Lukas 8:4–8
„Wo Gott sät, da kann Neues wachsen“
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.
Liebe Gemeinde,
Ich habe euch ein Stück Papier mitgebracht. Es ist diese Woche entstanden, als ich über den Predigttext nachgedacht habe. Erstmal ist es ganz unscheinbar, ein bisschen grau. Wenn man es in der Hand hält, könnte man erstmal denken: Das ist doch nur Papier, das ist doch nichts Besonderes. Aber: es trägt etwas in sich, das man nicht sofort sieht.
Man kann darauf schreiben, man kann es verschenken oder man kann es weglegen und vergessen. Wenn man das Papier aber in Erde legt, ein bisschen gießt und die Sonne darüber scheint, dann entsteht daraus hoffentlich eine Blume.
Jesus erzählt in seinem Gleichnis von einem Landwirt, der auf seinen Acker geht und sät. Und weil so ein Feld in Palästina im 1. Jahrhundert nicht so aufgeräumt ist wie die ultra-effizienten Felder heute, landet mancher Samen auf dem Weg, auf den Felsen, zwischen dem Unkraut oder wird von den Vögeln aufgepickt.
Da ich absolut keinen grünen Daumen habe, habe ich überlegt, wie das heute aussehen könnte:
Anspiel
Szene 1: Person 1 will mit Person 2 reden, die nur mit dem Handy beschäftigt ist.
Szene 2: Person 3 wimmelt Person 1 ab, weil sie zu viel zu tun hat.
Szene 3: Person 4 ist frustriert, weil sich nichts verändert hat.
Jesus unterscheidet damit nicht unbedingt vier verschiedene Gruppen von Menschen, hier die „Guten“ und hier die „Schlechten“.
Da ist doch unter all den Dornen, dem Weg und den Felsen hoffentlich auch was anderes zu finden. Sind wir nicht vielleicht alle, je nach Situation, mehr dies und mehr jenes? Wir schauen uns mal die Beispiele aus dem Gleichnis an:
Es gab Zeiten, da habe ich mich breit treten lassen wie einen Weg, weil ich nicht gut darin war, Nein zu sagen. Man will niemanden enttäuschen, man will niemandem auf die Füße treten, man will, dass es für alle passt. Oder man lernt so mit Stress umzugehen, man wird fest und funktional, stabil, um dem Druck standzuhalten.
Wenn ich so drauf bin, dann ist meine Oberfläche wie verschlossen. Da kann ich etwas hören oder lesen und es hat keine Möglichkeit einzusinken. Die Vögel, die den Samen wegpicken, sind die Momente in denen das, was ich mitnehmen möchte, einfach wieder verschwindet.
Die Dornen sind da, wo der Alltag so leicht überwuchert ist, zwischen Geschirr, das noch abgewaschen werden und dem Projekt, das abgegeben werden muss. Das Unkraut mit den Dornen wächst so lange bis ich manchmal das Gefühl habe, dass das Neue gar keine Chance hat, weil es Zeit bräuchte. Und weil es ganz schön pikst und unbequem ist. Manchmal sie sie aber auch eine bequeme Ausrede. Denn wenn Dornen da sind, kann man immer sagen: „Ich würde ja gerne, aber ich habe keine Zeit.“ Was ja sogar wahr sein kann. Manchmal ist es aber auch Angst, die uns zurückhält, weil Neues eben nicht nur Zeit braucht, sondern auch Mut, und Dornen sind dann ein guter Schutz: Man bleibt bei dem, was man kennt, man bleibt bei dem, was man muss, und man muss sich nicht trauen.
Der Fels ist der Boden, auf dem etwas zwar schnell aufgeht, aber dann wieder vertrocknet, weil es keine Feuchtigkeit hat. Da fehlt das Wasser, das dem Samen Leben spendet. Das Grundwasser erreicht den Felsen nicht.
Vielleicht ist der Fels einer, den ich mir selber da hingelegt habe. Die negativen Gedanken, die ich über mich habe. Das „Ach, das wird eh nichts.“
Die Hoffnungslosigkeit. Ein innerer Fels, der das Lebendige in mir verschließt.
Und dann spricht Jesus vom guten Boden. Und der ist ja erstmal überall da. Der plattgetretene Weg war mal guter Boden, die Dornen und Sträucher wachsen darauf und er ist, worauf die Felsen liegen. Das heißt: Der gute Boden ist nicht eine seltene Spezialfläche für besonders gläubige Menschen. Der gute Boden ist nicht das perfekte Leben, in dem alles sortiert ist. Guten Boden haben wir alle schon.
Da ist eine fruchtbare Fläche in uns, die aufnahmefähig ist.
Und die gute Nachricht ist: Wo Gott sät, da kann Neues wachsen. Der Sämann sät überall. Er ist großzügig mit der Saat und verstreut sie auf dem kompletten Acker, eben da, wo es gerade hinfällt. Gott sät auch da, wo es nach außen hin nicht so aussieht, als würde daraus etwas werden. Gott vertraut darauf, dass das meiste guten Boden finden wird. Sicherlich kann es nicht schaden unseren inneren Acker von Zeit zu Zeit aufzuräumen, hier und da einen Felsen zu entfernen, die festgetretene Erde wieder aufzulockern, uns empfänglich zu machen.
Aber Gottes Wort spricht eben nicht nur zu uns, wenn wir morgens in der Bibel lesen, bereit zuzuhören. Gottes Wort, der Same, wird auch auf uns gestreut, wenn wir gerade festgetreten sind, auch dann, wenn wir vor einem riesigen Felsen stehen, auch dann, wenn unser Leben überwuchert ist.
Jesus erzählt dieses Gleichnis seinen Jüngern, um sie darauf vorzubereiten, dass Gottes Wort eben nicht immer sofort auf fruchtbaren Boden stoßen wird. Er beschreibt eine menschliche Wirklichkeit und sagt gleichzeitig, dass Gott sich davon nicht abschrecken lässt und dass die Jünger sich auch nicht davon abschrecken lassen sollen.
Wo Gott sät, da kann Neues wachsen. Und es wird besonders gut wachsen. Hundertfache Frucht wird es bringen, aber Geduld muss man haben. Das geht nicht von heute auf morgen und es braucht auch ein bisschen Pflege.
Und damit sind wir wieder bei dem Samenpapier, das ich euch am Anfang gezeigt habe. Man legt es in Erde, man gießt es, und wenn man Geduld hat, sprießt ein Keim hervor. Wenn ich den dann weiter gieße, ins Licht stelle und ein bisschen darauf aufpasse, dann wächst eine Sonnenblume daraus.
So ähnlich stelle ich mir das auch mit Gottes Wort vor. Es ist ein Satz, der hängen bleibt, manchmal ohne, dass man es merkt. Ein Vers, der einem später wieder einfällt, eine Ermutigung. Und wenn dieses Wort in mir Raum bekommt, wenn ich es bewahre und es in mir arbeitet, dann kann daraus etwas Neues entstehen, und es trägt Früchte, die man nicht nur in mir sieht, sondern in meinem Leben nach außen. Wenn ich anders mit Menschen umgehe, wenn ich jemandem nicht aus dem Weg gehe, der mir unbequem ist, wenn ich wahrnehme, wer neben mir sitzt und mich dafür interessiere, wenn ich teilen kann, wenn ich mich trauen kann, für jemanden einzustehen, der sonst übersehen wird.
Und wenn dann so viele Menschen wie in unserer Gemeinde aufeinander treffen, dann bin ich sicher: Da kann Neues wachsen und Frucht bringen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
