Predigten - 2025

Johannes 6, 47-51


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Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

Johannes 6, 47-51 


47 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben.

48 Ich bin das Brot des Lebens. 

49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. 

50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. 

51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch – für das Leben der Welt.


Liebe Gemeinde,

wann war das erste und wann das letzte Mal, dass ihr gedacht habt: „Ich gebe auf!“?

Liebe Konfirmanden, habt ihr das in eurem Alter überhaupt schon gedacht? Ich wünsche euch, dass es nicht so ist. Doch wahrscheinlich kennt sogar ihr diese Erfahrung: eine Mathearbeit, die viel zu schwer ist. Ein Test, den ihr nicht besteht. Ein Projekt, das wie ein großer Berg vor euch steht. Oder vielleicht sogar manche familiäre Erfahrung: ein Umzug, den ihr schwer verkraftet. Eine Situation, die euch immer wieder einfällt. Streit, der nicht aufhört oder sogar immer schlimmer wird. „Am liebsten würde ich jetzt aufgeben!“

Wann habt ihr, liebe Kirchenälteste das gedacht?

Wann habt ihr Kranken das gedacht?

Wann hat das mancher Politiker gedacht?

Wann haben Menschen auf der Flucht das gedacht?

Wann haben das die Nachbarn in Mamelodi das gedacht?

„Am liebsten aufgeben!“ Menschen denken so, wenn ihnen Vertrauen fehlt. In Situationen, in denen die Sorgen zu groß werden. Wenn eine Enttäuschung zu schmerzhaft ist. In Situationen, in denen es nicht weiterzugehen scheint. Da verlieren manche Menschen ihren Glauben – ihr Vertrauen. Das ist eine besonders schwere Erfahrung.

Johannes lässt Jesus sagen: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben! Ja, so ist es, wem Vertrauen geschenkt wird, der kann sich vorstellen, dass das Leben weiter geht und dann erlebt er oder sie es auch. Wer Vertrauen hat, der sieht zwar keinen Sinn im Leid, doch er sieht, dass das Leben trotz leidvollen Erfahrungen sinnhaft sein kann. Unser Glaube, unser Vertrauen ist und bleibt eine große, vielleicht sogar die größte Kraftquelle. Wem Vertrauen geschenkt wird, der möchte nicht mehr am liebsten aufgeben, sondern möchte Berge versetzen. Wem Vertrauen und Glaube erhalten bleiben, der sieht jenseits – jenseits dessen, was ihn vom Glück, vom Frieden, von der Seligkeit trennt. Jenseits des Leides sieht er die Möglichkeit für neue Lebendigkeit.

Jesus hatte dieses Vertrauen in seinen Schöpfer und dann auch in sich selbst. Da ist eine Verbindung zwischen dem Vertrauen in Gott und dem, was wir uns selbst zutrauen. In dem Glauben erkennt Jesus seinen Auftrag, seine Bestimmung, seine Berufung. „Ich bin das Brot des Lebens!“ Keineswegs wird er angesichts der hungrigen Menschenmasse, die vor ihm steht, aufgeben wollen. Im Gegenteil: Lasst uns sehen, wie wir sie satt machen können.

Spätestens jetzt kommen Einwände: So einfach ist es nun wirklich nicht. Nein, einfach ist es nicht: weder das Vertrauen in der Not zu bewahren, noch der eigenen Bestimmung gerecht zu werden. Wenn es so einfach wäre, dann hätten wir wohl schon Frieden auf Erden. Wenn es so einfach wäre, dann würde keiner mehr Hunger leiden. Wenn es so einfach wäre, dann würden wir uns Menschen weniger Leid zufügen.

Jesus nimmt den Einwand auf. Er erinnert an den Auszug aus Ägypten. Immer wieder erzählen sich die Juden diese Geschichte: den Erfolg und die Freude und wie sie es durch die Wüste geschafft haben. Denn dort hatten etliche Juden, gerade befreit und begeistert doch plötzlich das überwältigende Gefühl: „Am liebsten würden wir jetzt aufgeben!“ Immer wieder sieht es so aus, als könnten man mit Herausforderungen nicht fertig werden.

Jesus schaut sich an, warum es so gekommen ist: Da war doch genug Brot. Das Manna war jeden Morgen da. Doch das Vertrauen fehlte. Das Vertrauen in ihren Gott. Und für mich ist das eine Beschreibung dessen, was viele Menschen in der Welt gerade erleben: alles ist da! Brot und Wasser und Wein und Süßigkeiten: Hülle und Fülle und doch reicht es nicht. Da fehlt das Vertrauen. Da fehlt das Bewusstsein für das, was der Seele mangelt. Da fehlt es an Gottesbeziehung.

Um dieses Vertrauen zu stärken, so sieht es Jesus, ist er in die Welt gekommen. „Ich bin das Brot des Lebens!“ Indem ihr eine Beziehung zu mir aufnehmt – wenn ihr meinen Geist in eurem Leben Raum gibt, dann ist die Chance groß, dass in euch Vertrauen und Glauben wachsen.

Doch wie es mit dem richtigen Brot auch ist, man kann nicht für morgen essen. Es hilft nicht, dass wir heute doppelt so viel verschlingen: Morgen werden wir wieder hungrig sein. Vertrauen können wir nicht konservieren: Wir können nur erinnern, wann es uns geholfen hat.

Das Manna in der Wüste wurde faul, wenn man es aufbewahren wollte. Der Glaube von damals wird schal und leblos, wenn wir ihn konservieren wollen: Das geht eben nicht. So sehr wir uns das auch wünschen. Jeden Tag neu. Da ist das Geheimnis der Bitte um das tägliche Brot. Jeden Tag neu, Vertrauen üben, Gerechtigkeit und Nächstenliebe praktizieren.

Beim Abendmahl erinnern wir an die Kraft, die aus dem Teilen des Brotes und aus dem Vertrauen in Jesus Christus wachsen kann. Wir haben es nicht in unserer Hand und doch können wir unsere Hand und unser Herz öffnen, empfangsbereit sein: offen für neues Vertrauen.

Kommt zum Abendmahl, bringt alle eure Erfahrungen mit, in denen ihr am liebsten aufgeben wolltet oder wollt – und dann öffnet eure Hand – ganz leer, bereit Vertrauen zu empfangen.

Jesus ist das Brot, das vom Himmel kommt – gerade in schweren Zeiten – kann es hilfreich sein, den inneren Blick zum Himmel zu lenken und zu beten: Woher kommt mir Hilfe?

Die Hilfe, die kommt, ist eine Kraft, die aushalten kann, was anfangs kaum auszuhalten war. Die Hilfe, die kommt, ist Gottes Geist, der uns weiter Leben einhaucht, uns weiter atmen lässt, wo doch die Welt stillsteht. Die Hilfe, die kommt, sind Menschen, die uns ein Stück Brot geben, ein Trostwort sprechen, einen Wegabschnitt an unserer Seite bleiben: So geht Leben ewig weiter: Solange wir Gottvertrauen bewahren und unserer Bestimmung vertrauen: Füreinander Bruder und Schwester zu sein. Kommt, denn es ist alles bereit. Schmecket und sehet, wie freundlich Gott ist.

Amen