Predigten - 2025

Epheser 3,14–21


predigt english


Deutschsprachiger Ökumenischer Gottesdienst – 2025


Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und den Herrn Jesus Christus.

Amen.

Ich lese aus dem Brief an die Epheser, Kapitel 3, die Verse 14-21

Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater, der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit,
stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen,
dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne
und ihr in der Liebe eingewurzelt und gegründet seid.
So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen,
welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist,
auch die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft,
damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle.
Dem aber, der überschwänglich tun kann
über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen,
nach der Kraft, die in uns wirkt,
dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit,
von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.


Lasst uns beten:

Komm, Heiliger Geist, erfülle diesen Raum mit Deiner Gegenwart.
Öffne unsere Herzen für Dein Wirken, lenke unsere Gedanken, führe unsere Worte, und schenke uns die Kraft, auf Dich zu hören..


Amen.

Der heutige Sonntag Exaudi trägt seinen Namen von einem Schrei: Exaudi, Domine – Herr, höre mich, wenn ich rufe! Es ist der Schrei zwischen Himmelfahrt und Pfingsten – der Ruf um Beistand, Orientierung, Erkenntnis.
Der Schreiber ringt im Gebet für seine Gemeinde. Er schreibt seinen Brief an eine Gemeinschaft, die unter Druck steht, innerlich und äußerlich. Christenverfolgung kündigt sich an. Es gibt Spannungen zwischen Judenchristen und Heidenchristen. Und dennoch – oder gerade deshalb – wird für ihnen gebetet.
„So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist – auch die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft.“

Ein altes Lied wird aufgenommen und neu geschrieben – wie ein Lied, das in neuer Zeit neue Worte braucht. Die Hörer sollen geistlich wachsen. Nicht nur an Wissen – sondern an Erkenntnis. Nicht nur an gutes Zusammenleben – sondern an Liebe.

• Ein Zunehmen an Kraft – das meint: innere Stärke, Widerstandskraft, Glaube, der nicht zusammenbricht, wenn das Leben schwer wird.
• Ein Zunehmen an Liebe – Liebe, die nicht nur Mitgefühl oder Toleranz meint, sondern auch Großzügigkeit, Geduld, Gelassenheit.
• Ein Zunehmen an Erkenntnis – nicht als Anhäufung von Informationen, sondern als tiefes Verstehen: Wer ist Gott wirklich – und wer sind wir vor ihm?

„Dass ihr in der Liebe eingewurzelt und gegründet seid.“

Wir sind wie Pflanzen in Gottes Garten. Ein wunderschönes Bild. Die Kraftquelle, aus der wir schöpfen, ist nicht das Gesetz oder eine festgelegte Ordnung – es ist die Liebe Christi.

Diese Liebe ist weit mehr als nur ein Vorbild; sie ist der lebendige Boden, aus dem unser ganzes Leben erwächst. Sie zeigt sich in Mitgefühl, Geduld und Großzügigkeit – besonders dann, wenn es uns schwerfällt. Und sie ist nichts, was wir uns verdienen könnten, sondern ein Geschenk Gottes.

Diese Liebe ist keine romantische Gefühlsregung. Sie bedeutet Hingabe, Zuwendung, Geduld und innere Stärke. Die Liebe ist unser Fundament. - die Lebensquelle, die uns trägt und nährt.

Und weil das so ist, wächst echte Erkenntnis immer aus der Liebe. Wer liebt, erkennt Gott.

Denn Gott ist die Liebe.

„Erkenntnis“ – das klingt nach Philosophie, nach Büchern und Theorien. Und ja: Paulus war ein Gelehrter. Er hat viel studiert, wollte Gott verstehen, wollte wissen, was gut und böse ist, was der Sinn des Lebens ist. Aber seine tiefste Erkenntnis kam nicht aus Büchern, sondern durch eine Begegnung. Auf dem Weg nach Damaskus trifft Paulus den lebendigen Christus. Diese Begegnung verändert sein Leben vollkommen.

Wirkliche Erkenntnis Gottes kommt durch Beziehung. Durch die Bereitschaft, sich Gott anzuvertrauen, sich von ihm tragen zu lassen. Nicht wir „machen“ Erkenntnis – sie wird uns geschenkt, wenn wir Gott als Gott anerkennen.

Ein Beispiel: Ein Wissenschaftler beschließt, das Meer zu erforschen. Er sammelt Wasserproben, misst Salzgehalt, studiert Strömungen. Und am Ende behauptet er: Ich
kenne das Meer.

Sein Wissen ist beeindruckend – aber irgendwie leblos. Er kennt Zahlen und Tabellen, chemische Formeln und Strömungsverhältnisse. Er kann erklären, wie sich Salzwasser zusammensetzt, wie sich Wellen bilden und welche Tiere im Meer leben. Und doch hat er das Meer selbst nie erlebt. Nie hat er das Salz auf seiner Haut gespürt. Nie hat er sich von einer Welle tragen lassen oder ist von einer mitgerissen worden. Nie hat er in der Tiefe gestanden und gestaunt.

So ist es auch mit Gott. Es gibt einen Unterschied zwischen Wissen über Gott – und echter Gotteserkenntnis. Man kann Theologie studieren, Bibelverse auswendig lernen, kluge Gedanken über Gott äußern – und doch innerlich weit entfernt bleiben. Uns wird nicht gesagt: „Ich wünsche euch viele Informationen über Gott.“ Nein : „Ich wünsche euch, dass ihr erkennt, was die Breite, die Länge, die Höhe und die Tiefe ist, und dass ihr die Liebe Christi erkennt, die alle Erkenntnis übersteigt.“

Man kann viel über Gott wissen. Man kann diskutieren, analysieren, sogar lehren. Auch Paulus hat das getan – als Schüler des Gamaliel, als Experte für das Gesetz. Und dennoch wurde er zum Verfolger der Gemeinde Christi.

Die Wende kam nicht durch ein neues Argument, sondern durch eine Begegnung: Christus selbst trat ihm entgegen – und alles wurde anders.

Wirkliche Erkenntnis Gottes beginnt nicht mit Verstand, sondern mit Vertrauen. Sie beginnt dort, wo ich mich fallen lasse – in Gottes Liebe. Wo ich nicht mehr alles kontrollieren muss.

Wo ich aufhöre, Gott erklären zu wollen – und beginne, ihn einfach Gott sein zu lassen. Und mich selbst als sein geliebtes Geschöpf erkenne.

Das ist auch die Botschaft von Exaudi. „Erhöre mich, Gott!“ – Das ist kein höfliches Gebet, das ist existenziell. Es erinnert an Psalm 27: „Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe!“

Gottes Geist – das ist Gott selbst, so wie er in uns wirkt. Und wir bitten ihn heute um drei Dinge:

• Um Glaubenskraft, die trägt – auch in Bedrängnis.

• Um Liebe, die nicht sich selbst sucht, sondern den anderen sieht.

• Um Erkenntnis – die aus Beziehung wächst.

Paulus will nicht die Kirche ordnen. Ihn bewegt eine noch tiefere Sehnsucht: Dass Juden und Heiden, Männer und Frauen, Freie und Sklaven – dass alle, die Christus angehören, sich als eins erkennen. Nicht nur organisatorisch, aber geistlich – durch Christi Liebe miteinander verbunden.

„Damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle.“

Wir stehen kurz vor Pfingsten. Der Geist kommt. Und mit ihm kommt Erkenntnis, wie sie Paulus meint.

Die Erkenntnis, dass mein Leben einen Sinn hat – nicht, weil ich besonders bin, sondern weil ich in Christus geborgen bin.

Die Erkenntnis, dass ich geliebt bin – mit einer Liebe, die alle Erkenntnis übertrifft.

Die Erkenntnis, dass es nicht reicht, über das Meer zu reden – sondern dass ich mich hineinwagen muss.

Paulus lädt uns ein, tief zu gehen. In die Tiefe der Liebe Christi. In die Höhe der Gotteserkenntnis. In die Weite der Gemeinschaft. In die Länge eines Weges, der mit der
Taufe beginnt und in Gottes Ewigkeit führt.

Gott kann uns so viel mehr schenken, als wir uns jemals selbst geben können.

Darum bitten wir heute: Exaudi – Herr, höre uns!

Amen.

Lasst uns beten:

Herr, Dein Wort ist wie Licht auf unserem Weg.

Lass es in uns weiterwirken,

uns stärken, trösten und leiten.

Schenke uns Deinen Geist,

damit wir das Gehörte im Herzen bewahren

und in die Tat umsetzen.

Amen.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.