Predigten - 2025

Johannes 5, 4-13


predigt english


Johannes 5, 4-13

Er musste aber durch Samarien reisen.

Da kam er in eine Stadt Samariens, die heißt Sychar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Josef gegeben hatte. 

Es war aber dort Jakobs Brunnen. Weil nun Jesus müde war von der Reise, setzte er sich an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. 

Da kommt eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken! 

Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, um Speise zu kaufen. 

Da spricht die samaritische Frau zu ihm: Wie, du, ein Jude, erbittest etwas zu trinken von mir, einer samaritischen Frau? Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern. – 

10Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, du bätest ihn, und er gäbe dir lebendiges Wasser.

11 Spricht zu ihm die Frau: Herr, du hast doch nichts, womit du schöpfen könntest, und der Brunnen ist tief; woher hast du denn lebendiges Wasser? 

12 Bist du etwa mehr als unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat? Und er hat daraus getrunken und seine Söhne und sein Vieh. 13Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten; 

14 wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt. 


Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

wunderbar erzählt. Von Anfang an ist klar: hier geht es um mehr als um die zufällige Begegnung von zwei Menschen an irgendeinem Brunnen. Hier geht es um Lebendigkeit. Hier geht es darum, wie zwei Menschen wieder lebendig werden. Der eine ist Jesus. Er ist müde. Johannes bleibt sich treu. Er erzählt von einem Gott, der ganz Mensch geworden ist. Müde und erschöpft. Er hat Durst. Und in der Begegnung mit der Frau wird er plötzlich zu dem, der er auch ist: Das menschgewordene Wort Gottes. Jesus spricht so, dass die Frau lebendig wird. Sie nämlich ist ebenfalls müde und erschöpft. Sie hat keine Kraft mehr. Ach wäre das schön, wenn es fließend Wasser gäbe und sie nicht immer wieder zum Brunnen laufen möchte. Sie ist ebenfalls ganz Mensch. Sie ist beschäftigt mit ihren täglichen und menschlichen Sorgen, mit ihrer Müdigkeit und ihrer Kraftlosigkeit. Ja, da ist irgendwo eine Sehnsucht – tief in ihr – lange nicht berührt – da schlummert in ihr der Wunsch und die Hoffnung wieder lebendig zu werden.

So ist der Ausgangspunkt. Das macht mich neugierig. Ich schaue genauer hin. Was erzählt Johannes da. Und dann fallen Einzelheiten auf: es ist nicht irgendein Brunnen, an dem Johannes das Gespräch stattfinden lässt: es ist der alte Jakobs Brunnen. Der Name ist Geschichte und der Name macht sofort darauf aufmerksam, dass es hier um mehr geht.

Hinzu kommt, dass Johannes betont: Jesus musste durch Samarien gehen. Musste er das wirklich? Gab es keinen anderen Weg. Jesus hätte eine andere Route nehmen können. Das „Musste durch Samarien gehen“ hat eine tiefere Bedeutung. Samarien sind die, die von den Juden getrennt sind: die anderen Juden. Trennung. Bruch. Fremde. Verachtet und abgelehnt. Die Menschen aus Samarien sind die anderen. The other. Da „muss“ Jesus hin. Denn dort hat er eine Aufgabe. Jesus schafft eine Verbindung. Jesus überwindet hier verschiedene Grenzen.

Das erzählt Johannes. Die Grenze der Vergangenheit: der Glaube war etwas müde geworden, fast schon ein toter Glaube: jedenfalls recht bedeutungslos für den Alltag der Frau am Brunnen.

Die alten Geschichten von Jakob und den übrigen Vorvätern und -Müttern. Natürlich kannte die Frau diese Geschichte. Aber sie gaben ihrem Leben keine Kraft mehr.

So geht es heute sehr vielen Menschen mit biblischen Geschichten. „Ach, diese alten Geschichten!“ Ja, sie sind interessant und historisch wichtig. Aber haben sie noch Bedeutung? Haben die Kirchen noch Bedeutung? Ist Jesus noch wichtig?

So viele Menschen sind erschöpft und müde. So viele Menschen würden gerne eine Pause haben von ihremanstrengenden Alltag – immer das gleiche, so anstrengend und doch noch keine Zufriedenheit, keine Lebendigkeit. dafür steht diese Frau. Sie bewältigt ihren Alltag. Sie hat immerhin noch nicht aufgegeben. Jeden Tag aufs Neue macht sie sich auf den Weg.

Sie trinkt – sie holt Wasser. Doch lebendig fühlt sie sich nicht.

Und dann diese Begegnung. Der müde, durstige Mann Jesus – ausgepowert und erschöpft – wird er seiner Berufung gerecht? Hat er zuviel Elend gesehen? Was soll er noch alles tun? Wie kann er helfen? Und die müde, durstige Frau – die am Brunnen ist und doch Durst nach Leben hat.

Diese beiden Menschen treffen sich und in dieser Begegnung, in dem Gespräch, das sich langsam entwickelt entsteht neue Lebendigkeit. Großartig erzählt Johannes das: was es kostet, sich auf ein Gespräch einzulassen. Erst gelingt es nicht. Die Frau hört, was sie will und Jesus versteht sie auch nicht gut.

Es dauert einen Moment, sich auf die Begegnung einzulassen. Das kenne ich auch: wenn ich zu müde bin und mir jemand begegnet und ich gar nicht richtig zuhöre – weil ich irgendwie schon ahne, um was es geht und gar nicht damit rechne, dass dieses Gespräch, diese Begegnung mit verändern kann.

Doch es entwickelt sich. Beide müssen Grenzen überwinden. Beide sind mit der Frage beschäftigt: Was willst du von mir! Die Frau ist misstrauisch. Sie hat schon viele schlechte Bekanntschaften mit Männern gemacht. Was will dieser Fremde von ihr?

Sie fragt. Sie nimmt ihre Zweifel ernst. Will er nur Wasser? Irgendwie wird sie neugierig. Was ist das für ein seltsamer Jude? Was hat er vor?

„Wenn du wüsstest…“, antwortet Jesus ihr. Wenn du nur bereit wärst, mir etwas offener zu begegnen. Und tatsächlich – sie öffnet sich. Bist du etwa mehr als unser Vater Jakob.

Diese Frage zeigt ihre Überraschung. Sollte da heute etwa nochmal etwas geschehen, wie damals? Sollte da in der Gegenwart etwa ein Mensch leben, der ebenso bedeutsam ist wie der Vater Jakob, den sie aus den vielen Geschichten kennt. Kein Glaube, der sich nur auf etwas in der Vergangenheit ausrichtet. Sondern in der Gegenwart lebendig ist.

Ich glaube, dass steht im Zentrum dieser Geschichte und das ist es, was uns heute beschäftigen sollte: Wie ist Jesus lebendig unter uns? Erzählen wir so von ihm, dass Menschen merken, durch Jesus Christus werde ich selbst lebendiger. Da wird ein Durst gestillt. Da wird eine Sehnsucht beantwortet.

Könnt ihr euch mit dieser Frau identifizieren, die merkt, welche Bedeutung dieser Jesus für sie hat? Was würde in euch lebendig werden?

Was braucht ihr? Welches Gespräch würde euch helfen, um Grenzen zu überwinden und zu entdecken, dass der alte Glaube heute lebendig ist.

Das ist kein müder Glaube. Es ist kein toter Jesus. Es ist kein erschöpftes Vertrauen, sondern das Vertrauen in Jesus Christus bleibt eine Kraftquelle.- Schaut euch das Bild an: eine echte Begegnung – im Hintergrund die vielen anderen. Das ermutigt mich: was ich mit meinem Glauben erlebe wird ausstrahlen zu den anderen.

Ob vom Osten oder Westen, vom Norden oder Süden: Menschen in der ganzen Welt – suchen lebendiges Wasser. Lasst uns unseren alten Brunnen sichtbar machen: und lasst uns an diesem Brunnen Begegnungen mit Jesus ermöglichen, die lebendig machen.

Die Gemeinde, dieses Gelände, wir Menschen: Der Jakobsbrunnen: Und hier fließt noch lebendiges Wasser: lasst es uns teilen mit Fremden, mit denen, die erschöpft und müde sind. Lasst uns erleben, was Jesus verspricht: eine tiefe Erfüllung; In Ewigkeit kein Durst mehr. In Ewigkeit lebendig.

Der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen