Predigten - 2025

Apostelgeschichte 16


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Erstes Gespräch mit Lydia

Sprecher 1

Wir haben die große Ehre heute eine Frau zu Gast zu haben, die eine Expertin in Sachen Gemeindearbeit ist. Sie und ihr ganzes Haus waren ein gastfreundlicher wichtiger Ort für eine der ersten christlichen Gemeinden. Wir haben Lydia eingeladen und sie ist zu uns gekommen.

Lydia – wir heißen dich besonders herzlich willkommen. Wunderbar, dass wir mit Dir zusammen diesen Gottesdienst feiern können. Wir bitten dich, dass du uns später im Gottesdienst auch ein bisschen mit Deinen Erfahrungen ermutigst.

Lydia

Mir ist es ebenfalls eine große Ehre bei euch zu sein. Es ist ein Wunder, euch hier zu sehen – so eine bunte, große, fröhliche Gemeinde. Das haben wir vor zweitausend Jahren nicht geahnt. Wir waren manchmal so betrübt und befürchteten wir sind die ersten und letzten Christen – doch es scheint, als hätte unser Glaube Früchte getragen.
Danke, dass ich an diesem Tag bei euch sein kann.

Sprecher 1

Da wir alle so überwältigt sind von Freude – lasst uns ein Lied anstimmen auf unseren Herrn Jesus Christus, der Eckstein, das Fundament, der Mittelpunkt unserer Gemeinden.


Statements von Mitarbeitenden

1. „Bloß nicht mich fragen – mir wird das zuviel!“

2. „Das hat mir wieder richtig Spaß gemacht, da mitzumachen!“

3. „Auweia, bin ich dafür überhaupt geeignet?“

4. „Ich kann das gar nicht – vor allem: andere können das viel besser!“

5. „Warum fragen sie mich eigentlich nie persönlich?“

6. „Ich könnte das machen, aber mich fragt ja niemand!“

7. „Uups, jetzt habe ich schon wieder „Ja“ gesagt!“

8. „Gut, dass ich „Ja“ gesagt habe. Ich habe soviel dabei gelernt!“

9. „Auch wenn es mir eigentlich zu viel wird, die Gemeinschaft tut mir so gut!“

10. „Es tut mir so gut, dass ich mitarbeiten kann. Ich freue mich, wenn meine Arbeit anderen etwas bedeutet.“

11. „Nee, das ist echt nicht so mein Ding!“

12. „Immer „ich“. Ich tue wirklich schon genug. Jetzt sind mal andere dran.“

13. „Hier in der Gemeinde fühle ich mich angenommen – da mache ich gern mit. Soviel wie geht!“

14. „Diese Gemeinde ist meine Familie. Da gibt´s kein „Nein“!

15. „Immer wenn ich hier mitmache und mithelfe, da fühle ich Gottes Nähe ganz besonders:“

16. „Ich bin so dankbar für mein Leben – darum mache ich mit!“


Vorstellung Lydia

Sprecher 1

Wir haben Lydia begrüßt. Wir haben sie euch aber noch nicht richtig vorgestellt. Das holen wir nun nach.

Lydia kommt aus der Stadt Thyatira. Das ist in Kleinasien. Von dort aus kam sie nach Philippi in Nordgriechenland. Warum sie den Ort gewechselt hat, wird nicht gesagt.

Vielleicht wird sie es uns später verraten.

Ein Ortswechsel bei Frauen in dieser Zeit geschah oft nicht freiwillig. Nicht selten sind Frauen als Sklavinnen verkauft worden, von einem Ort an einen anderen.

Zu jener Zeit, als von Lydia in der Apostelgeschichte erzählt wird, ist sie eine freie Frau, offenbar auch nicht verheiratet. Und sie ist Purpurhändlerin. Sie ist nicht Purpurfischerin und gehört auch nicht zu den Purpurfärbern. Sie hat nichts mehr zu tun mit dem riskanten Fang der Schnecken oder dem unangenehm stinkenden Färben der Stoffe. Ob sie das vorher gemacht hat und sich hochgearbeitet hat, vielleicht spricht sie auch darüber zu uns.

Sie kauft und verkauft Purpurprodukte in einer Stadt, in der man sich solchen Luxus eben leisten kann. Ein Haus hat sie, einem Haushalt steht sie vor. Und sie ist fromm. Jedoch – was heißt schon fromm in diesen Zeiten, im römischen Reich? Lydia ist eine „Gottesfürchtige“, dem jüdischen Glauben steht sie nahe, eine Jüdin ist sie nicht.

So stelle ich euch Lydia vor: als eine inzwischen unabhängige, selbstbewusste, kluge Frau. Sie hat ihre eigenen Vorstellungen von Gott und der Welt. Und sie ist eine Frau, die offen ist. Sie hört sich um und sie hört zu. Sie ist offen, für das, was kommt.


Zweites Gespräch mit Lydia

Lydia

Ich erinnere diesen Tag ganz genau: Paulus und Timotheus kamen zum Fluss. Wahrscheinlich

hatten sie dort betende Männer erwartet. Mit denen wollten sie reden.

Und dann trafen sie nur auf uns: ein paar Frauen. Warum die Männer an dem Tag nicht am Fluss

waren, und ob Paulus und Timotheus darüber enttäuscht waren, das weiß ich nicht. Jedenfalls

taten sie etwas, was für die damalige Zeit ungewohnt war: Sie fingen an, sich mit uns zu

unterhalten.

L3

Und wie war das für Dich? Was war so besonders an dem, was die beiden euch erzählten?

Lydia

Ihre Worte trafen mich mitten ins Herz. Es wurde ja schon in meiner Vorstellung angedeutet: vor langer Zeit bin ich aus Thyatira hierhergekommen. Nein, nicht freiwillig. Ich war eine Sklavin. Das will ich nicht noch einmal erzählen. Es war zu furchtbar und zu schwer. Der Anfang hier war schwer. Doch ich habe es geschafft: in der Männerwelt. Ich bin frei geworden. Ich habe meinen eigenen Haushalt und mein eigenes Geschäft. Frei und unabhängig bin ich.

L3

Ich verstehe noch nicht, was das mit Paulus zu tun hat.

Lydia

Warte, warte. Dazu komme ich. Außer, dass ich frei und unabhängig bin, gehöre ich aber auch zu denen, die Gott verstehen wollen. Ich fürchte Gott. Mit anderen Worten: Vor Gott habe ich hohen

Respekt: seine Allmacht war für mich immer etwas überwältigend und beängstigend auch: wie kann ich vor so einem Gott bestehen.

Und damit bin ich bei Paulus: Paulus hat einen Satz gesagt, der ließ mich aufhorchen: „Die Menschen, die Jesus Christus vertrauen, verstehen sich als Schwestern und Brüder. In der christlichen Gemeinde da gibt es keine Slaven und Freie. Da gibt es keine Herren und Diener. Da gibt es kein Vorrecht der Männer über die Frauen“ Dieser Satz hat mich getroffen. „Wie soll das gehen?“ habe ich mich gefragt.

L3

Und hast du das Paulus und Timotheus auch gefragt?

Lydia

Natürlich. Das wollte ich wissen. Und ich wollte wissen, ob das nur so Gerede ist oder ob sie es ernst meinen. Paulus dachte lange nach. Dann sprach er zu mir: „Lydia, ich kann verstehen, dass sich das zu gut anhört, um wahr zu sein! Doch es ist wahr“. Dann erzählte er mir von Frauen, die mit Jesus umhergezogen waren, wie die anderen Jünger: Susanna und Maria und Johanna, die Frau eines Verwalters von Herodes und und und.

Paulus ließ durchblicken, dass es in den Gemeinden nicht leicht akzeptiert wird und auch zu Streit führt. Nicht nur, weil Frauen mitmachen, sondern eben auch Sklaven. Doch er blieb felsenfest davon überzeugt: in einer christlichen Gemeinde gibt es unterschiedliche Aufgaben, auch Ämter, aber niemand steht über den anderen. Jede und jeder ist eingeladen mitzumachen, mitzuwirken, Jesus nachzufolgen und in seiner Kraft und in seinem Geist in der Gemeinde zu wirken.

L3

Das hat sich nun 2000 Jahre gehalten. Obwohl vor allem viele mächtige Männer immer wieder versucht haben, es zu ändern. Sie haben Frauen zum Schweigen gebracht. Sie haben Bischöfe gewählt, die sich wie Könige und Fürsten aufgespielt haben. Doch es ist ein Wunder: der Satz, der dich, Lydia so aufhören ließ, der ist bis heute ein Kernpunkt unserer Gemeinde hier in Pretoria:

Hier wirken alle mit: wir versuchen, jede und jeden ernst zu nehmen mit seinen Ideen und Glauben. Wir sind eine große bunte Schar von Jüngern und Jüngerinnen.

Lydia

Das ist großartig, zu erfahren: ich freue mich sehr, dass ich das heute erlebe und sehe. Ich staune und bin glücklich. Ja, damals da habe ich Paulus beim Wort genommen: wenn das stimmt, Paulus: dann taufe mich und dann kehrt bei mir ein: wohnt in meinem Haus. Zeigt, dass ihr euch wegen mir nicht schämt, sondern euch zu mir bekennt: zu mir, der Frau, die Sklavin war und sich als Geschäftsfrau durchs Leben schlägt.

L3

Wie mutig Du gewesen bist. Das wiederum bewegt mich und ich höre dir gerne zu. Ich glaube, das Gespräch mit dir ermutigt viele von uns. Ich nehme mir vor: das will ich in die Gemeinde weiter einbringen: Den Mut, sich auf die Seite derer zu stellen, die manche nicht in der Kirche haben wollen. Auch den Mut, die Werte in der Welt zu hinterfragen und in der Gemeinde anders zusammen zu sein, als es in der Welt möglich ist. Und die Freude darüber auszusprechen, dass sich im Laufe der Geschichte immer mal wieder, und gerade über die letzten Jahre in Gemeinden wie unserer, schon so vieles zum Guten gewendet hat. Ach, Lydia: vielen Dank für Deine Geschichte.


Andacht

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

Liebe Gemeinde,

wir sind eine Gemeinde, die eine lange Tradition hat: nein, ich meine heute nicht in erster Linie unsere Sprache und Herkunft. Ich meine vor allem: die Tradition in der Nachfolge Jesu zu leben. Das vereint diejenigen, die aus Missionsfamilien kommen mit denen, die auf andere Weise Gottes Spuren in ihrem Leben entdeckt haben. Die meisten von uns haben solche Erfahrungen von denen Lydia berichtet: etwas hat uns zuhören lassen. Etwas hat uns genauer hinhören lassen. Die meisten von uns sind entweder stetig in den Glauben hineingewachsen oder haben eine Berufungserfahrung gemacht. Es kommt nicht so sehr darauf an, wann und wo die Saat des Glaubens in uns aufgegangen ist, sondern es ist wichtig, uns darauf zu besinnen: diese Saat wurde gestreut. Von Paulus und Timotheus, von Lydia und ihrem ganzen Haus, von weiteren Menschen über die Jahrtausende hinweg. Was die unterschiedlichsten Menschen zusammengehalten hat: Ihr Vertrauen in Jesus Christus. Darauf ist die Kirche gegründet.

In unserer Johannesgemeinde und in unserer NELCSA wirken Menschen mit, die ein großes Gottvertrauen haben und ihre Hoffnung in Jesus gegründet wissen. Es ist ein Segen, dass zu diesem Glauben auch das Tun gehört. Auch das hat sich fortgesetzt: wie bei Lydia: sie hat ihr Leben in den Dienst der Gemeinde gestellt. Sie hat auch ihr Geschäft weitergeführt. Sie hatte Segen erfahren und wurde ein Segen.

Das ist die Mitarbeit in der Gemeinde. Es ist kein Ackern und Rackern mit schlechtem Gewissen. Es ist kein Aufopfern und Kaputtmachen. Es ist nicht mehr und nicht weniger, als Segen weitergeben. Und darum ist es ein schöner Brauch, dass am Anfang eines neuen Jahres alle Mitarbeitenden gesegnet werden! Eine Erinnerung daran, dass Gott uns zuerst geliebt hat und seine Liebe durch uns in der Welt wirksam wird. Wir werden gesegnet und sind dann Gesegnete.

Darum bitten wir Gott: Segne uns, lege auf uns deinen Frieden. Segnend halte Hände über uns: Rühr uns an mit deiner Kraft.