2024-11-10 - 3. Letzter Sonntag im Kirchenjahr - (DE) - Pastorin Kornelia Schauf

Micha 4, 1-5


predigt english


„Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegründet als höchster Berg der

Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen die Völker.

Viele Nationen machen sich auf den Weg. Sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs. Erzeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Zion kommt die Weisung aus Jerusalem kommt das Wort des Herrn. Er spricht Recht im Streit vieler Völker, er weist mächtige Nationen zurecht (bis in die Ferne). Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg.

Jeder sitzt unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum und niemand schreckt ihn auf. Ja, der Mund des Herrn der Heere hat gesprochen. Denn alle Völker gehen ihren Weg, jedes ruft den Namen seines Gottes an; wir aber gehen unseren Weg im Namen unseres Gottes für immer und ewig.“


Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

Liebe Gemeinde,

während assyrische Truppen Jerusalem bedrohen, stellt sich der Prophet Micha vor, wie Frieden aussieht und spricht darüber mit König Hiskija.

Wenn wir mehr als die für heute ausgesuchten Verse lesen, dann ist deutlich: Micha nimmt kein Blatt vor den Mund. Micha traut sich, deutlich auf Missstände in der Welt hinzuweisen.

Micha findet sich nicht ab und beruhigt sich, indem er sagt: „Die Welt ist nun mal schlecht!“ Micha bleibt davon überzeugt: „Es geht auch anders!“

Während um ihn herum die Regierung des Königs mit Auffrüstung beschäftigt ist und alle Welt sich darauf einstellt, dass Frieden nur mit Waffengewalt herzustellen ist, liest Micha fleißig in den Geboten und Gesetzen Gottes.

Die Heilige Schrift fordert ihn heraus. „Wenn das wahr ist, was hier steht“, argumentiert Micha, „dann können wir nicht in den Krieg ziehen.“

Micha hat ein besseres Ziel im Blick: Eine friedliche Zukunft.

So unwahrscheinlich sie in dem Moment, in dem er predigt auch geworden ist – Micha bleibt der Heiligen Schrift treu. Er liest die alten Worte und sie bewegen in ihm neue Hoffnung. So schlecht es auch zugeht in der Welt – Micha bleibt hoffnungsvoll.

Er macht sich nichts vor. Er schaut nicht weg und predigt billigen Optimismus. Im Gegenteil: Micha macht sich sehr viel Mühe auf das aufmerksam zu machen, was mit der Heiligen Schrift nicht zu vereinbaren ist. Er prangert Menschen an, die Unheil planen. Er kritisiert diejenigen, die mehr und mehr Besitz anhäufen und alles an sich reißen: Felder und Häuser. Micha macht die Gewaltbereitschaft seiner Mitbürger zu schaffen.

Obwohl er nur ein kleiner Prophet ist, sieht er seine Aufgabe darin vom Frieden zu reden. Er scheut nicht einmal die Konfrontation mit dem König. Ihm erzählt er vom Frieden.

Der König scheint vergessen zu haben, dass Frieden seine Aufgabe ist.

Micha beschreibt ein Wunder: plötzlich fällt den Herrschern der Welt ein, dass sie ein verkehrtes Ziel angesteuert haben: sie haben alle nur an sich gedacht. Plötzlich kommt die Welt als Ganze in den Blick mit einem Ziel: Frieden.

Kommt, lass uns zu Gott umkehren!

Umkehren zu Gott bedeutet, weg von den Waffen.

Umkehren zu Gott bedeutet, zusammen auf dem Weg zu sein. Nicht jeder gegen jeden, sondern jeder für jeden.

Umkehren bedeutet, die Not derjenigen Menschen wahrzunehmen, die alles verloren haben: Heimat und Familie, Besitz und Ansehen.

Micha stellt sich vor, dass alle Regierenden der Welt sich an Gott ausrichten. Am Gott, der Leben schafft und Frieden stiftet. Dem Gott, der umgeben ist von Frieden: der Friedefürst, der wunderbare Ratgeber.

Wie wäre es, wenn die ganze Welt auf seinen Pfaden geht?

Liebe Gemeinde, ich bin froh und dankbar, dass am Anfang der neuen Woche diese Worte zu uns sprechen.

Sie sind eine große und großartige Vergewisserung, dass Frieden eine Möglichkeit bleibt.

Sie sind eine Vergewisserung, dass es sich lohnt, sich an Gottes Wort auszurichten und durch Got aufgerichtet zu werden.

In der Vorbereitung auf diesen Gottesdienst habe ich mich mit einigen der Jubilare getroffen. Wir haben uns

Zeit genommen, Gottes Spuren in unserem Leben zu suchen und uns davon zu erzählen.

In jedem Leben gab es Zeiten, in denen diese Spuren schwer zu finden schienen. Da ist etwas geschehen, was jemanden aus der Bahn wirft.

Die Begegnung mit dem Krieg. Der unerwartete Tod eines Menschen. Unerfüllte Lebenswünsche. Brüche in

Beziehungen. Politische Zustände, die einen am eigenen Verstand zweifeln lassen.

Es braucht Mut, sich einzugestehen, wie ohnmächtig und hilflos wir uns manchmal fühlen. Auch wie schuldig, wie verwickelt, wie unfähig, herauszufinden. Ja, da sind dunkle Täler, die uns fürchten und von denen wir meinen, wir werden unseren Weg nicht finden.

Doch hier sind wir: seid ihr, die Jubilare und ihr die Gemeinde: da sind wir: hindurchgezogen durch manches Tal. Wir sind nicht stecken geblieben. Manchmal dauert es lange: Vierzig Jahre in der Wüste – eine Ewigkeit.

Doch hier sind wir: in einem Gottesdienst: wo wir nicht nur unser Leben erinnern, sondern vor allem erinnert werden: Da ist Gott, der dich ansieht, über dir leuchtet, dich segnet mit Lebendigkeit.

Gesegnet werden, heißt ins Licht gestellt werden. Angestrahlt werden, so hell und klar, dass selbst in die dunkelste Ecke eines Tales doch noch ein Licht fällt.

So wie der bekannte Sänger Leonard Cohen gesungen hat: There is a crack in everything, that´s where the light comes in.

Micha erinnert seine Zuhörer an dieses Licht. Lasst euch nicht von den Kriegsbildern zerstören, stellt euch den Frieden vor.

Ganz praktisch und sehr anschaulich.

Ein jeder sitzt unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum.

Der Inbegriff des Friedens ist ein Ort, wo ich hingehöre und mich niemand vertreiben kann.

Es ist das eigene Stück Land, das man gestalten kann wie man möchte.

Auf diesem Land kann geackert werden. Da braucht man Pflüge und andere Werkzeuge.

Lasst uns ackern, sagt Micha.

Lasst uns nicht warten, bis sie alle losziehen. Das stellt er sich zwar in Vers 2 vor, dann aber fordert er einige auf in Vers 5. Lasst uns, die wir uns den Frieden vorstellen können, schon mal losgehen.

Ja, lasst uns das tun. Während so viele mit sich selbst beschäftigt sind, Völker und Nationen ihr eigenes Wohl in den Vordergrund stellen und bereit sind, dafür Krieg zu führen und zu verteidigen, was ihnen doch nicht gehört – während das der „Normalfall“ zu werden scheint, lasst es uns anders machen. Lasst uns die Waffen umschmieden. Lasst uns ackern, damit es friedlich zugeht. Lass uns hören auf Gottes Verheißung. Lasst uns vertrauen in den Gott, der seine Menschen schon oft verwundert und überrascht hat: als Kind in der Krippe, entwaffnet am Kreuz, lebendig im Grab.

Lasst uns festhalten an den Verheißungen und Worten, die wir zu unsere Konfirmation bekommen haben.

Lasst uns den Schmerz teilen, den Segen weitergeben, Gnade walten lassen, den Frieden suchen und dankbar Augenblicke genießen, wo niemand aufschrecken muss.

Möge Gottes Nähe euch solche Geborgenheit schenken – und möge diese Geborgenheit ein Wegweiser bleiben für den nächsten Schritt.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

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