Predigten - 2025

2.Korinther 1,18-22


 


Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

2.Korinther 1,18-22


„Bei der Treue Gottes, unser Wort an euch ist nicht Ja und Nein zugleich. 

Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter euch durch uns gepredigt worden ist, durch mich und Silvanus und Timotheus, der war nicht Ja und Nein, sondern das Ja war in ihm.

Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zur Ehre. Gott ist’s aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt hat und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat.“


Liebe Gemeinde, 

auf was können wir uns noch verlassen. Ich erinnere noch, wie enttäuscht manch südafrikanischer Besucher in Deutschland reagierte, wenn ein Zug unpünktlich war. „Kein Verlass mehr auf die Deutsche Bahn!“

Auf was können wir uns verlassen? Gefühlt wird das immer weniger: Das Wetter ist unzuverlässig. Menschen sind unzuverlässig.

Im Predigttext heute steht eine Enttäuschung im Hintergrund. Paulus, der große und wichtige Apostel Paulus hatte versprochen, die Gemeinde in Korinth zu besuchen und musste den Besuch verschieben.
Das führte zu einer großen Enttäuschung bei manchen und andere nutzen die Gelegenheit aus, um Paulus zu verurteilen. „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht!“ Ja, da waren einige Gemeindemitglieder in Korinth, die Paulus schlecht machten. Sie wollten den Rest der Gemeinde davon überzeugen, dass sie sich alle in Paulus geirrt haben. Sie wollten gar nicht wissen, warum Paulus die Reise verschieben musste. Sie waren nur daran interessiert ihm etwas vorzuwerfen.

Der Streit in Korinth dauerte schon eine Weile – schrecklich, wenn es in einer Gemeinde so losgeht und einer dem anderen nicht mehr vertraut und der Eindruck entsteht, man kann sich nicht mehr aufeinander verlassen.

Gott bewahre uns hier in der Johannesgemeinde davor.

Paulus tut es sicher leid, dass er die Reise verschieben musste. Er nimmt den Vorwurf der Unzuverlässigkeit ernst und er stellt ihn doch auch in einen anderen Zusammenhang.

Als wolle er sagen: Wir wissen doch, dass diese Welt unzuverlässig ist. Wir wissen doch, dass es letztlich nichts gibt, was beständig und ewig ist. Wir leben nun mal in einer Welt, in der Pläne verändert werden. Wir sind ständig damit konfrontiert, dass sich Situationen ändern. Das kann zu einer großen Verunsicherung führen.

Und inmitten der großen Verunsicherung und der Unzuverlässlichkeit unseres weltlichen Lebens erinnert Paulus die Korinther an die Treue Gottes.

Die Treue Gottes ist es, der wir verdanken, dass wir hoffen können einen Weg in der unzuverlässigen Welt zu finden.

Die Treue Gottes ist die Haltung Gottes gegenüber seinen unzuverlässigen Menschen, die immer und immer wieder verwickelt sind in Schuld, weil sie ihre Versprechen nicht halten oder vielleicht auch gar nicht halten können.

Es geht hier nicht um eine moralische Schuld – es geht hier nicht einfach um eine abgesagte Reise, ein Versprechen, das nicht gehalten werden konnte: Paulus denkt viel tiefer: es geht um die grundsätzliche Unzuverlässlichkeit von Menschen. Es gehört sozusagen zum Menschsein hinzu – es ist das, was uns Menschen von Gott unterscheidet: Wir Menschen sind eher wie die Züge der Bundesbahn: so sehr wir uns auch bemühen zuverlässig zu sein; so ernst wir unsere Versprechen nehmen, wir scheitern auch an ihnen. Wir enttäuschen Menschen. Wir sind nicht so, wie sie es erhofft haben. In dieser Hinsicht bleiben wir unzuverlässig.


Und an dieser Stelle ist es Paulus wichtig an die Treue Gottes zu erinnern. Gott ist zuverlässig. Auf Gott ist Verlass. Paulus drückt das aus, indem er sagt: In Christus hat Gott Ja gesagt.

Und weil Paulus dieses Ja Gottes in Christus predigt, kann ihm nicht vorgeworfen werden, dass er Ja und Nein verkündigt.

Er wechselt die Ebenen: ja, als Mensch bin ich nicht zuverlässig, aber als Prediger predige und verkündige ich den zuverlässigen, treuen Gott.

Gottes Treue ist ein altes Thema, das sich durch die ganze Bibel zieht. Gottes Zuverlässigkeit und Beständigkeit, seine treue Begleitung in dem Auf und Ab, dem Ja und Nein der Weltgeschichte. 

Paulus sieht darin die Möglichkeit, sich mit den Korinthern zu versöhnen. Lasst uns unsere menschlichen Schwächen, unsere Unzuverlässigkeiten nicht nutzen und benutzen, um Gemeinden zu spalten und gegeneinander zu kämpfen. 

Ich zitiere Paulus:  Gott ist’s aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt hat und versiegeltund in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat.

 

Wenige Tage vor Weihnachten lesen wir diese Zeilen und ich sehe darin auch den Sinn von Weihnachten beschrieben. Mitten in einer unsicheren, unzuverlässigen Welt, wo kaum noch Platz ist für Menschlichkeit: da feiern wir die Geburt von Jesus Christus: Gottes Ja und Gottes Bestätigung seiner Treue.

Diese Treue finden wir dann bei denen, die von der Weihnachtsgeschichte berührt sind: der treue Joseph ist für mich eine wichtige Figur: Er spiegelt etwas von der Zuverlässigkeit Gottes indem er treu an der Seite von Maria bleibt. Maria wird eine Mutter, die etwas von der Zuverlässigkeit Gottes spiegelt, indem sie treu an der Seite ihres Sohnes bleibt. Oft und immer wieder ist auch von der Treue der Tiere und der Treue der Hirten die Rede.

Wenn wir „treu sein“ mal aus der moralischen Gefangenschaft erlösen, dann geht es hier um eine Gabe, die uns von Gott geschenkt wird. Die Treue Gottes bringt in uns etwas zum Klingen – die Treue Gottes hilft uns trotz unserer grundsätzlichen Unzuverlässigkeit, versöhnt in dieser Welt zu leben.

Bitte, mir ist wichtig: es geht um zwei unterschiedliche Ebenen, die wir hier im Text auch haben: Der einerseits als unzuverlässig erlebte und enttäuschende Paulus, weil er eine Reise abgesagt hat: Das ist die moralische Ebene.

Paulus geht eine Ebene tiefer: und auf der tieferen Ebene eröffnet die Treue Gottes ihm die Möglichkeit der Versöhnung: ganz profan: das moralische Vergehen muss nicht zur dauerhaften Trennung führen. Wir Menschen machen Fehler und können darüber hinwegkommen.
Und tiefer: Die Treue Gottes ermöglicht uns auch uns immer wieder als treu zu erweisen.

Es muss eben nicht dabei bleiben: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht!“

Was das alles nun heißt für die letzten Tage vor dem Fest: vielleicht gibt es hier und da in Familien noch Enttäuschungen zu überwinden – vielleicht kann  hier und da bewusst mit Vorwürfen aufgehört werden und eine neue Begegnung vorbereitet werden.
Vielleicht ist es aber auch die grundsätzliche Freude über die zuverlässige Treue Gottes in einer unzuverlässigen Welt, die uns Halt gibt und dazu führt, dass wir Hoffnung haben.


Darum geht es Weihnachten: die Geburt Jesu so zu verstehen, dass sie uns Hoffnung schenkt.

Der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen