Predigten - 2025

Hesekiel 37,24-28



Hesekiel 37,24-28


25 Und sie sollen wieder in dem Lande wohnen, das ich meinem Knecht Jakob gegeben habe, in dem eure Väter gewohnt haben. Sie und ihre Kinder und Kindeskinder sollen darin wohnen für immer, und mein Knecht David soll für immer ihr Fürst sein. 

26 Und ich will mit ihnen einen Bund des Friedens schließen, der soll ein ewiger Bund mit ihnen sein. Und ich will sie erhalten und mehren, und mein Heiligtum soll unter ihnen sein für immer. 

27 Meine Wohnung soll unter ihnen sein, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein, 

28 damit auch die Völker erfahren, dass ich der Herr bin, der Israel heilig macht, wenn mein Heiligtum für immer unter ihnen sein wird. 


Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde, 

Bing Crosby sang 1943: I´ll be home for Christmas – you can count on me. Dann ein Kleiner Nachsatz: „at  least in my dreams“
Weihnachten und Nachhausekommen gehören für viele Menschen zusammen. Ich denke, es ist unmöglich, die Summe von Kilometern zusammenzurechnen, die Menschen weltweit zurücklegen, um Weihnachten „zu Hause“ zu sein.

Wir sind eine Gemeinde, in der das zu Hause sein und nach Hause kommen ebenfalls ein Thema ist. Wir sind eine deutschsprachige Gemeinde in Südafrika – für die einen, ist Südafrika ihr zu Hause und für andere Deutschland, Österreich, die Schweiz.

Heute Abend sind wir eine Mischung, so nehme ich jedenfalls an: Einige sind nach Hause gekommen, um hier zu feiern – und andere sind nach Hause geflogen.

Ja, Weihnachten und das Gefühl ein zu Hause zu haben, gehören zusammen. 

In der Tat. Denn die Weihnachtsgeschichte erzählt von Menschen, die nach Hause gehen müssen, um sich registrieren zu lassen. 


Weihnachten und zu Hause – Bing Crosby sang es 1943 mitten im zweiten Weltkrieg. Das Lied fand seinen Weg unmittelbar in das Herz von Soldaten und ihren Angehörigen. 

„I´ll be home for Christmas”. Weihnachten werde ich zu Hause sein.

Ich kann mich leicht hineinspüren, in diese Sehnsucht: Weg vom Krieg, von der Feindschaft – zurück dahin, wo ich so bin wie ich bin.

Der Predigttext aus dem Buch Hesekiel hätte eine Vorlage für Bing Crosbys Weihnachtslied sein können. Denn der Prophet lebt und wirkt im Exil. Vor allem die jüdische Oberschicht war aus Israel deportiert worden. Ihr Wahrzeichen, der Tempel in Jerusalem war zerstört. Da saßen sie, die besiegten Juden entfernt von ihrer Heimat, Bilder von Zerstörung im Gepäck und die tiefe Sehnsucht: Wir wollen zurück nach Hause.

Und gleichzeitig fragen sie sich: Wo sind wir eigentlich zu Hause? Wenn das Heiligtum unseres Gottes zerstört ist, wo ist Gott dann? Und nur dort, wo Gott ist, können wir zu Hause sein.

Das Gefühl ist heute nicht so selbstverständlich, dass Menschen nur dort wirklich zu Hause sein können, wo Gott ebenfalls zu Hause ist. Es ist aber im Grunde ein Gedanke, der in der Weihnachtsgeschichte steckt.
Auch dort haben wir das Dilemma: Maria und Josef sind auf dem Weg nach Bethlehem – nach Hause. Doch sie fühlen sich nicht zu Hause. Sie fühlen sich nicht einmal mehr willkommen am Ort ihrer Herkunft.

Die Juden im Exil – sie leben an einem Ort seit vielen Jahren, es geht ihnen wirtschaftlich nicht einmal besonders schlecht – doch zu Hause, sind sie dort zu Hause?

Und Bing Crosby I´ll be home for Christmas – nach welchem zu Hause sehnt er sich? Es ist vor allem die Vorstellung von einem Ort, wo er angenommen ist. Jenseits der Schützengräben. Ein Friedensort.


Die Weihnachtsgeschichte antwortet auf die Sehnsucht nach einem Ort von Geborgenheit und Zugehörigkeit indem sie erzählt: Durch Christus wird diese Sehnsucht gestillt. Wo Christus geboren wird, da ist Gott. Und wo Gott ist, da entsteht Geborgenheit und Zugehörigkeit.

In diesem Sinn ist „Coming home“ nicht in erster Linie ein Ort, der per Flugzeug oder PkW oder per Esel zu erreichen ist. Home, Heimat, zu Hause, das ist dort, wo Gott wohnt. Es ist dort, wo Christus erkannt wird.

Dass Gott nicht nur in Jerusalem wohnt, sondern mitgewandert ist, ins Exil – das war eine gute Nachricht. Diese erfahrene Nähe Gottes in der Fremde gab Menschen Mut und Hoffnung und Zuversicht im Blick auf ihre persönliche und gemeinschaftliche Zukunft.
Dass Gott in Bethlehem zu finden ist, obwohl Bethlehem unter römischer Herrschaft war, das schaffte solche tiefe Freude und die Überzeugung, dass Frieden möglich ist, jenseits von fremder Herrschaft und Besetzung.

Und das ist für mich in unserer deutschsprachigen Gemeinde in Südafrika eine ebenso erfreuliche und ermutigende Botschaft. Wir leben mit der Realität, dass Familien über Kontinente hinweg verbunden und/oder getrennt sind. Der Flughafen spielt eine Rolle. Das Reisen ist Alltag.

Die Frage, wo wir hingehören, sei es ob wir in der 5ten Generation hier sind oder gerade erst angekommen? Wo gehören wir hin? Wo sind wir zu Hause.

Die schlichte und doch überwältigende Antwort von Hesekiel und Lukas: Da, wo Gott wohnt. Überall da sind wir zu Hause und können wir auch eine Zugehörigkeit findend und Geborgenheit erleben.

Coming home for Christmas – eigentlich sollte es etwas anders lauten: Christmas makes us being at home.

Wenn wir diese schlichte Einsicht weiter denken, dann wird deutlich, was gemeint ist mit Frieden auf Erden: Jede und Jeder Mensch kann sich an jedem Ort zu Hause fühlen, geborgen, zugehörig zu einer großen Menschheitsfamilie, die in Gott gegründet ist.

In Christus bekommen wir eine neue Heimat, ein neues Zuhause.

Und dieses Zuhause ist nicht nur eine Idee. Es ist kein innerer Rückzugsort, den wir uns schönreden. Es ist Gottes eigene Zusage: „Meine Wohnung soll unter ihnen sein.“ Gott sagt nicht: Ihr müsst zu mir kommen. Sondern: Ich komme zu euch. Ich richte mich bei euch ein. Mitten in eurer Wirklichkeit.

Das ist die Weihnachtsbotschaft in ihrer ganzen Schlichtheit und Kraft: Gott wird Mensch und macht sich verwundbar. Er kommt nicht in einen Tempel aus Stein, sondern in einen Stall. Er kommt nicht zu denen, die sicher angekommen sind, sondern zu denen, die unterwegs sind, fremd, unsicher, ohne festen Ort.

Wo dieses Kind liegt, da beginnt Heimat.
Wo Menschen sich um dieses Kind versammeln, da entsteht Zugehörigkeit.
Wo Christus Raum bekommt, da wird Fremdes vertraut und Angst verwandelt sich in Hoffnung.

Vielleicht sind manche von uns heute Abend wirklich „zu Hause“. Vielleicht sitzen andere innerlich mit gepackten Koffern hier – oder mit Heimweh, oder mit der Frage, wo sie eigentlich hingehören. Weihnachten nimmt diese Fragen ernst. Und antwortet nicht mit einer Adresse, sondern mit einer Beziehung.

Gott ist da.
Hier.
Heute.
Mitten unter uns.

Und so dürfen wir hören, was Hesekiel verheißen hat, und es als Weihnachtswahrheit verstehen: Gott schließt einen Bund des Friedens. Einen Bund, der nicht an Grenzen endet, nicht an Pässen hängt, nicht an Herkunft oder Zukunftsplänen. Einen Bund, der trägt – auch wenn Wege auseinandergehen.

Möge dieses Weihnachten uns daran erinnern:
Wir sind nicht heimatlos.
Wir sind nicht nur unterwegs.
In Christus sind wir angekommen.

Amen.

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