Predigten - 2025

1.Johannes 5,11-13


predigt english


Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

Liebe Gemeinde, 

das Weihnachtsfest ist für viele Christen eine Zeit der Besinnung. Besinnung und Innehalten sind christliche Gewohnheiten, die den Alltag vieler glaubender Menschen strukturieren.

Wie wir jeden Tag essen. So brauchen wir auch jeden Tag geistliche Nahrung.
Und am Sonntag etwas mehr – etwas fetter – wie der Sonntagsbraten auch.

Und zu diesen täglichen und wöchentlichen Besinnungen, gibt es die unterschiedlichen Feste im Kirchenjahr.

Was mich daran beschäftigt: Es hört nicht auf. Es reicht nicht, einmal Weihnachten zu feiern und dann hat man das für sein Leben erledigt.

Im Gegenteil manche Menschen wünschen sich am Ende ihres Lebens: ach, wenigstens noch einmal Weihnachten feiern.

Wir besinnen uns mit jedem Weihnachtsfest auf die Geburt von Jesus Christus und wir besinnen uns auf die Bedeutung, die Jesus Christus für unser Leben hat. 

Der Schreiber des 1. Johannesbriefes tut genau dieses: Er besinnt sich. Die fünf Kapitel dieses Briefes stehen ganz unter dem Wunsch, der im ersten Vers des Briefes zusammengefasst wird: „Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unsren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens“

Und am Ende des Briefes steht der heutige Predigttext. Es sind drei kurze Verse:


11 Und das Zeugnis besteht darin, dass Gott uns das ewige Leben gegeben hat; und dieses Leben ist in seinem Sohn.

12 Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht.

13 Das schreibe ich euch, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt; denn ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes. 


Der Verfasser hat ein klares Ziel vor Augen: Das schreibe ich euch, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt, denn ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes.

Diese Verse sind eine große Vergewisserung: daran soll kein Zweifel bestehen: dass ihr das ewige Leben habt.

Da der Schreiber das so hervorhebt, können wir den Schluss ziehen: Menschen zweifelten daran. „Das ewige Leben!“ damit sind wir am Anfang des Jahres gleich bei einem sehr zentralen Thema. 
Wie sieht dieses ewige Leben aus? Oder umgekehrt: was ist das Gegenteil? 

Eine Predigt reicht sicher nicht aus, um das umfassend und angemessen zu bearbeiten – doch einen Anfang können wir machen.

Ewig – ist eine Bezeichnung, die im alten und neuen Testament Gott vorbehalten ist. Das habe ich auch in meiner Predigt über die Zeit betont. 
Zeit und Ewigkeit gehören zusammen und stehen sich doch gegenüber. Gott und Mensch gehören zusammen und stehen sich doch gegenüber.

Das ewige Leben wird und wurde oft auf das persönliche Weiterleben nach dem Tod reduziert. Das ist verständlich, denn es macht vielen Menschen zu schaffen, dass dieses Leben alles ist, was uns zur Verfügung steht.

Doch in gewisser Weise ist es so: es geht auch in der Bibel beim Thema des ewigen Lebens zunächst darum: Was bedeutet das für dieses Leben – der Gedanke an das ewige Leben ist eine Besinnung auf das, was wesentlich ist in unserem Leben.

Im ersten Johannesbrief ist es die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Mitmenschen.

„Liebe Brüder, wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott, und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott.“ Steht in Kapitel 4,7 

Oder eben auch der bekannteste Vers aus diesem Brief: „Gott ist Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“ Kapitel 4, 16b

Die Liebe ist der Schlüssel zum Verstehen des ewigen Lebens – und es ist kein Wunder, das wir uns am Ende des Christfests auf diese Liebe besinnen – denn die Geburt von Jesus Christus bezeugt die Liebe Gottes.

Johannes erkennt in der Liebe die Möglichkeit für die Gemeinschaft hier auf Erden und die Gemeinschaft mit Gott.
der Liebe ist es möglich jenseits der menschlichen Grenzen von Zeit und Raum wirksam zu sein.

Wir schicken Weihnachtsgrüße in die ganze Welt – wir vergewissern unsere Liebsten: wir denken an euch. Wir sind mit euch verbunden. Die Liebe bleibt – ob ein Sohn nun in Australien wohnt oder in Ferie Glen.
Das macht für die Liebe keinen Unterschied.

Und die Liebe ist das, was den Tod überdauert: die Liebe stirbt nicht mit. Der Mensch, der nicht mehr da ist, wird weiter geliebt.

Das ewige Leben und die Liebe stehen in einer engen Beziehung. Dabei geht es um die Liebe, die Johannes in Gott sieht.

Da ist die Quelle für die Liebe. 

Nun ist es kein Wunder, dass daran Zweifel bestehen. Denn so vollkommen die Liebe Gottes auch sein mag -in der Welt ist sie nur unvollkommen.
Auch das erleben in der Weihnachtszeit Menschen bewusster, als während des Rest des Jahres. Um Weihnachten herum, da fällt besonders auf, was unvollkommen ist: Da ist noch ein ungelöster Streit in der Familie. Da ist die Armut, die noch nicht überwunden ist. Da sind viele lieblose Erfahrungen – 

Immer wieder haben die ersten Christen gezweifelt und immer wieder schleichen sich auch in unserem Leben Zweifel ein: 

„Denn das ist die Botschaft, die ihr von Anfang an gehört habt: Wir sollen einander lieben und nicht wie Kain handeln, der seinen Bruder erschlug!“

Johannes ist weder naiv, noch unrealistisch. Von Anfang an macht uns die Bibel bewusst: In der Welt gibt es gut und böse. In der Welt gibt es Liebe und Hass. In der Welt gibt es aufbauen und zerstören.

Und weil es so schnell geht, dass wir aus der Liebe fallen. Weil wir so schnell irritiert sind. Weil wir so schnell urteilen und andere ablehnen. Weil der Hass so viele Facetten hat und in der Welt noch immer viel Macht hat, können wir uns nicht oft genug auf die Liebe besinnen.

Der Anfang des Jahres ist eingebettet in die Weihnachtszeit. Am Anfang des Jahres eine Besinnung auf das, was Leben fördert.
Deshalb wurde der 1. Johannesbrief geschrieben:


Und so möchte ich euch, uns am Anfang dieses Jahres vergewissern: So sehr wir Menschen auch in der Gefahr leben, aus der Liebe  zu fallen und aufhören zu lieben – bei Gott ist es anders: Liebe ist ewig. Gott ist ewig.
Da gibt es kein: vielleicht und mal so, mal so: Gott ist ewig – Gottes Liebe beständigt.

Wir werden weiter unsere Gemeinschaft und unsere Gemeinde, unsere Gottesdienste feiern und nötig haben, um in der Liebe zu bleiben und uns immer wieder auf die Liebe zu besinnen.

Lasst uns das tun!

Damit wir wissen, dass wir das ewige Leben haben – es ist uns geschenkt. Es ist ein Geschenk, das nicht umgetauscht werden kann oder zurückgefordert wird.
Es ist ein ewiges Geschenk – die Liebe hört nicht auf – sie bleibt.

Möge es ein liebevolles Jahr werden für euch persönlich und für diese Welt – und möget ihr gewiss sein: Wir haben das ewige Leben geschenkt bekommen!

Der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen