( 1. Petrus 1, 13- 21 ) - [ English ]
Liebe Gemeinde, wir haben Kaila getauft. In der Taufe eine Kindes steckt so viel Zukunft. Da fällt es einem als Familie wirklich nicht schwer, nach vorne zu schauen. Auch diejenigen, die Jesus in der Lesung begegnet waren, freuen sich auf die Zukunft. ABER: bevor sie mit Jesus mit kommen, wollen sie noch das ein und andere erledigen. Ich kann diese beiden verstehen. Sie sind zögerlich, ihren Blick allein in die Zukunft zu richten. Der eine möchte erst seinen Vater begraben, bevor er Jesus nachfolgt. Das ist ein Liebesdienst, der letzte, den er an dem Vater tun kann. Und ich verstehe auch, dass sich ein anderer erst noch von denen in seinem Haus verabschieden möchte. Das ist ja auch das Mindeste, würde ich denken. Aber Jesus bleibt dabei: "Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes." | Lk 9,62 Und wenn ich mir Jesu Leben anschaue, dann sehe ich da, dass er seine eignenen Ansprüche auch sich abverlangt hat. Niemals hat er gesagt, der Weg der Nachfolge sei einfach. Jesus nachzufolgen, bedeutet, die Entscheidung zu treffen, wie man leben möchte. Und dann kann es einem passieren, dass man von anderen nicht ernst genommen und belächelt wird. Hier ist es nicht so. Aber weltweit gelten 340 Mio. Christen als verfolgt, Zehntausende sitzen in Haft, werden gefoltert und diskriminiert und getötet. Christen sind dort die befremdlichen anderen, die unter General-Verdacht stehen. So war es auch in den ersten Gemeinden, dass Christen verfolgt worden sind. Den Gemeinden in Kleinasien gilt der 1. Petrusbrief, der ungefähr um das Jahr 70 n. Christus entstanden ist. Er wendet sich nicht an Einzelgemeinden oder konkrete Personen, sondern er hat umfassend alle im Blick, die an Christus glauben. Und er möchte der diskriminierte Minderheit Mut machen und Hoffnung wieder neu wecken.
1 Petrus 1,3.13-21 lesen
Auf der Konfirmandenfreizeit am letzten Wochenende haben die Konfis überlegt, was zum Lebensnotwendigen dazu gehört und was darüber hinaus schön ist, wenn man es hat. Lebensnotwendig sind Familie und Freunde, weil Beziehungen lebensnotwendig sind. Vieles im Leben wird uns geschenkt. Das können wir uns nicht selbst geben. Auch der Glaube wird einem geschenkt. Den kann ich mir nicht selbst machen. So ist das auch mit der Liebe. Die kann ich nicht selbst machen. Wenn ihr Kaila den Taufspruch mit auf den Weg gebt: alles, was du tust, tu in Liebe, dann wissen wir doch: Kaila kann diese Liebe nicht selbst machen. Liebe geben ist nur möglich, wenn ein Mensch Liebe empfängt. Von der Familie, von Freunden. Und von der liebenden Zusage Gottes in der Taufe: ich bin für dich da. Du gehörst zu mir. Ich liebe dich ohne wenn und aber. Dein Leben soll auf immer und ewig heil sein. Das Ziel des Glaubens, der Seelen Seligkeit wartet auf dich. Das ist Gottes Geschenk an uns. Und so, wie der 1. Petrusbrief vermutlich in eine Taufsituation hinein adressiert ist, so spricht er hinein in die Taufe von Kaila und in unser aller Taufe, die uns ein für alle mal sagt: Kind Gottes – du bist erlöst. Das Blut, die Kreuzigung Jesu, war nicht nur eine Hinrichtung, sondern zugleich eine Erlösung von der bitteren Welt und einem oft unwürdigen Leben. Nach der Auferstehung wissen wir, dass diese harte Welt nicht alles ist, sondern Gott uns eine paradiesische Welt verheißt, in der Jesus jetzt schon leben darf. Befreit von Angst dürfen wir leben, von Gott angenommen und zum ewigen Heil bestimmt.
Und dieses Gefühl der Befreiung soll uns durch unser Leben tragen. Jesus Christus hat uns gerettet, also sollen wir auch als Gerettete leben.
Das ist nicht immer ein leichter Weg, immer wieder stellen sich neue Herausforderungen in den Weg. Der Weg führt in die richtige Richtung, wenn da Freiheit auf dem Schild steht. Denn die christliche Gemeinschaft steht in der Nachfolge der Befreiung des Volkes Israel aus Ägypten, aus Not und Sklaverei. Immer wieder finden sich Anspielungen im 1. PetrusBrief. Sie sollen offen sein für das, was Gott mit ihnen vorhat. Stärkt den Verstand und seid nüchtern fordert der Briefeschreiber auf. Versucht eine Balance zu finden zwischen Anpassung und Distanz zur Welt, die hier als Fremde bezeichnet wird. Sie ist Durchgang zu Gott für alle, die Gott kennen und seinen Namen rufen und nicht den Spielregeln der Welt gehorchen. 14Als gehorsame Kinder gebt euch nicht den Begierden hin, in denen ihr früher in eurer Unwissenheit lebtet; Es stellt sich immer die Frage: wem möchte ich gehorchen? Da sind Wünsche und Versuchungen. Lasse ich mich von denen treiben, rastlos, immer mehr haben wollend. Wem bin ich gehorsam? Das griechische Wort im Urtext für gehorchen meint so viel wie: auf den Ruf Gottes zu hören. Gott spricht mich an. Ich bin sein Gegenüber. Gott will eine Beziehung zu mir haben. Ich soll mein Leben in Ehrfurcht vor Gott führen. Wir alle werden einmal vor seinem Gericht stehen. Und dieser Gedanke soll uns dazu motivieren, bewusst und verantwortungsvoll zu leben. Und dann ist da noch ein Gedanke, auf den ich näher eingehen möchte. Da heißt es im Brief: wie der, der euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel.16Denn es steht geschrieben (3. Mose 19,2): »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.«
Heilig sein, da denkt man ja oft: fehlerfrei zu sein.
Das meint es aber eben nicht. Was meint heilig sein? Im AT bedeutet es: Gott geweiht sein, zu ihm gehören. Kirche ist heilig, weil sie zu Gott gehört, die heilige, weil zu Gott gehörende christliche Kirche ist. Die Pharisäer meinten ja: heilig sein hebe sie von den anderen ab, mache sie zu besseren Menschen. Nein, liebe Gemeinde. Das meint heilig sein nicht. Gott ist heilig, denn er kommt in JC in die Welt, er sucht die Beziehung zu uns. Heilig sein ist ein Beziehungskonzept. Du bist gut, Kind Gottes, darf ich mir sagen lassen. Gott will eine Beziehung zu dir haben. Eine, die dich durch das Leben trägt. Und wenn mir jemand so eine Zusage macht, dann möchte ich auch zuhören. Und ich möchte mich auch ändern, weil ich dieser Zusage auch entsprechen möchte. Weil ich weiß, unter dieser Zusage darf ich wachsen und mich entfalten. So ändern sich Menschen, wenn sie diese Zusage bekommen. Liebe Gemeinde, die Stärke dieses Textes liegt in seiner ermutigenden Kraft. Geh vorwärts, folge Jesus nach. Du bist durch die Taufe wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung. Sie ist größer als alles, was in dieser Welt auch an negativem passiert. Jesus hat den Tod und damit alle lebensfeindlichen Kräfte besiegt. Jeder entscheidet selbst, ob er oder sie Hoffnungsträger sein möchte. Hoffnung wird mir zugetraut, die in Krisen nicht nur standhält, sondern auch ausstrahlt. Es wird uns zugetraut, Energiequelle zu sein. Gegen lähmende Gedanken hilft das Zutrauen, es wird etwas von dir erwartet. Du kannst auch an Jammertagen Impulse der Zuversicht aussenden und befreit von den Zwängen der Angst leben. Du bist berechtigt zu einer unzerstörbaren Freude. Vielleicht bewirkt das schon einen Energieschub. Und wenn nicht, suche den Grund der Hoffnung und Freude immer wieder – singend, betend oder in der Stille. Dass mir von außen etwas negatives passiert, das kann ich nicht verhindern, aber wie ich damit umgehe, und wo ich mir meine Kraftquelle suche, das entscheide ich selbst.
Da ist das Meer der Hoffnungslosigkeit und das Meer der Liebe. Wofür entscheidest du dich?