( Gen 22,1–15 ) - [ English ]
Liebe Gemeinde, wie stellst du Dir Gott vor? Wie begegnet er Dir? Das frage ich Konfis. Das frage ich euch heute morgen.
(1.Bild) In Psalm 23 wird Gott als der Hirte beschrieben. Bei ihm wird mir nichts mangeln. (2. Bild) Gott, als Auge dargestellt. Einer, der alles sieht, jeden und jede von uns. (3. Bild)Gott, das Licht der Welt, das sich durch alle Wolken und Dunkelheiten hindurch seinen Weg bahnt. (4. Bild): Gott als Quelle, die das Wasser spendet, damit Menschen, Tiere, Pflanzen leben können. Unsere Vorstellungen von Gott sind vielfältig. Im Laufe eines Lebens verändern sie sich mehrmals. Gott ist die Liebe heißt es kurz und klar und eindeutig im 1. Johannesbrief. (Bild 5) Mensch gewordene Liebe in Jesus Christus. Im Predigttext begegnen wir Gott. Anders, als ich es mir wünsche. Und mit Sicherheit anders als ihr es euch wünscht. Ich lese aus dem 1. Buch Mose im 22. Kapitel.
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Liebe Gemeinde, das ist eine heftige Geschichte. In mir regt sich Widerstand gegen solch einen Gott. Weil der so etwas Unmögliches von einem Menschen fordert. Den eigenen Sohn zu opfern. Unglaublich, dass Gott so etwas verlangen kann. Und als wäre das nicht schon grausam und sinnlos genug, kommt noch hinzu, dass Isaak der einzige Sohn von Abraham ist. Auf Isaak ruhen alle Hoffnungen.
Liebe Gemeinde, ich kann aber auch den Abraham nicht verstehen. Der wehrt sich überhaupt nicht. Der sagt zu allem: Hier bin ich.
Es geht hier nicht um eine Lapalie, es geht um Abrahams einziges Kind. Das er liebt. Ich möchte ihn am liebsten schütteln und ihm das zurufen.
Da sträubt sich alles in mir gegen ein solches Gottesbild und gegen einen solchen Gehorsam von Abraham.
Liebe Gemeinde,
In dieser Geschichte begegnet mir ein Gott, an dem ich zu knabbern habe. Mit dem muss ich mich auseinandersetzen, der löst Widerstände in mir aus. Das ist stark an dieser Geschichte. Ich werde sie so schnell nicht mehr los. Stark ist an dieser Geschichte auch: sie ist wirklichkeitsnah. Denn auch heute noch werden Kinder geopfert.
Z.B. aus Ehrgeiz, weil alle übertriebenen Träume, die man in seinem eigenen Leben nicht hat verwirklichen können nun von diesem EINEN Kind verwirklicht werden müssen – egal wie.
Oder aus verbockter Sturheit, weil die Eltern dem Kind seinen Weg vorschreiben, ob es das will oder kann oder nicht.
Dann ist da auch die Perversion Erwachsener, die ihre Opfer unter den Kindern fordert. Kinderpornographie, Kindesmisshandlung, Kindesmissbrauch. Und schließlich werden Kinder auch aus Nachlässigkeit geopfert. Heute in unserem modernen 21. Jahrhundert passieren genau dieselben Opferungen wie vor 4000 Jahren. Die Methoden sind andere, aber ein Opfer bleibt ein Opfer und ein zerstörtes Leben bleibt ein zerstörtes Leben.
Die Geschichte hält uns einen Spiegel vor, einen Spiegel unserer Zeit.
Dennoch knabbere ich daran, wie Gott sich hier zeigt. Und wie Abraham sich hier zeigt. Ich wünschte mir, Abraham würde den Kampf gegen Gottes Befehl aufnehmen. Ich wünschte mir, ihm würde dieser Kampf gelingen, damit es gar nicht erst zur möglichen Opferung Isaaks kommen kann.
Dennoch: ich will probieren, einen Sinn in Abrahams Handeln zu sehen. Warum tut er, was er tut? Er widerspricht Gott nicht. Er gehorcht ihm. Nicht, weil ihm sein Sohn egal ist. Das will ich nicht annehmen.
Abraham weiß vielleicht: Es hat keinen Sinn Gott zu widersprechen. Denkt an Mose, der lange mit Gott diskutiert und dann doch zum Pharao geht. Oder an Jona, der vor Gott weg lief und sich ihm doch nicht entziehen konnte. Es gab Versuche, Gott nicht zu gehorchen. Es half nichts.
Abraham erspart es sich offensichtlich. Er hebt sich seine Kräfte auf für den schweren Gang, den er gehen muss. Und hier ist Abraham wie Jesus in der Passionszeit: äußerlich war er gelassen und in sein Schicksal gefügt, innerlich mag es in ihm gebrodelt haben. Oder vielleicht war auch alles grau und trist und leer, weil er wusste: „Wenn das wahr wird, was mir bevorsteht, dann ist nicht nur das Leben meines Sohnes zu Ende, sondern auch mein eigenes Leben.“
Liebe Gemeinde, diese Geschichte ist wirklich eine Zumutung. Aber wenn ich mir Abraham so denke, dann fühle ich mich ihm irgendwie nahe. Und vielleicht erlebt Ihr das ähnlich: dass es im Leben Situationen gibt und ich frage: wie kann Gott mir das bloß zumuten? Das ist für mich ein Grund, warum ich diese Geschichte unglaublich spannend finde: weil sie so schonungslos ist. Und dabei so ehrlich, so lebensecht. Es gibt solche Situationen. Und sie kommen nicht von einem blinden Schicksal oder einem bösen Teufel. Sie kommen von Gott. Puh
Gott ist die Liebe. Das ist in solchen Situationen sehr schwer zu glauben. Aber es ist auch –zumindest ein Hoffnungsschimmer, dass nichts passiert, was außerhalb von Gottes Machtbereich wäre. Da gibt es vieles, was ich nicht verstehen kann. Und doch begleitet uns Gott dabei. Gott weiß, warum er uns dieses und jenes zumutet. Wir können nicht erwarten, dass immer genau alles so passiert, wie wir es uns wünschen.
Und ich soll dabei nicht vergessen: Keiner versteht mich besser als Gott selbst. Denn er selbst ist in seinem Sohn Jesus Christus dem Leiden nicht aus dem Weg gegangen.
Eine Frau hat mir einmal gesagt: bei allen Schicksalsschlägen, die mir im Leben passiert sind, habe ich nie gefragt, warum. Sondern immer: wozu? Und ich muss sagen im Nachhinein: es hatte alles seinen Sinn.
Ein Bild möchte ich gern noch zeigen. (Bild 6) Gottes Hand. Bereit, uns aufzufangen, wenn wir fallen. Bereit, dass sich das Menschenkind anlehnen kann und Schutz empfängt. Wir dürfen uns geborgen wissen. Wir haben unseren Lebensweg zu gehen. Bei allem Schweren, was wir zu tragen haben, wünsche ich uns, dass wir zumindest im Rückblick erkennen können, dass wir diesen Weg nicht allein gegangen sind. Dass Gott für uns da gewesen ist. Wenn wir in solchen lebensbedrohlichen Situationen drin stecken und wir von der Frage umgetrieben werden: Gott, warum? Wie kannst du nur? Erinnert euch an das Ende der Geschichte. Isaak ist nicht gestorben. Manchmal geschehen tatsächlich Zeichen und Wunder, gerade dann, wenn wir nicht mehr damit rechnen. Gott, der uns das Unzumutbare zumutet, kann uns auch aus dem Unzumutbaren herausholen. Das macht er nicht immer. Viele Menschen leiden und müssen es bis zum Letzten ertragen. Wir wissen nicht, warum. Vielleicht entdeckt man „wozu“, aber auch das muss jede und jeder nur für sich herausfinden. Und vielleicht erkennt man es auch nicht. Ich bin mir sicher, all die offenen Fragen dürfen wir Gott eines Tages stellen. Aber viele Menschen haben auch Gottes Hilfe erfahren und Rettung aus ihrer Not. Als sie schon alle Hoffnung aufgegeben hatten. So wie Isaak, als er gefesselt auf dem Altar lag. So wie Abraham, als er nach dem Messer griff. Und als alle Beteiligten dachten: Jetzt ist es vorbei. Aber es war nicht vorbei. Amen.