2024-10-27 - 22. Sonntag nach Trinitatis - (DE) - Pastorin Kornelia Schauf

Micha 6,8


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Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

Liebe Gemeinde,

Für heute habe ich einen sehr kurzen Predigttext gewählt. Ein Prophetenwort.

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig deinen Gott begleiten. Micha 6,8

Liebe Gemeinde,

Was ist gut? Die Frage klingt so einfach. Manchmal finde ich sie sehr schwer zu beantworten.

Unsere Welt so komplex und verwickelt. Ethische Fragen sind ambivalent. Wer einfache Antworten anbietet, gehört meistens zu Gruppen, die die Welt in Gut und Böse, schwarz und weiß, richtig und falsch aufteilen.

Was ist gut? Es bleibt eine Frage. Denn offensichtlich ist nicht alles gut. Was ist gut?

Heute gebe ich zunächst augenzwinkernd eine Antwort: gut, im Sinne von schön ist es, dass ich bei euch als Pastorin eingeführt werde. Dafür bedanke ich mich schon jetzt. Ich danke für die liebevolle und großartige Vorbereitung dieses Festes.

Aber abgesehen davon, dass ich mich über diesen Tag freue, was ist wirklich gut daran, dass wir Gemeinde sind? Und zwar gut, im Sinne des Propheten Micha, mit dem wir uns in dieser Predigt beschäftigen.

Und damit zurück zu unserem heutigen Predigttext: zurück zum Propheten Micha:

Es ist uns gesagt, was gut ist.

Schauen wir uns in der Welt um, kann Zweifel entstehen. Wir sehen sehr Vieles, was schlecht ist.

Nicht nur schlecht, sondern tatsächlich böse.

So viel Böses geschieht in der Welt, obwohl uns Menschen gesagt ist, was gut ist.

Mit diesem schmerzhaften Widerspruch beschäftigt sich Micha. Und nicht nur Micha. Das sind Fragen, die fast jeden Menschen beschäftigen.

Einerseits festlich gedeckte Tisch und anderseits nicht einmal ein Brocken, der vom Tisch fällt.

Doch bemerkenswerterweise: die meisten erleben den Widerspruch. Nur wenig Menschen bleiben gleichgültig den krassen Widersprüchen von Gut und Böse gegenüber.

Micha löst den Widerspruch nicht auf. Er leuchtet auf einen Aspekt: er nimmt die Beziehung von Gott und Mensch in den Blick.

Dazu eine kleine Geschichte: Gott und ein Mensch sitzen gemeinsam auf einer Bank in einem Park.

Der Mensch redet auf Gott ein, wie schlimm doch die Welt ist, wie viele Kriege es gibt, wie viel Streit im Kleinen. Schließlich stellt der Mensch die abschließende Frage: Gott, warum lässt Du das zu?

Darauf antwortet Gott: Das ist ja seltsam, genau das wollte ich dich auch gerade fragen.

Bei Micha findet die Begegnung zwischen Gott und Mensch nicht auf einer gemütlichen Parkbank statt, sondern in einem Gerichtssaal. Da begegnen sich Gott und Mensch und fragen wie es besser werden kann in der Welt. Die Berge sind Zeugen und die Hügel hören zu.

Einig sind sich alle darin: Es wäre wirklich gut, wenn Menschen frei leben, ihre Gaben entfalten können und jeder das hat, was er zum Leben braucht.

Wie soll das gehen. Bei Micha geschieht das, was auf der Parkbank geschieht: es wird deutlich jeder erwartet es vom anderen. Gott hat dem Menschen doch gesagt, wie es gut sein kann. Der Mensch findet die Gebote im Allgemeinen nachvollziehbar; in persönlichen Entscheidungen aber oft lästig.Auf der anderen Seite der fromme Mensch, der bereit ist alles Mögliche für Gott zu tun. Auch Opfer zu bringen, vor allem sinnlose Opfer. Dafür aber möge Gott dann bitte auch das Seine tun und die Welt in

Ordnung bringen.

Ist das gut? Nein, das ist anstrengend und unbefriedigend und vor allem nicht zielführend. Gott zweifelt. Der Mensch zweifelt. Die Not bleibt.

Wo sieht Micha einen Ausweg: In der heilvollen Begegnung zwischen Gott und Mensch. In der Zuwendung zueinander, statt in der Ablehnung. Gott und Mensch auf einer Bank, in einem Gerichtsaal, in einem Boot. Es lohnt sich diese Szene in der Bibel noch einmal genau nachzulesen.

Das ist eine großartige Inszenierung. Gott und Mensch verbindet die Sehnsucht nach Gutem. Gott und Mensch hoffen auf Frieden, wünschen sich Gerechtigkeit, arbeiten an der Rettung der Welt.

Doch dabei werden sie sich fremd.

Und es entsteht der Eindruck bei beiden, bei Gott und Mensch: wir tun nicht genug. Es reicht nicht.

Berge und Hügel als Vertreter der Schöpfung können das bezeugen.

Für Micha ist der Ausweg aus diesem Dilemma eine Begegnung zwischen Gott und Mensch. Eine Beziehung, in der unterschiedliche Rollen eingenommen werden.

Dem Menschen wird gesagt, was gut ist – von Gott.

Und es muss ihm immer wieder neu gesagt werden. Der Mensch vergisst so schnell. Und zwar nicht erst ab sechzig.

Micha betont diesen Unterschied zwischen Gott und Mensch. Gott ist gut. Gott sieht die Welt an und

wo Gott hinschaut, da kann erfahren werden: Siehe, es war sehr gut.

Der Mensch aber kommt an die Grenzen seines Gutseins. Er kommt an die Grenzen von Geduld. An die Grenzen des Machbaren. Der Mensch ist Mensch, fähig zu Gut und Böse. Der Mensch ist Mensch mit allen menschlichen Abgründen.

Dem Menschen muss gesagt werden, wer er ist. Davon erzählt die Bibel: Gott spricht zu seinen Menschen und lässt sie wissen, wer sie sind: Ebenbilder. Kinder Gottes. Weggefährten. Verbündete.

Es ist gesagt und es muss immer wieder neu gesagt werden. Das erkennt Gott in dieser Szene. Gott lässt sich darauf ein, offenbart sich immer neu. Gott gibt sich zu erkennen mitten in einer Welt, in der das Böse manchmal übermächtig wirkt. Da schaut Gott hin, sieht seinen Menschen, dem er zutraut, gut von böse zu unterscheiden und merkt doch: so einfach ist das nicht mit den Menschen.

Micha beschreibt einen Gott, dessen Aufgabe nicht darin liegt, das Böse aus der Welt zu schaffen, sondern den Menschen an seine Güte zu erinnern.

Gott spricht zu seinen Menschen. Und Gott spricht das Wort, das tröstet und befreit.

Darum ist es gut, dass wir heute eine Einführung feiern. Das es meine ist, freut mich persönlich sehr.

Doch darauf kommt es nicht so an. Es kommt darauf an, dass das Wort Gottes lebendig bleibt und gesagt wird. Das ist für mich eine der schönsten und wichtigsten Aufgaben. Herauszufinden, was uns Menschen gesagt ist und gesagt wird. Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist: Gottes Wort halten, Liebe üben und deinen Gott begleiten.

Da werden wir in ethischen Fragen ringen. In schweren Situationen leiden. Mit dem Unrecht nicht fertig. Anpacken, wo wir können, weil uns gesagt ist, wer wir sind.

Darum ist es ein Fest heute: Weil Gott noch spricht. Weil Gott seine Menschen tröstet und ermutigt.

Weil Gott seinen Menschen die Welt anvertraut und ihnen zutraut: Gutes in ihr zu bewirken.

Lasst uns gegenseitig und zusammen eine Gemeinde sein, die weiß, was ihr gesagt ist und die darauf vertraut, dass Gott sie immer wieder beruft.

Die Berge werden staunen und die Hügel aufatmen. Die Schöpfung wird jubeln. Ja, Mensch, es ist dir gesagt, was gut ist!

Der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus

Jesus. Amen

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