Epheser 5,8-14
Liebe Gemeinde, hinter dem Feuer auf dem Turm soll sich eine Art Reflektor befunden haben aus polierter Bronze.
Was ist die Funktion von Reflektoren? Sie leuchten ja nicht selbst, sondern sie sind beleuchtete Körper, die das Licht reflektieren und für uns daher sichtbar werden.
Ich kenne Menschen, die wirken auf ihre Umgebung so wie Reflektoren, weil sie Energien und Stimmungen anderer Menschen aufnehmen und sehr empathisch und feinfühlig angemessen darauf reagieren. Weil sie sich getragen fühlen von Jesus und dieses Getragensein auch auf andere Menschen ausstrahlen.
Menschen wie sie sind ein Geschenk für die Welt.
Lord Robert Baden Powell ist der Gründer der Weltpfadfinderbewegung und er hielt das erste Zeltlager auf Brownsea Island (Großbritannien) ab.
Mit 22 Jungen aller sozialen Schichten probierte er erstmals sein Konzept einer Pädagogik des Erlebens und der Verantwortung für den Einzelnen und die Gruppe. Sie wurde schon nach wenigen Jahren in drei Altersstufen gegliedert, um altersgerechte Lern- und Erlebnisräume zu schaffen.
Die Pfadfinder ist offen für Kinder und Jugendliche aller Nationalitäten und Glaubensrichtungen und ihr Ziel st die Förderung der Entwicklung junger Menschen, damit diese in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen können. Quasi selbst wie Reflektoren werden, die Licht in die Welt bringen.
Zur Pfadfinderbewegung gehören weltweit mehr als 60 Millionen Kinder und Jugendliche aus 216 Ländern.
Salz der Erde und Licht der Welt. Ein großer Anspruch. Werden wir dem immer gerecht?
Jesus jedenfalls traut es uns zu. Er hat seine Jüngerinnen und Jünger das Licht der Welt genannt und ihnen eingeschärft, ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen, sondern auf einen Leuchter. Dementsprechend durchzieht die Lichtsymbolik das gesamte Neue Testament. Besonders prägnant kommt sie im Brief des Paulus an die Gemeinde in Ephesus zur Sprache. Darin heißt es:
Lesen des Bibeltextes
Die Stadt Ephesus zählte in der Antike mit ihren etwa 200.000 Einwohnern zu den größten Kleinasiens. Dank ihrer günstigen Lage unmittelbar an der Ägäisküste war sie das wichtigste Handelszentrum des Mittelmeers.
Zahlreiche Tempel zeugten nicht nur vom Wohlstand der Stadt, sondern auch vom religiösen Leben. Der prächtige Bau zu Ehren der römischen Göttin Artemis zählte auch zu den sieben Weltwundern. Auch das Christentum konnte im ersten Jahrhundert in Ephesus Fuß fassen. Die kleine Gemeinde war bunt gemischt; zu ihr gehörten Juden ebenso wie auch ehemalige Heiden. Gerade in ihrem Anfangsstadium war die Gemeinde auf Orientierungshilfe und praktischen Rat angewiesen. Zu diesem Zweck schrieb ihr Paulus seinen Brief.
In dem Schreiben redet der Apostel Klartext.
„Ihr wart früher Finsternis“, stellt er fest. Die Epheser wussten sehr genau, was er damit meinte. In ihrer pulsierenden Hafenstadt blühte naturgemäß auch das Laster.
Durften Christen nach ihrer Taufe noch daran teilhaben? Nie und nimmer, meint Paulus. Keine faulen Kompromisse dürfe es da geben, keinen Rückfall in frühere Praktiken und Gewohnheiten. „Alles wird offenbar!“ warnt der Apostel. Mit anderen Worten: Meidet die Sünde in jeder Form, denn es bleibtnichts verborgen, es kommt alles ans Licht!
Dass alles ans Licht kommt, ist eine Vorstellung, mit der man auch heute noch Menschen beeindrucken kann.
Nicht in einem tröstlichen Sinn, sondern mit erhobenem Zeigefinger. Wenn das der liebe Gott sieht, dann bestraft er dich.
Damit wurde ein Gottesbild in Menschen gepflanzt, das ihnen Angst machte.
Es gibt Dinge im Leben, die möchte man nicht, dass sie ans Licht gebracht werden. Jeder hat das Recht darauf meine ich. Episoden, wo man sich blamiert hat oder Fehler gemacht.
Man kann Menschen zur Verweiflung bringen, wenn man ihnen droht, alles ans Licht zu bringen...
Inwieweit sich die Epheser von der Warnung des Paulus haben verunsichern lassen, ist nicht überliefert. Aber zweifellos ist ihnen deutlich geworden, worauf es Paulus eigentlich ankam.
Nicht darauf, ihnen Angst zu machen, sondern sie in die Freiheit und die Freude zu rufen. Sie sollten sich als Kinder des Lichts verstehen, von dem Erbarmen und der Liebe Christi durchdrungen.
„Wandelt als Kinder des Lichts!“, ruft der Apostel. Ein Kind des Lichts ist ein Mensch, der sich trotz seiner Unvollkommenheit angenommen und geliebt weiß. Ein Mensch, der nicht auf seine Vergangenheit festgelegt bleibt, sondern eine Zukunft hat von Gott her und auf ihn zu. Ein neuer, österlicher Mensch eben, ganz im Sinne der frühchristlichen Taufliturgie: „Wach auf, der du schläfst, und steht auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.“
Das Licht Christi wiederspiegeln, darum geht es auch für uns. Dass wir uns von seiner Liebe tragen und leiten lassen.
Der Apostel Paulus nennt als Früchte des Lichts die Güte, die Gerechtigkeit und die Wahrheit. Diese zeigen sich oft nicht in großen, sondern eher in kleinen Momenten. Indem wir auch dann nachsichtig und geduldig bleiben, wenn es uns schwer fällt. Indem wir bereit sind, uns zugefügtes Unrecht zu verzeihen. Indem wir ein Auge für die Schwachen und Bedürftigen haben.
Und indem wir auf die Stimme unseres Gewissens hören und unser Verhalten danach ausrichten.
Die Werte bei Euch Pfadfindern werden groß geschrieben: Ein Pfadfinder ist hilfsbereit und freundlich. Indem Sie sich um andere kümmern, erfüllen Sie nicht nur das Pfadfindergesetz, sondern zeigen auch eine der besten Eigenschaften der Menschheit. Wenn Sie die Angewohnheit haben, sich um andere zu kümmern, wissen Sie, dass sich dies auszahlen wird. Und sie sind allzeit bereit. Ob mit oder ohne Uniform. In der Schule, der Gemeinde, am Arbeitsplatz.
Jesus traut uns zu, Licht der Welt zu sein. Dabei weiß ich: ich habe nichts in mir, was leuchtet. Jesus allein leuchtet durch mich. Für andere Gottes Liebe und Führung sichtbar zu machen und weitergeben, was ich empfangen habe. Solche Christen sollen wir sein, die davom vom Herrn auf uns fallende Licht klar, ungetrübt und eindeutig reflektieren. Dass man also bei uns deutlich erkennt, woher das Licht stammt.
„Die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“ Paulus hat Recht. Und da nicht in jedem Falle eindeutig auf der Hand liegt, was gerecht und wahr ist, fügt der Apostel noch hinzu: „Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist.“
Das ist eine gute Wegweisung für ein Leben im Licht. Ich wünsche, dass wir mehr zu Menschen werden, die Licht in sich tragen und verbreiten. Die auf andere so herzerwärmend und heilsam wirken, weil sie das Licht Jesu wie ein Reflektor wiederspiegeln. Jesus traut es uns zu, in seinem Geist zu leben. Amen
