Versen des heutigen Predigttextes: Gott, der da sprach: Licht soll aus der Finsternis hervor-leuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass die Erleuchtung entstünde zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes - in dem Angesicht Jesu Christi.
Dieser Schatz, den er gefunden hat – oder besser der Schatz, der ihn gefunden hat – ist für ihn das Wichtigste im Leben. Seine Erleuchtung. Und wie es so ist mit allem Wichtigen im Leben und dem Wichtigsten im Leben: Es ist zerbrechlich und vergänglich. Kostbar und vulnerable.
Wir haben aber diesen Schatz in irdischen Gefäßen, auf dass die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns.
Ein Schatz in irdischen Gefäßen. Wenn ich diese Zeile lese, dann meine ich etwas von Paulus Traurigkeit zu spüren und davon, wie bedroht Paulus sich fühlt. Ein irdisches Gefäß. Wie schnell es zerbricht. Eine unachtsame Bewegung und ein Glas fällt zu Boden, zersplittert in kleine Bruchstücke. Ein irdenes Gefäß kann sehr lange halten: Ich habe Tassen meiner Tanten, die fast hundert Jahre alt sind – neulich zerbrach eine. Da habe ich nochmal besser verstanden, was das Wort zerbrechlich meint: in einem Moment ist etwas vorbei. Nur ein Atemzug und unser Leben ist ausgehaucht.
Es kann so lange halten und bleibt doch nicht ewig. Es wäre eine Illusion zu meinen, dass eine alte Tasse haltbarer wird oder nicht mehr zerbrechen kann, weil sie ja schon fast hundert Jahre alt geworden ist. Nichts ändert sich in all diesen Jahren daran, wie zerbrechlich sie bleibt. Der Schatz in irdischen Gefäßen. Paulus spricht von seinem Glauben – er spricht vor allem aber von der Gemeinde Jesu Christi. Die Gemeinde, unsere Kirchen sind das irdische Gefäß, in dem unser Glaube, der große wichtige Schatz aufbewahrt ist.
Ja, da ist große Sorge bei Paulus zu spüren. Paulus ist deutlich, was da in Korinth auf dem Spiel steht. Der Streit um so viele Fragen des christlichen Lebens – weil Menschen sich berufen fühlen, ihren Schatz zu verteidigen. Und was kann dabei passieren: Das Gegenteil: Das irdische Gefäß kann zerbrechen. Dessen ist sich Paulus bewusst. Paulus ist allerdings nicht nur traurig. Paulus ist besorgt und doch kommt es mir so vor: als würde er sich mitten in dieser Sorge und der Angst darauf besinnen: was in dem irdischen Gefäß aufbewahrt wird: ein unzerbrechlicher Schatz.
Paulus hat Sorge, dass die Gemeinde zerbricht: Das irdische Gefäß des Schatzes – doch dann fällt er sich ins Wort: Er versucht herauszufinden: was daran gut ist:
Und er kommt zu einer tiefen Einsicht: Zerbrechlich ist das Gefäß, damit wir nicht das irdische Gefäß, unsere Gemeinden, unsere Kirchen mit dem Schatz: Der Begegnung mit Gott, der Befreiung in Jesus Christus, dem Glauben verwechseln.
Paulus hat eine doppelte Einsicht: Die große Bedeutung des irdischen Gefäßes für den Glauben: Da wird er bewahrt, aufgehoben. Die ganze Gemeinde eine große Schatztruhe für den Glauben. Eine wertvolle Hülle: ein besonders wertvolles Gefäß. Keine Zweifel: das irdische Gefäß ist wertvoll und ebenfalls kostbar. Dennoch: das Gefäß darf mit dem Schatz nicht verwechselt werden. Das teuerste Gefäß, bleibt vergänglich und kann an Gottes ewigen Schatz nicht herankommen. Und damit deutlich bleibt, dass zwischen der Kirche und ihrem Herrn ein Unterschied ist und der Herr der Kirchen, Jesus Christus frei ist, darum ist es wichtig, wahrzunehmen, dass es in unserem Bemühen in Kirchen und Gemeinden niemals darum gehen kann, das irdische Gefäß zu bewahren: Sondern den Schatz: Den Glauben. Und diesen Glauben, den beschreibt Paulus dann auf so wunderbare Weise: Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserem Leibe, auf dass auch das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar werde.
In diesen Zeilen setzt Paulus die Begegnung mit der vergänglichen Welt – die Erfahrung von Bedrohung und Tod in ein neues Licht. Gottes Licht scheint in Paulus finsteren Gedanken auf. Paulus gibt zu, dass er bedrängt ist: Seine Person wird angegriffen, die korinthische Gemeinde mag sich über ethischen Fragen und der Frage, wie die Schrift auszulegen ist, spalten und zerstören. Paulus ist bange: Was wird auf uns zukommen: auf uns als Christen – auf unsere Gemeinden – werden die Gemeinden verfolgt und verboten – werden wir unseren Glauben frei leben dürfen.
Paulus hat Angst vor Verfolgung: er weiß ja genau, wozu Verfolger in der Lage sind – er war ja selbst einer. Paulus nennt die Unterdrückung beim Namen: Paulus erlebt ein schweres Leben in einer Welt voller Gewalt und Hass und Angst. Natürlich ist er ein Mensch, ein zerbrechliches Wesen – ein Mann, der an seine Grenzen kommt – gekommen ist. Doch hier ist das Wunder: ähnlich wie er es von seinem Weg nach Damaskus kennt: da leuchtet doch ein Licht auf. Aber: Das große christliche Aber: Das Gegenwort zur Angst. „In der Welt habt ihr Angst, doch ich habe die Welt überwunden!“ Es ist kein Aber, das die andere Erfahrung wegnimmt: in dem Sinne wäre es passender das Aber mit „und“ zu übersetzen: Wir sind bedrängt und wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange und wir verzagen nicht!
Gleichzeitig ist das wahr: Es mag wahr sein, das aus menschlicher, irdischer Sicht der Tod überwältigend ist und Leben zerstört: Der Tod kann den Leib zerstören, er kann einem den Verstand rauben und die Seele zu Tode betrüben – doch, so erfahren es Christen noch immer – ähnlich wie Paulus: Unser Schatz bleibt: Glaube, Hoffnung und Liebe. Sie sind ewig. Sie unterliegen nicht der Vergänglichkeit. Sie sind kein irdisches Gefäß, sondern sie sind der Schatz, der bewahrt bleibt: sie sind die Kraft, aus der neues Leben wächst. Und deshalb: Weil wir die Welt und unser Leid, unsere Vergänglichkeit in diesem Licht sehen, deshalb sind wir weiterhin sterblich – aber wir bezeugen auch das Leben Jesu. Gottes Hoffnung ist der Schatz, der in unserem Leben durchscheint. So geben und haben wir als Gemeinde und als Kirchen Hoffnung für die Welt. Der Glaube, den Gott in einzelnen Menschen wirkt und der in der Gemeinde gelebt wird ist der Schatz, den wir der Welt schuldig sind. Gottes Liebe, die in uns wirkt, bezeugen wir in der Welt – und schenken sie ihr. Das ist und bleibt zu jeder Zeit möglich.
Manchmal, wenn man zu sehr am Rande der Verzweiflung ist oder zu bang: dann kann es sein, dass eine Schatzsuche dran ist: sich als Gruppe und Gemeinde, als Kirche auf den Weg zu machen: Den Schatz zu finden. Gleichzeitig bang und zuversichtlich: Der Schatz, den wir suchen, der findet uns. So ihr mich von ganzem Herzen suchet, so will ich mich finden lassen!
Mögen wir mit möglichst großer Leichtigkeit und Gelassenheit auf die Schatzsuche gehen und mit kindlicher Freude, (gotteskindlicher Freude) den Augenblick erwarten, wo wir den Schatz (wieder) finden! Auf das die überschwängliche Kraft von Gott sei – nicht von uns!
Der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen