Johannes 6, 30-35
Johannes 6, 30-35
30 Da sprachen sie zu ihm: Was tust du für ein Zeichen, auf dass wir sehen und dir glauben? Was wirkst du?
31 Unsre Väter haben Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben steht Ps 78,24: »Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.«
32 Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. 33Denn dies ist das Brot Gottes, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben.
34 Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot.
35 Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.
Wer ist dieser Jesus wollen Menschen wissen? Könnte er ein neuer König sein? Sie erinnern sich an Zeiten, in denen ihr Land Israel große Könige hatte: David und Salomon zum Beispiel. Zur Zeit Jesu ist davon kaum etwas übrig. Es ist ein kleines Land, eingebunden in das Römische Reich. Kaum einer weiß etwas von Israel.
Wer ist dieser Jesus wollen Menschen wissen? Da sind viele, die sich für die große Politik gar nicht interessieren. Sie wollen einfach genug zu essen haben und sie wollen gesund bleiben. Könnte Jesus ihnen dabei helfen? Wird er sie gesund machen?
Wer ist dieser Jesus wollen Menschen wissen? Ist er ein Mensch, so wie jeder andere von uns? Wovon redet er, wenn er vom Reich Gottes spricht?
Ist er vielleicht ein Träumer? Oder gar Kommunist?
Wer ist dieser Jesus wollen Menschen wissen? Ist er ein Friedensstifter oder ist er ein Rebell?
Ist er jemand, der an Gott glaubt oder ist er jemand, der sich für Gott hält?
Wer ist dieser Jesus wollen Menschen wissen.
Wollen sie es wirklich wissen? Oder wollen sie, dass Jesus so ist, wie es für sie gut wäre: die einen sehen in ihm einen neuen König, die anderen einen Wunderheilger, die nächsten einen Träumer. Manche
halten ihn für stark und mächtig und anderen kommt er schwach und traurig vor.
Der Evangelist Johannes beschäftigt sich mit dieser Frage immer wieder. Wer ist dieser Jesus?
Und dann kommt Johannes auf die großartige Idee, dass Jesus selbst sagt, wer er ist.
Sieben Ich-bin-Worte schreibt Johannes auf.
Mit anderen Worten: Jesus hat mehr als eine Seite.
Jesus ist auf unterschiedliche Weise zu verstehen.
Wer dieser Jesus ist, das lässt sich nicht in einem Satz sagen, sondern nur in unterschiedlichen Worten.
1 Die sieben Ich-Bin-Worte lauten:
6,35 Ich bin das Brot des Lebens (vgl. 6,41.48.51)
8,12 Ich bin das Licht der Welt.
10,7.9 Ich bin die Tür.
10,11.14 Ich bin der gute Hirt.
11,25 Ich bin die Auferstehung und das Leben.
14,6 Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.
15,1 Ich bin der wahre Weinstock.
Das Erste, was Jesus über sich sagt: ich bin das Brot des Lebens. Das heißt Jesus versteht sich als jemand durch den Menschen kräftig werden, stark, mutig. Wer keinen Hunger hat, der kann arbeiten und denken, der kann planen und feiern. Wer keinen Hunger hat, der kann die Welt verbessern. Wer keinen Hunger hat, der lebt, der kann glücklich sein.
Wer keinen Hunger hat, der weiß, was er zum Leben braucht, und hat genug davon.
Wer keinen Hunger hat!
Wunderbar – keinen Hunger, keine Sehnsucht – sondern ein Mensch, der erfüllt lebt und ausreichend hat. Ein Mensch, der dankend sagen kann: Danke, ich habe genug!
Danke, ich habe genug, denn ich kenne das Brot des Lebens persönlich, ich habe es geschmeckt und ich lebe davon! Danke, ich habe genug, ich kenne Jesus Christus und ich habe verstanden, wer dieser Jesus ist: er ist derjenige, dem ich verdanke, dass ich mir vorstellen kann: wir können den Hunger in der Welt überwinden.
Jesus ist derjenige für mich, der mir durch Krankheiten hindurch hilft und mich zur Versöhnung ermahnt.
Jesus ist derjenige für mich, der mich glauben lässt, dass Teilen gut ist und töten aufhören sollte.
Jesus ist derjenige, der mir gezeigt hat, dass beten durch dunkle Nächte bringt und dass Liebe aus Fremden Freunde macht.
Jesus ist derjenige, der mir beigebracht hat, was Freiheit bedeutet, und Gemeinschaft schaffen kann.
„Ich bin das Brot des Lebens!“ Ich bin dankbar, dass Johannes das aufgeschrieben hat und ich dadurch begreife, wer dieser Jesus ist.
Jesus ist derjenige, durch den wir Gott besser begreifen. Gottes Nähe und Gottes Zuwendung. Gottes Fürsorge. Gottes Liebe.
Jesus ist derjenige der mir auch zeigt, was und wer Gott nicht ist: Nicht der allmächtige Weltenlenker, nicht der ferne, strafende Gott.
Wer ist dieser Jesus wollten die Leute damals wissen und manche wollen es heute auch noch wissen.
Jesus ist Brot – er ist der Weg – er ist die Auferstehung – er ist mein Bruder!
Mehr Zeichen brauche ich nicht – das ist ein Wunder, dass Jesus zu mir gekommen ist und ich keinen Hunger mehr habe.
Mehr brauche ich nicht als den Glauben von Menschen an Jesus, die sich unermüdlich und hoffnungsvoll, fröhlich und lebendig dafür einsetzen, dass der Hunger in der Welt überwunden wird und Frieden einzieht.
Der Friede, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen
