Predigten - 2025

Lukas 3, 3-14+18



 3. Advent 2025

Johannesgemeinde Pretoria

Johannes kam in die ganze Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden, wie geschrieben steht im Buch der Worte des Propheten Jesaja:

Lukas 3, 3-14+18


 »Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Steige eben! Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben ist, soll ebener Weg werden, und alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen.«

Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Otterngezücht, wer hat euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.

Und die Menge fragte ihn und sprach: Was sollen wir nun tun? Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer Speise hat, tue ebenso. Es kamen aber auch Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun? Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist! Da fragten ihn auch Soldaten und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemandem Gewalt noch Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold!

Und mit vielem andern mehr ermahnte er das Volk und predigte ihm.


Liebe Gemeinde, 

In seinem Reisebericht “Jürnjakob Swehn der Amerikafahrer” von  Johannes Gillhoff berichtet Jürnjakob an seinen Lehrer in der alten Heimat, was er in seiner neuen Heimat in Amerika erlebt. Wir befinden uns etwa im Jahr 1870. Wie auch in Südafrika haben sich dort Deutsche Siedler in Gemeinden versammelt. Mühsam müssen sie alles selber aufbauen, und auch den Lohn des Pastors zahlen. Nach anhaltender Dürre teilen sie dem Pastor mit, dass sie das Gehalt nicht mehr zahlen können, und sie nun ohne ihn auskommen werden.

Jürnjakob schildert nun den ersten Gottesdienst ohne Pastor, von einem Kirchenvorsteher gehalten: 

Lieber Freund, ich kann dir mitteilen, was nun kam, so was hab ich im Leben nicht gehört. Das war nicht geistlich. Das war nicht weltlich. Das war bloß ängstlich und lauter Unsinn. Er (der Vorsteher)  fing an:

Meine lieben Mitchristen! Oder, wie der Apostel sagt, ihr Schlangen- und Otterngezücht! Ihr Schlangen! sagt er. – Ihr Schlangen und Ottern! – – Ihr Ottern und Schlangen! – – Ihr Ottern! – Ihr Schlangen! Das brüllt er man so raus, und dazu schlug er mit der Faust auf die Kanzel. Er tat es aber nicht aus Kraft, sondern aus Angst. Er wollte sich Mut machen. Es gelang ihm nicht. Er wußte nicht weiter. Er verbiesterte (verirrte) in seinem Text. Er fing wieder an: Ihr Schlangen- und Otterngezücht! – Ihr Schlangengezücht! – Es war wieder alle. Er kuckte über sich. Er kuckte uns an. Wir kuckten ihn an. Wir saßen ganz still. Er legte noch mal los; aber er war heil und deil verbiestert: Ihr Schlangen! Ihr Schlottern und Zangen! – – Ihr Schlottergezücht! – Das kam noch ordentlich forsch raus. Und dann saß er ganz fest. Seine Vermahnung war alle geworden. Er blickte um sich wie einer, der in großer Not ist.

Beim Lesen von Lukas 3 viel mir diese Geschichte wieder ein. Der Vorstand hat schnell gemerkt, dass Predigen nicht so einfach ist, wie man meinte. Am nächsten Sonntag war der Pastor wieder da. 

Aber mir geht es jetzt nicht darum, zu sagen, dass Predigen nicht einfach ist. Mir geht es gerade um diesen Text, den auch der Arme Vorsteher ausgesucht hatte. Und ich frage mich, wie es wohl dem Täufer Johannes erging, als er den Menschen diese harten Worte an den Kopf warf. Matthäus verschärft das ganze noch, wenn er sagt, dass diese Anrede an erster Stelle an die Pharisäer und Sadduzäer gerichtet waren, die zu ihm gepilgert sind. Ihnen, den Vorbildern der Gesellschaft, solche Worte an den Kopf zu werfen, kostet Mut. Oder? Johannes wusste sich als Wegbereiter für Christus gerufen. “Täler sollen erhöht, Hügel erniedrigt werden”, heißt es.

Auf unserer Rückreise von Pletternbergbaai sahen wir die Baustellen der N1, die Stellenweise eine zweite Bahn bekommt. Gewaltige Mengen von Erde werden da verschoben, um “Ebene Bahn” zu schaffen. 

Mit seinen Worten tut Johannes genau das - er zeigt die Täler auf, das Fehlende im Auftreten der Menschen. Und vor allem zeigt er die Hügel - die Dinge, die den Weg zwischen Mensch und Gott verbauen. Und er weiß: Manchmal sind es gerade die Frommen, die Gottes Weg zu den Menschen versperren mit Selbstgerechtigkeit, Hochmut und Verurteilung von Mitmenschen, die nicht so fromm wie sie sind. 

Nun stehe ich heute auf der Kanzel mit der Frage, was ich euch sagen muss? Soll ich, wie der Vorsteher, losbrüllen, auf die Kanzel hauen? Oder rede ich lieber ein paar schöne Worte, erkläre, wie es damals war, und versuche, niemandem auf den Zeh zu treten?

Ich bete darum, dass ich Keines von Beiden tue, sondern, dass ich, wie damals Johannes, mit meinen Worten dazu beitragen kann, dass “dem Herrn der Weg bereitet wird!”.

Hier in Lukas finde ich dazu drei wichtige Hinweise. 

1. Es gilt, anzuhalten und auch Schuld einzugestehen

“Tut Buße!” ruft Johannes. Irgendwie passt uns das nicht in der Adventszeit, Vorweihnachtszeit. Aber genau darum geht es ja eigentlich: Nachdenken, zu sich selbst finden, überlegen, was schief läuft, was versäumt wurde. Dem Herrn Christus den Weg bereiten. 

Buße ist nicht eine Strafe, sondern will frei machen von dem was zwischen Gott und mir, zwischen mir und anderen steht. 

In der Taufe des Johannes war es symbolisch angedeutet: Wasche dich rein. (Diese Taufe ist nicht mit der Taufe auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu verwechseln. Da ist Christus der handelnde. Er schenkt der getauften Person das neue, ewige Leben). Die Bußtaufe war damals bekannt - nicht nur durch Johannes. Sie war  etwa das, was wir von der Beichte kennen - die leider auch in Vergessenheit geraten ist: Schuld aussprechen, zu bekennen, wo ich versagt habe. An Stelle dieser Buße und Beichte sind in unserer Zeit Besuche beim Berater und Psychologen getreten. Menschen sprechen sich dort aus. Ich bin dankbar für diese Möglichkeit. Auch ich habe durch Psychologenbesuche gute Hilfe bekommen. Doch die Buße, die hier gemeint ist, hat etwas, was Berater und Psychologen nicht bieten können. 

Zuspruch der Vergebung. Damit bin ich beim zweiten Wichtigen Aspekt gelandet. 

2. Zuspruch der Vergebung. 

Johannes predigte die “Buße zur Vergebung der Sünden” . Wie heilsam sind die Worte: Dir sind deine Sünden vergeben! Und wenn mir dabei auch noch die Hand aufgelegt wird - das ist so befreiend!

Der heutige Sonntag will also nicht mit Blitz und Donner kommen - auch wenn es sich bei Johannes erstmal so anhört. Er will locken: Werde frei, bevor Blitz und Donner dich einholen, bevor du - wie der arme Prediger in der Geschichte - dich so verbiestert, verrannt hast, dass du nicht mehr weiter weißt. 

“Dir sind deine Sünden vergeben” - damit wird der Weg frei zum dritten Aspekt: 

3. Neu-Orientierung 

Zwei Gruppen werden bei Lukas mit Namen genannt: Zöllner und Soldaten. Beide waren nicht gerne gesehen. Die Zöllner waren verhasst, weil sie als Steuereintreiber der Römischen Besatzungsmacht arbeiteten, und oft auch noch mehr einforderten als von Rom verlangt war. Und die Soldaten waren die Vertreter dieser Besatzungsmacht. 

Ich hätte wahrscheinlich zu ihnen gesagt: Sucht euch einen anderen Beruf! Doch Johannes tut es nicht. Beiden gilt im Grunde genommen das Gleiche: Missbraucht eure Macht nicht! Anders gesagt: Seid gute Zöllner, gute Soldaten. Wenn ihr den Beruf aufgebt, wird Rom andere an eurer Stelle anstellen. Bleibt, wo ihr seid, aber seid gut zu den Menschen. Nutzt  sie nicht aus! Neu-Orientierung tut gut!

Neu-Orientierung kann unangenehm sein. Direkt nach diesem Text lesen wir, dass König Herodes Johannes hat verhaften lassen, weil dieser ihn wegen seines Ehebruchs angesprochen hatte. Er wollte sich nicht neu orientieren. Statt dessen ließ er den Botschafter aus dem Weg räumen. Die Botschaft zu ignorieren, befreit nicht - höchstens verzögert sich dadurch  das Donnerwetter etwas. Denn die Folgen meines Auftretens werden mich einholen!

Der Aufruf, zu teilen mit anderen, die weniger haben geht nicht an Superreiche, sondern an die Masse, die sich zu Johannes auf den Weg gemacht hat. Der trifft uns alle in irgendeiner Weise, und ist unangenehm!

Liebe Schwester, lieber Bruder - ich weiß nicht, wo Johannes dich heute anspricht. Ich bete für mich darum, dass ich mich nicht ärgern werde, wenn ein Tal oder Hügel in meinen Leben angesprochen wird. 

Lasst uns dem Herrn den Weg breiten, er möchte zu uns kommen, er möchte durch uns in diese Welt kommen. Die Welt braucht Jesus Christus!

Die “Hoffnung für alle” übersetzt “Bahnt dem Herrn einen Weg... Ja, der HERR kommt als ein mächtiger Gott. Er herrscht mit großer Kraft.” Und dann lesen wir weiter: “Den Lohn für seine Mühe bringt er mit: sein Volk, das er sich erworben hat. Es geht vor ihm her. 11 Er sorgt für sein Volk wie ein guter Hirte.”

Lasst mit “Wegbereiter” sein. 

Hab keine Angst vor der Buße - schütte dein Herz aus. 

Nimm seine Vergebung an. 

Habe den Mut zu einem besseren Leben - Jesus Christus zur Ehre!

Amen

            Horst Müller, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!