Predigten - 2025

Lukas 21, 25-33


 


Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

Liebe Gemeinde,

Lukas 21, 25-33


25 Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, 

26 und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. 

27 Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. 

28 Wenn aberdieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

29 Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht den Feigenbaum und alle Bäume an: 

30 wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es, so wisst ihr selber, dass der Sommer schon nahe ist. 

31 So auch ihr: Wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist. 32Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis es alles geschieht. 

33 Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.


Schon manches Mal bin ich in meinen Predigten auf die sogenannte „Naherwartung“ der ersten Christen eingegangen. Lukas schreibt: „Wahrlich, ich sage euch: diese Generation wird nicht vergehen, bis es alles geschieht!“ 

Da hat sich Lukas getäuscht. Er und viele andere erste Christen waren fest davon überzeugt. Sie haben das geglaubt und jeden Tag mit Jesus Wiederkunft gerechnet. Und sie haben sich geirrt.

Und finde ich das schlimm? Macht es die Bibel für mich weniger glaubwürdig? Nein, ich finde das nicht schlimm: im Gegenteil, es macht mich etwas vorsichtiger und demütiger, wenn ich von etwas so felsenfest überzeugt bin. Ich und wir sollten etwas Zweifel bewahren oder positiv ausgedrückt: offen dafür bleiben, dass etwas anders sein könnte, als wir das im Moment so fest glauben.

Nun zur zweiten Frage: Nein, es macht die Bibel nicht weniger glaubwürdig.

Lukas schreibt auch: „Himmel und Erde werden vergehen; aber Jesu Worte werden nicht vergehen!“

Das allerdings stimmt und ist bis heute in Erfüllung gegangen. Jesu Worte behalten ihre Kraft. 

Und damit sage ich nun deutlich: auch wenn wir noch immer auf die Wiederkunft Jesu warten und Lukas sich in der Zeitrechnung getäuscht hat: diese Verse, die er geschrieben hat, haben noch Bedeutung für uns.

Lukas nimmt eine Zeit in den Blick, wo Menschen, nicht nur einzelne Personen, sondern ganze Völker in Angst leben. Lukas denkt an Zeiten, in denen die Welt Kopf steht: Die Natur verändert sich: Sonne und Mond sind nicht mehr wie wir sie gewohnt sind. Chaos kehrt zurück. Die Kräfte kommen ins Wanken: Menschliche Kräfte und die Himmel auch.

Sehr eindrücklich beschreibt Lukas ein Lebensgefühl, das viele heutigen Zeitgenossen gut verstehen. Eine weltweite Welle von großer Veränderung: ähnlich wie vor etwa 500 Jahren als der Buchdruck erfunden wurde, oder als die große Industrialisierung einsetzte und die Städte immer größer wurden.
Immer mal wieder gibt es in der Geschichte der Menschheit so Zeiten, in denen alles Kopf zu stehen scheint und die Veränderungen besonders groß und gewaltig sind. In unserer Generation ist das der große Klimawandel, die digitale Vernetzung der ganzen Welt und der Ausbau der Künstlichen Intelligenz.

Ja, das kann ganze Völker und auch einzelne Menschen in Angst und Schrecken versetzen oder zumindest tief verunsichern.

Solche Unsicherheit wird oft ausgenutzt: Menschen wird noch mehr Angst gemacht. Das große Geschäft mit der Angst. 

Das macht Lukas nicht.

Im Gegenteil und das ist für mich die große Freude im Advent und das große Wunder der Adventszeit: Lukas sieht das alles und schreibt dann: Wenn aber das anfängt, dann erhebt eure Häupter.

Also wenn das anfängt, dass man selber so ängstlich wird, so unsicher, wenn man die Welt nicht mehr versteht, wenn Veränderungen auf einen zukommen, die einen überwältigen, gerade dann ist es Zeit sich neu zu orientieren: Zeit für Besinnung: Dann erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
Lukas ist es möglich mitten in der beängstigende Gemengelage, die einem Weltuntergang ähnelt, sich so an Jesus zu orientieren, dass die Angst vergeht und die Freude wächst. Das ist großartig und in der Tat ein Wunder.

Nochmal: versucht das mal nachzuspüren: statt in der Weltuntergangsstimmung zu versinken und die Angst immer größer werden zu lassen, empfiehlt Lukas, die Häupter zu erheben: sich aufzurichten. Nicht sich zu ducken, und zu versinken und niedergeschlagen, am Boden zerstört zu sein, sondern aufrichtig und aufrecht: Erhebt eure Häupter. Das klingt für mich auch ganz anders als das vertröstende „Kopf hoch!“. Erhebt eure Häupter: Richtet euch neu aus: Verändert euren Blick. Lasst Gottes Antlitz über euch leuchten und empfangt eine neue Kraft.

Nehmt eine Haltung ein, die nicht von der Furcht eines Weltuntergangs bestimmt ist, sondern von der Kraft, die in der Orientierung an Jesus Christus wächst.

Und weil Lukas schon merkt, wie schwer es Menschen fällt, das zu tun und mit solchem Vertrauen zu leben, nimmt er das Bild vom Feigenbaum auf. Ja, die Freude und die Kraft, die wachsen können, beim Blick auf Jesus Christus gleicht dem Wachsen in der Natur: es dauert: die Blüten am Feigenbaum sind ein Vorzeichen, ein Ausdruck von Hoffnung: hier wird eine Frucht wachsen.

Das ist für mich ein besonders schönes Bild, das im Grunde nochmal die Verbindung zur Konfirmation schafft: Da wussten die meisten von uns noch nicht viel. Es war eine Blüte und heute – so viele Jahrzehnte später, da ist schon manche Frucht aufgegangen. Ja und manches ist nicht aufgegangen. In manchem haben auch wir uns getäuscht  - wichtig ist, wie wir mit diesen Enttäuschungen umgehen: ob wir es uns immer schwerer machen und Enttäuschung auf Enttäuschung packen oder unsere Häupter wieder erheben, uns neu ausrichten und aufrichten.

Dazu laden die verbleibenden Wochen im Advent ein: eine besinnliche Zeit. Zeit zum Reflektieren, zum Orientieren, zur Verfestigung der Gewissheit: Unsere Erlösung naht sich!

Und Erlösung hat viele Gesichter! Sie gilt es zu erkennen!

„Die Nacht ist vorgedrungen – der Tag ist nicht mehr fern! So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern! Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein“.

Der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen