2024-02-18 - Invocavit - (DE) - Pfarrerin Nicole Otte-Kempf

( Matthäus 4,1-11 ) - [ English ]


Die Bibel ist ein Schatz. Das versuch ich gerade, meiner 8. Klasse zu zeigen. Liebe Gemeinde, was ich ja mit so spannend am Bibellesen finde, ist, dass man zwischen den Zeilen lesen kann und oft auch muss, um tiefer zu blicken. Die Wahrheit hinter der Geschichte zu erkennen. Und so ist es auch heute in unserem Predigttext.  

Die Geschichte ist vielen bekannt, vielleicht sogar vertraut; in ihr stehen Sätze, die beinahe zu Sprichwörtern geworden sind. Gleich am Anfang seines Evangeliums, gerade, nachdem Jesus überraschend von Johannes im Jordan getauft wurde, nachdem Gott sich zu Jesus bekannt hat mit den Worten: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, erlebt Jesus etwas, was Matthäus dann so in Worte fasst:

Predigttext lesen 

Das ist die Wahrheit im Kleid einer Geschichte. Durch diese Erzählung lernen wir etwas, was für unser Leben unverzichtbar ist. 

Auf dem Weg zur Wahrheit beantwortet Matthäus zunächst ganz nebenbei eine Frage, die auch unbedingt beantwortet werden muss und die manchen Menschen wie auf der Seele brennt; die Frage nämlich: Gibt es eigentlich den Teufel? 

Und die Antwort in dieser Geschichte ist eindeutig: Ja, es gibt den Teufel. Manchmal kommt er von irgendwoher – keiner weiß woher – tritt auf uns zu und will etwas von uns. Jesus ist ja überhaupt nicht überrascht, als der Teufel kommt. Er ist auch nicht etwa erschrocken und läuft auch nicht weg, sondern antwortet auf alles, was der Teufel sagt. Es scheint so, als sei es selbstverständlich, dass irgendwann der Teufel auf einen oder eine zutritt und etwas erwartet.

Der Teufel ist in dieser Geschichte sehr bibelfest, das ist erstaunlich. Jesus und er streiten miteinander, aber sie streiten mit Worten. Zuletzt befiehlt Jesus dem Teufel zu verschwinden, was dieser auch tut. An die Stelle des Teufels treten Engel. 

Jesus hat den Streit gewonnen, könnte man sagen. Aber, wer weiß, vielleicht kommt der Teufel eines Tages wieder und der Streit beginnt dann von vorne.

Es gibt den Teufel. Und der Teufel macht immer das Gleiche, damals wir heute, so hören und lesen wir hier; der Teufel versucht immer das Gleiche: 

Er will, dass wir ihm gehören. Er „versucht“, uns auf seine Seite zu ziehen. Er verspricht Macht und Einfluss und Reichtum und alle Herrlichkeit auf Erden und ein gutes Gewissen dazu, wenn wir Gott vergessen und damit auch gleich mit vergessen, was Gott von uns will. So steht es hier. So hat es Jesus erlebt; und er hat die Versuchungen bestanden, weil er sich nicht locken ließ.

Es kann sein, dass uns das alles heute ein wenig seltsam klingt. Das macht aber nichts. Wir hören das erstmal so, wie es da steht. Dann fällt auch bald auf, was nicht da steht. Es steht nicht da, woher der Teufel kommt, wie er aussieht, wo er hingeht oder wohnt. Und weil das alles nicht da steht, ist es wohl auch nicht wichtig. Es ist auch nicht wichtig, wie der Teufel aussieht – und ob er wirklich eine Person ist mit Händen, Füßen, Gesicht oder Hörnern. Es ist nur wichtig, dass es Versuchungen gibt, die irgendwoher kommen und behaupten, uns das Leben viel leichter zu machen. 

Das also ist Matthäus wichtig: es gibt Reize und Versuchungen, die uns führen oder verführen wollen. Das ist ein Teil der Wahrheit, die diese Geschichte erzählt. Und das alles erzählt sich leichter und ist einfach auch besser zu verstehen, wenn man den Versuchungen ein Bild gibt und man „Teufel“ dazu sagt.

Vielleicht ist es aber in Wahrheit so, dass es etwas Teuflisches gibt in mir selber. Und dann auch in jedem Menschen; etwas, das uns versucht mit immer den gleichen Mitteln. Etwas, was uns sagt: Ihr bekommt alles, was ihr wollt, wenn ihr Gott vergesst. 

Genau das versucht der Teufel nämlich – oder, ich will es nun etwas vorsichtiger sagen – genau das versucht das Teuflische in uns: Wir sollen Gott vergessen, weil es uns dann angeblich viel besser geht. Ich soll vergessen, wer die Welt geschaffen hat, die Tiere, die Pflanzen, die Menschen. Ich soll vergessen, warum ich auf der Welt bin, warum ich lebe, arbeite, mit Menschen zusammen bin. Und schließlich soll ich einfach vergessen, dass Jesus lebte, liebte und litt, damit Menschen in ihrer Not noch zu helfen ist.

Dann geht es euch gut, versucht das Teuflische uns immer wieder zu sagen. Vergesst Gott, vergesst Gottesdienst und Gebet, dann geht es euch gut! Kümmere dich am besten nur um dich, sagt die Verlockung immer. 

Und das, liebe Gemeinde, ist dann die Hölle.

Das ist immer eine der größten Versuchungen im Leben: Sich nur um sich selber zu kümmern in der Schule, in der Familie, unter Bekannten, bei der Arbeit, in der Kirche. Das ist wirklich die Hölle. Jesus muss das gewusst haben oder zumindest doch geahnt haben. Und weil er es geahnt hat, hat er dem Teuflischen in der Wüste eine deutliche Abfuhr erteilt - so eindeutig, dass sie bis heute in den Ohren klingt. Er hat dem Teuflischen das erste Gebot hingehalten und gesagt: Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.

Das ist nämlich der Himmel.

Und jetzt kommt die Wahrheit, wegen der diese ganze einzigartige und wunderbare Geschichte bis heute erzählt wird und die ich euch leider nicht mal eben so beweisen kann. Das macht aber nichts, denn - was ja viel besser ist - die Wahrheit erweist sich jeden Tag im Leben und hat sich vermutlich auch schon bei euch erwiesen in Kleinigkeiten und in allerhöchster Not. 

Ich kann also einfach nur weitersagen, wie sie hier geschrieben steht: Wer dem Bösen widersteht, wer Gott allein dient, dem dienen die Engel. 

Wer sich an das erste Gebot hält, der wird von Gott gehalten.  

Wer keinen anderen Göttern dient als Gott, dem Vater Jesu, dem wendet sich Gott zu. Wer in Sorgen und Not nicht vor Gott wegläuft, dem wendet sich Gott zu. Wer auch die achtet, die sonst niemand achtet, dem werden die Engel den Weg bereiten.

Der Himmel auf Erden, das zu fühlen, das ist, wenn ich allein Gott anbete und ihm diene. Niemandem sonst. 

Das ist manchmal schwer. Immer wieder werden wir im Leben versucht. Und manchmal erkennen wir sie auch zu spät. 

Immer wieder wird etwas oder jemand den Versuch machen, dass wir alleine uns selber dienen. Das klingt immer sehr verlockend, als ginge es uns dann wirklich gut. 

Aber es ist ein teuflischer Irrtum. Wahr ist das genaue Gegenteil: Gott zu dienen gibt Leben. Wer sich mit seinem oder ihrem ganzen Leben der Verantwortung vor Gott bewusst bleibt, dem wird Gott dienen.

Und wer Gott dient, dem dienen die Engel. Amen