Predigten - 2025

Lukas 10, 38-42


predigt english


Die Gnade unseres Herrn Jesus Christum, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns Allen!

Diese Predigt wurde ursprünglich gehalten von Hans-Martin Heins und freigestellt als Lesepredigt.

Es kann viele wichtige Dinge geben, aber nur eines kann das Wichtigste sein! Was ist dies eine für dich, für mich, für uns?

In einem Schlauchboot sitzen Menschen mit ihrem Gepäck, um von einem sinkenden Schiff ans rettende Ufer zu kommen. Doch die Last im Boot ist zu schwer. Jeder darf nur eine Sache behalten, der Rest muss über Bord geworfen werden. Was würdet ihr behalten: euren Pass, das Handy, die Bibel?

Und nun stellt euch diese Frage für euer Leben vor: Von allem, was ihr habt, sollt ihr auswählen: Was ist euch am Wichtigsten?  

Was würdet ihr auf jeden Fall behalten wollen und nicht hergeben: Familie, Beruf, Anerkennung, Freunde, Geld, Kirche, Glaube, die eigene Schaffenskraft, Gesundheit oder …? Über diese Frage kann man auch nachdenken, wenn es um eine Kirchengemeinde oder um die ganze Kirche geht: Geld, Gebäude, Bibel, Jesus, Aktivitäten, Beziehung in den Gruppen..

Aber wir wollen bei unserem Leben, bei uns bleiben. Gott sei Dank brauchen wir uns in der Regel dieseFrage nicht zu stellen. Meistens können wir alles oder sehr vieles schön nebeneinander haben.  Aber dennoch ist diese Frage viel entscheidender für uns, als wir allgemein annehmen. Denn selbst wenn wir darüber bewusst keine Entscheidung gefällt haben, so handelt jeder in seinem täglichen Leben nach einer Prioritätenliste, die er in seinem Hinterkopf hat, die darüber entscheidet, was wichtiger und weniger wichtiger ist und was ganz oben steht.

Die Geschichte von Maria und Martha stößt uns auf diese Frage: 

Lukas 10, 38-42

38 Als Jesus mit seinen Jüngern weiterzog, kam er in ein Dorf. Dort nahm ihn eine Frau namens Marta gastlich auf. 39 Sie hatte eine Schwester mit Namen Maria, die setzte sich zu Füßen des Herrn nieder und hörte ihm zu. 40 Marta dagegen war voll damit beschäftigt, das Essen vorzubereiten. Schließlich trat Marta vor Jesus hin und sagte: »Herr, kümmert es dich nicht, dass mich meine Schwester die ganze Arbeit allein tun lässt? Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll!« 41 Der Herr antwortete ihr: »Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und verlierst dich an vielerlei, 42 aber nur eins ist nötig. Maria hat die richtige Wahl getroffen. Sie hat sich für ein Gut entschieden, das ihr niemand wegnehmen kann.«

Wie leicht ärgern wir uns hier darüber: Unterstützt Jesus hier nicht die Faulheit?

Brauchen wir in der Kirche und in der Gesellschaft nicht viel mehr aktive Leute? Was hat Jesus gegen Marthas Verhalten?  Sie tut etwas, sogar noch für Jesus. Sie ist gastfreundlich und erledigt, was getan werden muss. Eigentlich ist ihr Verhalten doch vorbildlich und sehr christlich. Wenn ich euch fragen würde, was ist Gottes Wille an uns? Worin besteht ein christliches Leben? Was würdet ihr antworten? Die meisten antworten: nach den 10 Geboten leben, das Doppelgebot der Liebe beachten, sich um Kranke kümmern, das Evangelium weiter sagen, ..

Was ist also falsch an Marthas Verhalten und was macht Maria besser?

Wir müssen genau hinsehen! Jesus sagt nicht: Martha hat Schlechtes getan, sondern Maria hat das Besseregewählt. Im Vergleich mit vielen anderen Menschen hätte Martha wahrscheinlich gut abgeschnitten. Nehmen wir einmal an, dass das, was Martha tut, das Zweitbeste und Zweitwichtigste ist, was ist dann das Bessere, also das Wichtigste, was Maria tut?

Die Antwort ist: Wir sollen Gott etwas tun lassen in unserem Leben, ihn wirken lassen.

Es gibt ein Buch von Reinhard Deichgräber mit dem Titel „Gottes Willen erkennen und tun”, das ich zwar noch nicht gelesen habe, aber gerne lesen würde. Es beginnt mit der Aufzählung „Empfangen”. Was Gott uns sagen und geben will, sollen wir einfach empfangen. Wenn es zum Beispiel um das Wort Gottes geht, dann ist das nicht nur eine Meinung, mit der wir uns beschäftigen und eventuell umsetzen können, sondern Gottes Wort wirkt. Was Gott sagtpassiert...Immer wenn wir Gottes Wort auf uns wirken lassen, passiert etwas in unserem Leben.  Genauso ist es mit dem Gebet. Wenn wir uns im Gebet in Gottes Gegenwart begeben und uns für ihn öffnen, dann wirkt Gott an uns und durch uns, und zwar ohne unser Zutun.

Damit haben wir aber oft unser Problem:

Wenn es darum geht, ein Problem zu lösen, etwas aufzubauen in unserem Leben, unser Leben selbst, Beziehungen oder die Zukunft zu gestalten, dann halten wir das, was wir tun, für das Wichtigste. Gott kann vielleicht helfen, aber wirklich wichtig ist das, was wir tun. Es gibt in der Seelsorge oft das Erlebnis: Wenn Menschen das Gefühl haben, in ihren Problemen und in ihrem Chaos zu versinken, dann vertrauen sie eher auf das, was sie selbst oder andere tun können, als auf das, was Gott bewirken kann. Wir können es nicht glauben, dass die Beschäftigung mit dem Wort Gottes oder das Gebet wirklich dafür geeignet ist, unserem Leben eine neue Richtung zu geben. Dabei liegt meistens für uns das größte Problem darin, dass wir die Quelle verloren haben, aus der wir Kraft schöpfen; dass uns die Mitte fehlt, von der wir Ruhe und Orientierung bekommen; dass uns ein Halt fehlt, von dem wir wissen, er kann nicht zerbrechen. Jesus sagt: Das bekommt ihr bei mir!

Nochmal: Jesus sagt nicht, dass unser Tun unwichtig ist, aber er macht deutlich:

Wenn unser Tun nicht aus der Quelle Gottes die Kraft bekommt, ohne die innere Ruhe und die gute Orientierung und ohne ein festes Fundament geschieht, dann ist unser Tun purer Aktivismus, dann sind wir wie Ertrinkende, die durch panisches Schlagen mit den Händen noch schneller untergehen; dann wird am Ende von unserem Tun nichts übrig bleiben und auch wir selbst werden vergehen. Deshalb sagt Jesus: „Nur eins ist nötig. Maria hat die richtige Wahl getroffen. Sie hat sich für ein Gut entschieden, das ihr niemand wegnehmen kann.“  Sie lässt Gott etwas tun, gibt Jesus Raum in ihrem Leben, um zu wirken.

Überlegen wir in der kommenden Woche und auch danach doch mal: welche Rolle spielt das in unserem Leben, in unserer Zeitplanung, dass Gott an uns und durch uns wirken will, und für wie wichtig halten wir das?

Amen