1. Mose 22, 1-14
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen
Liebe Gemeinde,
Manchmal ist es dringend Zeit „Nein“ zu sagen.
Gott, beziehungsweise einer seiner Engel übernimmt diese Aufgabe in dieser heftigen Geschichte:
„Lege deine Hand nicht an den Knaben.“
Das war dringend Zeit. Viel hätte nicht gefehlt, und Isaak wäre tot.
Zurzeit gibt es etwa 250.000 Kindersoldaten in Afrika, Asien und dem nahen Osten.
Hinzu kommen etwa 160 Millionen Kinder, die Opfer von Kinderarbeit sind. Sie pflücken Tee und rollen Teeblätter. Sie ernten Kakao, damit Schokolade billig produziert werden kann. Zwischen 2018 und 2023 wurden etwa jährlich 47 Millionen Kinder als Flüchtlinge geboren.
Manchmal ist es dringend Zeit „Nein“ zu sagen.
Gott unterbricht Abraham in seinem wahnsinnigen Tun. Gott hatte Abraham eine gute Zukunft versprochen. Als Unterpfand hatte er ihm und Sarah einen Sohn, Isaak geschenkt.
Abraham ist bereit, diesen Sohn zu opfern. Abraham ist überzeugt, Gott wolle es so.
Abraham war sicher, er tut das Richtige.
Es fällt ihm nicht leicht. Man spürt der Geschichte ab, dass Abraham innerlich zittert. Zeugen will er schon gar nicht. Doch es ist ihm zuzutrauen, dass er seinen Sohn umbringt und meint, es sei ok. Noch schlimmer, er geht davon aus, dass Gott es so will.
Denn Gott hat doch immer einen Plan. Gott wird schon wissen, wofür das gut ist. Abraham stiehlt sich aus der Verantwortung. „Ich kann nicht anders!“, redet Abraham sich ein. Die Verantwortung für das, was geschieht, liegt bei Gott.
Mir graust vor solchen Menschen, die ihre Verantwortung an Gott abgeben. Diese Geschichte führt mir vor Augen zu was Menschen bereit sind. Sie hören nicht auf.
Nein, Menschen hören nicht auf, Kriege zu führen.
Menschen hören nicht auf, ihre Söhne zu opfern, ihre Kinder in die Flucht zu schlagen, ihnen ihre
Heimat zu nehmen.
Manchmal ist es zu spät „Nein“ zu sagen. Das lehrt uns die Geschichte.
Was für ein krasser Gegensatz ist das zu unserem friedlichen Gottesdienst, in dem wir Matthias und Finn taufen. Sie werden mit guten Wünschen überschüttet. Sie haben Eltern, die sie behüten und
beschützen möchten.
Welche Mutter will das nicht? Welcher Vater hat etwas anderes vor? Vermutlich waren auch Abraham und Sarah glücklich, als sie Isaak zum ersten Mal berührten und in ihren Armen trugen.
Doch leider leben wir in einer Welt, in denen dieser erste Moment später kaum eine Rolle spielt. So berührt sein, so unmittelbar konfrontiert mit der Geburt – mit einer Lebendigkeit, die unseren Verstand 1übersteigt. Eine Erfahrung, die uns staunen lässt und aus uns einen anderen Menschen macht: Vater und Mutter.
An Abraham können wir sehen, dass das verloren gehen kann. Die Versuchung ist groß. Das Wohl der Kinder nicht immer im Blick, wenn wir Erwachsene Entscheidungen treffen.
Welches Kind würde Krieg führen?
Welches Kind sieht von sich aus in einem anderen einen Feind?
Jesus sagt später in seiner großen Friedensrede: Werdet wie die Kinder!
Abraham ist alles Kindliche abhandengekommen. Und wo solche Kindlichkeit verloren wird, das unmittelbare Berührtsein von Lebendigkeit, da kann es so weit gehen, das Kinder geopfert werden.
Sogar im Namen Gottes.
Diese Geschichte warnt mich! Bin ich wirklich sicher, wenn ich annehme, dass Gott mich in Versuchung führt, dass ich blinden Gehorsam leisten soll?
Wie weit geht der blinde Gehorsam? Er führt weder gegenüber Menschen noch gegenüber Gott zu etwas Gutem.
Gott greift ein – so sehr Gott sich Vertrauen von seinen Menschen wünscht – so sehr Gott an erster Stelle stehen möchte im Leben eines jeden Menschen. Gott will keine Opfer.
Gott greift ein und unterbricht Abraham in seinem wahnsinnigen Tun.
Ich sehne mich danach, dass Gott es wieder und immer wieder tut. Er schickt Engel! Gott braucht diejenigen, die mitwirken beim „Nein“ sagen.
Damit Finn und Matthias und alle anderen Kinder in der Welt Kinder sein können – damit sie Frieden lernen und keine Ahnung haben vom Töten und Opfern, darum ist es Zeit „Nein!“ zu sagen.
Gott hat immer wieder Engel berufen: Menschen, die eingreifen, wenn absoluter und blinder Gehorsam gefragt werden.
Es gibt sie die mutigen Frauen und Männer, die „Nein“ gesagt haben und auf diese Weise sichtbar gemacht haben, wie unmenschlich das Tun von Menschen sein kann.
Gott werden auch in unserer Bibel, im Alten und im Neuen Testament unterschiedliche Rollen gegeben.
Es geschieht mehr als einmal, dass Gott sich selbst befreit und ganz direkt zeigt, um Menschen aus ihrer Unmenschlichkeit zu befreien. Auch aus der Unmenschlichkeit, die im Namen Gottes geschieht.
Ich bin dankbar, dass Gott so stark war, Abraham zu unterbrechen. Und ich bitte darum, dass Gott sich zeigt und uns unterbricht – Lasst uns klar und deutlich hören, was Gott will: „Du sollst nicht töten!“
Dazu spiele ich nun noch ein Lied, von einem deutschen Liedermacher! Ein Vater, der „Nein“ sagt.
Solche Väter und Mütter wünsche ich mir in der Welt – für Matthias und Finn und alle anderen Kinder.
Der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen
