Predigten - 2025

Exodus 1, 8-21 Schifra und Pua


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Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

„Wenn die Last der Welt mir zu schaffen macht“ – ja, dann ist das Gebet eine Kraftquelle. Heute hören wir die Geschichte von zwei Frauen. Ihre Namen sind Schifra und Pua. Sie waren jüdische Hebammen, die mit vielen tausenden von Juden zusammen in Ägypten lebten.

Die Last der Welt machte ihnen zu schaffen. Der König von Ägypten, der Pharao verlangte etwas Unmenschliches von ihnen.

Hört selbst: 2.Mose 1,8-21


8 Da kam ein neuer König auf in Ägypten, der wusste nichts von Josef 

9 und sprach zu seinem Volk: Siehe, das Volk der Israeliten ist mehr und stärker als wir. 

10 Wohlan, wir wollen sie mit List niederhalten, dass sie nicht noch mehr werden. Denn wenn ein Krieg ausbräche, könnten sie sich auch zu unsern Feinden schlagen und gegen uns kämpfen und aus dem Land hinaufziehen. 

11 Und man setzte Fronvögte über sie, die sie mit schweren Diensten bedrücken sollten. Und sie bauten dem Pharao die Städte Pitom und Ramses als Vorratsstädte. 

12 Aber je mehr sie das Volk bedrückten, desto stärker mehrte es sich und breitete sich aus. Und es kam sie ein Grauen an vor den Israeliten. 

13 Da zwangen die Ägypter die Israeliten mit Gewalt zum Dienst 

14 und machten ihnen ihr Leben sauer mit schwerer Arbeit in Ton und Ziegeln und mit mancherlei Frondienst auf dem Felde, mit all ihrer Arbeit, die sie ihnen mit Gewalt auferlegten. 

15 Und der König von Ägypten sprach zu den hebräischen Hebammen, von denen die eine Schifra hieß und die andere Pua: 

16 Wenn ihr den hebräischen Frauen bei der Geburt helft, dann seht auf das Geschlecht. Wenn es ein Sohn ist, so tötet ihn; ist’s aber eine Tochter, so lasst sie leben. 

17 Aber die Hebammen fürchteten Gott und taten nicht, wie der König von Ägypten ihnen gesagt hatte, sondern ließen die Kinder leben. 

18 Da rief der König von Ägypten die Hebammen und sprach zu ihnen: Warum tut ihr das, dass ihr die Kinder leben lasst? 

19 Die Hebammen antworteten dem Pharao: Die hebräischen Frauen sind nicht wie die ägyptischen, denn sie sind kräftige Frauen. Ehe die Hebamme zu ihnen kommt, haben sie geboren. 

20 Darum tat Gott den Hebammen Gutes. Und das Volk mehrte sich und wurde sehr stark. 

21 Und weil die Hebammen Gott fürchteten, gab er auch ihnen Nachkommen.


Das ist in der Tat eine Last in dieser Welt: Regierungschefs, Präsidenten, Könige, die Angst haben, dass ihre Macht eine Grenze hat. Es ist eine Last in der Welt, dass Menschen sich Unmenschliches ausdenken. Es ist eine Last, dass Gewalt ganze Bevölkerungsgruppen in Angst und Schrecken versetzt.

Dieser abgrundtiefe, furchtbare Plan des Königs ist mehr als eine Last – es ist eine schwere Bürde, die den beiden Frauen da aufgeladen wird.

Sie sind Hebammen. Per Definition ist es die Aufgabe von Hebammen, alles zu tun, was die Kinder leben lässt. Ihre Aufgabe ist es, dass Kinder wohlbehalten auf die Welt kommen und sofort in einer Atmosphäre von Liebe eingebunden werden.
Was wird das für ein Schockmoment gewesen sein. Was wird da von ihnen verlangt? Eine unmenschliche Aufgabe.
Sie sind nicht die einzigen in der Welt, die vor solchen Gewissensentscheidungen stehen. Eigentlich steht jeder und jede von uns vor solchen Entscheidungen. Die Welt verlangt von uns manches, was wir als Christen nicht tun sollten, wollten.

Und diese beiden Frauen ermutigen dazu, nicht einfach zu tun, was die Welt von einem verlangt oder was wir meinen, dass die Welt verlangt.

Diese beiden Frauen bleiben ihrer Berufung treu.

Stellt euch vor, wie sie gezittert haben, als sie da zum König gerufen werden. Was sind das für bange Momente? Schon bei der ersten Begegnung. Was will er wohl von ihnen?

Der große König bedient sich der kleinen Frau. Ja, die sollen tun, was er sich an Grausamkeit ausgedacht hat.
Frauen, die zu den Juden gehören. Sie sollen die Familien ihrer Gemeinschaft betrügen und vernichten.

Und zwar, weil der König Angst hat. Immer wieder das gleiche Spiel: Die Angst, dass andere im Land stärker sind.

Es ist ein König, der die Geschichte nicht kennt. Ein geschichtsvergessener König. Was geht ihn die Vergangenheit an? Irgendwann muss doch wohl Schluss sein mit der Vergangenheit. Das kann doch nicht immer wieder aufgewärmt werden.
Weg mit den alten Geschichten. Sie sind eine Last. Was geht es uns an, wie unser Land so geworden ist, wie es ist.

Nein, da gibt es geschichtsvergessene Regierungen. Was haben sie im Sinn: Wir machen unser Volk, zu dem, was es mal war. Wir machen Deutschland wieder groß. Wir machen Amerika wieder groß. Wir ignorieren, was gewachsen ist – wir tun so, als hätten die alle kein Recht darauf hier zu sein.

Wie gefährlich Geschichtsvergessenheit ist, zeigt diese Geschichte. Darum schon ist es so wichtig, dass wir einen Glauben haben, der von der Erinnerung lebt. Von Anfang an – es ist ein Glaube, der Gott als den Ursprung und Vollender erinnert.

Die beiden Hebammen, Schifra und Pua sind so erzogen: Im Vertrauen auf einen Gott, der ist, der da ist – ein Gott, der zur Geschichte gehört und mit ihrer Geschichte verbunden ist.

Dann kommt der Satz, der hier zum Leitsatz und zum Schlüsselsatz wird: „Die Hebammen aber fürchteten Gott und taten nicht, wie ihnen befohlen wurde:“
Ich glaube nicht, dass hier gemeint ist, dass sie vor Gott noch größere Angst hatten als vor dem Pharao.

Vielmehr ist hier eine große Ehrfurcht gemeint. Eine Ehrfurcht vor Gott, der Leben schafft und Menschen befreit. So kennen sie ihren Gott.
Sie kennen die Geschichte. Sie waren nach Ägypten gekommen, weil Josef, einer ihrer Vorfahren dort war. Josef hatte erlebt, dass Gott Leben bewahrt. Josef hatte erlebt, dass sich Böses überwinden lässt und Gutes wachsen kann. Der von seinen Brüdern verkaufte Josef machte Karriere am Königshof des Pharao. Und später rettete er sein Volk in der Hungersnot. Sein Vater und seine Brüder kamen zu ihm nach Ägypten. Hier fanden sie Asyl und Schutz. Sie waren Wirtschaftsflüchtlinge, die vor dem Hunger flohen.

Lange lebten sie friedlich dort – bis jemand ihre Not ausnutzte und sie als billige Arbeitskräfte nutzte. Bis jemand vergaß, dass es Menschen waren: Bis jemand es Angst machte, dass sie zu viele werden könnten und sich dann wehren gegen ihre ungerechte Behandlung.
Was wäre die einfachste Lösung: Pharao hört auf sie  zu unterdrücken und behandelt sie als gleichwertige Mitbürger. Was wäre einfacher als das: Gib ihnen einen Platz in der Gesellschaft und sie werden dir treue Untertanen sein.

Aber Pharao interessiert das nicht. Er tut was er kann – die Konsequenzen kümmern ihn nicht. Das Leid der Menschen geht ihm nicht zu Herzen.

Aber die Hebammen, denen geht das zu Herzen. Sie haben eine Ehrfurcht vor dem Leben. Sie finden Kraft in ihrem Vertrauen auf den Gott, der Leben bewahrt.

Sie ließen die Kinder leben.

Wunderbar! Hier sind Frauen, die sich an die Seite der Kleinen stellen und sie schützen. Das sind ihre Schützlinge. Die, die sich selbst nicht wehren können, die da hilflos in die Welt kommen, angewiesen auf Menschen, die sie lieben und schützen: Ja, die  Hebammen lassen diese Kinder leben!

Und als der Pharao sie zur Rede stellt: Da antworten sie ihm in seiner eigenen Logik: Diese Frauen sind stark. 

Starke Frauen und das Leben geht weiter.

Was macht das mit euch, wenn ihr diese Geschichte hört: Ist eure Ehrfurcht vor Gott so groß, dass ihr darin Mut findet „Nein zu sagen!“

Nein, zu manchem, was die Welt von uns fordert und wir so schnell mitmachen, weil wir befürchten sonst selbst zu kurz zu kommen?

Diese beiden Frauen haben ihre Werte ganz klar. Sie wissen, was ihnen wichtig ist und wonach sie handeln: Da ist kein Ja – aber. Da ist eine klare Konzentration auf das, was ihnen Gott bedeutet.

In ihrer Beziehung zu Gott finden sie die Stärke, die sie brauchen, um zu widerstehen.
Im Gebet – sie werden das alles mit Gott besprochen haben: in kurzen Stoßgebten, als sie vor dem mächtigen Herrscher standen. In langem stillen Gebet, als sie Antworten suchten, mit denen sie unter die Augen des Königs treten können.
Sie werden im Gebet Hingabe geübt haben, das Loslassen vom eigenen Nutzen, das Loslassen der Sorge um sich selbst und haben ihre Wege Gott anbefohlen.

Sie werden Dankgebete gesprochen haben für jeden Jungen, der überlebte und jede Frau, die bei der Geburt nicht entdeckt wurde.

Da werden sie Gott gelobt haben.

Die Kraft des Gebets – hier wird sie anschaulich!

Die Kraft in der Welt zu leben, ohne sich von ihr regieren zu lassen. Hier ist deutlich, wie Leben bewahrt wird, wenn Menschen Gott lieben und mit ihm verbunden bleiben.

Mögen solche Geschichten sich oft wiederholen und mögen wir diese Geschichten erinnern und im Herzen bewahren.
Der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen