Predigten - 2025

Matthäus 25,1–13



Matthäus 25,1–13

(Die klugen und törichten Jungfrauen)


Liebe Gemeinde,

Heute am Ewigkeitssonntag, wo wir an unsere Verstorbenen erinnern, denken manche vielleicht auch an den Tag der Trauerfeier oder Beerdigung.
Manche erinnern die Schwere des Tages, die festliche Traurigkeit und wie wohltuend es meistens ist, zusammen zu sein.

Am Ewigkeitssonntag erwarte ich eigentlich keine Hochzeitsgeschichte. Doch Matthäus erzählt gleich zwei Hochzeitsgeschichten, kurz hintereinander.
Einmal wird eine Hochzeit vorbereitet und die geladenen Gäste haben etwas Besseres vor. Und heute im Evangelium haben wir es gehört. Wieder geht es um eine Hochzeit. Diesmal stehen zehn junge Frauen im Mittelpunkt, die die Aufgabe haben, dem Bräutigam den Weg zu weisen.

Bei der ersten Geschichte sind Menschen zu beschäftigt mit sich selbst. Und bei dieser Geschichte handelt es sich zum Teil um törichte Frauen.

Das ist bitter. Denn in beiden Geschichten sagt Matthäus: diese Erfahrung hat etwas mit dem Reich Gottes zu tun.

Bei der ersten Geschichte sind andere Gäste als geplant dabei und bei der heutigen Geschichte schafft es nur die Hälfte am Tisch Platz zu nehmen und das Fest zu feiern. Die anderen klopfen zu spät und umsonst an die Tür.

Da diese Geschichte am Ewigkeitssonntag gepredigt wird, liegt die Vermutung nahe: Es gibt ein zu spät: manche kommen in den Himmel und andere eben nicht.

Ich glaube aber nicht, dass Matthäus die Gleichnisse so gemeint hat.

Gehen wir mal in seine Zeit zurück. Mattäus schreibt etwa 50 bis 60 Jahre nach der Kreuzigung und Auferstehung.

Die ersten Christen hatten die Idee: Jesus kommt sehr bald wieder. Es wird nicht lange dauern und dann erscheint er. Dann richtet Jesus die Welt. Dann wird das Reich Gottes für alle sichtbar.

Ihr erinnert euch. Manche Christen hatten ihr normales Leben aufgegeben und verbrachten ihr Leben damit, auf die Wiederkunft Jesu zu warten.

Aber so kam es nicht. Jesus blieb aus.

Damit verbunden war die Gefahr, dass die Christen ihr Vertrauen verlieren und ihre Hoffnung stirbt. 

Das aber, so meint Matthäus darf auf keinen Fall geschehen.

Darum nimmt er das wunderbare Bild eines Festes. Es ist ein altes Bild, dass Gott und seine Menschen verbunden sind wie ein Bräutigam mit seiner Braut: also voller Hoffnung. Hochzeit feiern heißt an eine gemeinsame Zukunft glauben. Wo Hochzeiten gefeiert werden, da wird Liebe gefeiert. 

Das ist ein starkes Bild: Gottes Liebe zu seinen Menschen

Und die Erfahrung von Menschen, dass diese Liebe manchmal nicht zu erkennen ist. Wo ist Gott? 
Wo ist der Bräutigam? 

Ist auf ihn Verlass?

Das ist die Sicht des heutigen Gleichnisses: und darauf gibt es unterschiedliche Antworten: zehn junge Frauen: fünf halten ihr Lampen in Ordnung, sind bereit,  haben genug Öl.

Und fünf haben mehr oder weniger aufgegeben. Sie übernehmen keine Verantwortung.

Als dann der Bräutigam kommt, ist es für sie zu spät. Sie sind nicht vorbereitet. Sie stehen vor der Tür und verpassen das Fest.

Liebe Gemeinde,

ich möchte weg von der Deutung, dass wir am Ende vor der Himmelstür stehen und sie verschlossen bleibt.

Was mich aber doch bewegt, weil ich es mit viel Erfahrung füllen kann: dass manche Menschen auf die lange Nacht des Wartens vorbereitet sind und ihr Glaube, ihre Liebe, ihre Hoffnung groß genug ist, während andere sich törichterweise überhaupt nicht damit beschäftigen.

Dieses Gleichnis ist für mich schon eine „Warnung“. Es sagt für mich: manches kann man nicht teilen.

Das Öl, das Licht bringt: für mich steht es für den Glauben von Menschen. Diesen Glauben kann man pflegen und gestalten: Gebete, Lieder, Texte, Gottesdienste, Rituale: Da gibt es bei manchen Menschen eine ganze Sammlung – in den Regalen, aber vor allem im Herzen. Sie sorgen dafür, dass genug Öl da ist. Das, was das Leben hell und froh macht. Das, was einem den Weg weist.

Und da sind andere, die gar nicht viel denken. Da ist die Hälfte, die sich auf die anderen verlässt. Die Hälfte, die sich weigert Verantwortung zu übernehmen. Und die stehen am Ende dumm dar.

Wir hören das nicht gern: doch es ist doch die Wahrheit! Nun erzählt Matthäus so, dass er Menschen einlädt: Leute, liebe Leser und Leserinnen: verhalten euch nicht so töricht, sondern klug.

Wie heißt es schon in Psalm 90,12: Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden!

Und insofern passt die Erzählung von der Hochzeit sehr gut zum Ewigkeitssonntag. Genau das, sollen die jungen Frauen bedenken: Eines Tages ist es so weit. Da brauchen sie Licht, um den Weg durch das dunkle Tal des Todes zu finden. 

Doch wer lehrt uns, dass wir sterben müssen und wie wir sterben müssen. Als Gemeindepfarrerin habe ich viele Menschen begleitet in ihren letzten Monaten, Wochen und ich habe erlebt: Wohl dem, der Öl in seiner Lampe hat. Mit anderen Worten, wohl denen, die bereit sind und wissen, dass wir sterben müssen.
Damit soll niemand Menschen Angst machen, sondern es geht um die Wachsamkeit für das, was wichtig ist im Leben. 

Dafür kann es ein zu spät geben. Darum fangt heute an: vertrauen in Gott zu üben, Jesus Christus zu verstehen, Glauben einzuüben und Raum zu geben in eurem Leben. 

Ein Gedanke, der sich in dieser Geschichte wirklich vermittelt: Es kann nicht alles geteilt werden. Ja, wir können sehr viel füreinander tun und unser Teilen kann viel Not lindern. Doch manches nicht: Das Öl: Das Lebenselixir: das Licht. Das, was einem Kraft gibt. Das kann ich wohl bezeugen, aber nicht teilen.

Da kommen wir Menschen an die Grenze: da kann jeder Mensch nur für sich empfangen, das, was Gott austeilt.

Die fünf klugen Frauen wollen ja nicht gemein sein oder den anderen bewusst das Leben schwer machen. Hier geht es um etwas, das man nicht einfach teilen oder weitergeben kann. 

Ja, es gibt Situationen, die niemand von uns für jemand anders übernehmen kann und das ist vor allem das Sterben, das aus der Welt gehen. Diesen Weg können wir nur selbst gehen. 

Es gibt Augenblicke, in denen wir auf das angewiesen sind, was wir im Laufe der Zeit gesammelt haben: Vertrauen, kleine Rituale, Begegnungen, Gebete, Worte aus der Bibel, die uns irgendwann einmal wichtig wurden.
Nicht viel auf einmal – aber über die Jahre füllt es ein Gefäß.

Die klugen Jungfrauen sind deshalb nicht besser als die anderen.
Aber sie haben verstanden: Eine lebendige Gottesbeziehung entsteht nicht erst im letzten Moment.
Wachsamkeit ist keine Angst – es ist Aufmerksamkeit.

Das offene Herz für die Möglichkeit, dass Gott mitten im Alltag anklopft.

Vielleicht lädt uns das Gleichnis dazu ein:
Rechne mit Gottes Nähe.
Auch da, wo du sie gerade nicht erwartest. Und heute, am Ewigkeitssonntag, bekommt dieses Gleichnis einen besonderen Klang. Es erinnert uns daran, wie zerbrechlich und begrenzt unser Leben ist.

Der Ewigkeitssonntag ist deshalb kein Tag der Drohung, sondern der Hoffnung:
Unser eigenes Licht nicht aus den Augen zu verlieren.
Die Lampe unseres Lebens nicht achtlos werden zu lassen.
Sondern immer wieder neu zu füllen mit dem, was uns trägt.  Wir feiern gleich das Abendmahl – das ist für mich wie das Auffüllen der Lampen

Vielleicht kann man sagen:
Abendmahl ist wie das Auffüllen der Lampen.
Nicht mit Öl, sondern mit dem, was wir brauchen:
Trost. Zugehörigkeit.Vergebung.Gemeinschaft.Gottes Nähe.

Was die Frauen im Gleichnis nicht teilen konnten – das teilt Gott mit uns.
Er gibt uns, was für den nächsten Schritt nötig ist.

Wenn wir gleich Brot und Kelch empfangen, können wir es als Zusage hören:
Nimm, iss, trink. Christus stärkt dich.
Er füllt dein Gefäß. Er geht mit dir.

Gott schenke uns ein waches Herz, ein gefülltes Gefäß
und die Hoffnung, dass sein Licht uns begleitet –
durch die Nächte dieses Lebens
und über sie hinaus.

Amen.

Der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen