Lukas 18:31-43
Der etwa 30-jährige Jesus ist in seiner näheren Heimat lediglich bekannt als Sohn des Zimmermanns Josef aus Nazareth, einige Ortschaften weiter vermutlich völlig unbekannt. Der Unbekannte begegnet Fischern am See Genezareth oder "einem Menschen am Zoll". Mit seinem bezwingenden "Folge mir nach!" veranlasst er sie, alles liegen und stehen zu lassen und sich ihm anzuschließen. Den Weg, den sie nun mit dem "Meister" gehen, wird man sich bildlich vorstellen dürfen als Weg quer durch das Heilige Land, als gemeinsames Ertragen von Hitze und Kälte, Hunger und Durst, Sonne und Regen, gemeinsam schweigend oder von Gott sprechend, miteinander betend und feiernd, gemeinsam die Begeisterung und die Anfeindung der Leute ertragend.
Jesus ruft Menschen quer durch alle Bevölkerungsschichten in die "Nachfolge", unabhängig von Bildungsstand oder Erleuchtungsgrad, ohne Ansehen vorweisbarer religiöser Leistung. Alle sind zu gebrauchen für die Nachfolge
Jesu Nachfolger lernten von ihm, erlebten seine Taten und wurden von ihm in seine Lehren eingewiesen.
Die Gruppe ist wieder unterwegs. in Lukas 9,51 steht: “Als die Zeit näherkam, das Jesus in den Himmel aufgenommen werden sollte, entschloß er sich, nach Jerusalem zu gehen.
Ich lese den Predigttext aus dem 18. Kapitel des Lukasevangeliums:
31 Er nahm aber zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.
32 Denn er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und misshandelt und angespien werden,
33 und sie werden ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er auferstehen.
34 Sie aber begriffen nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen verborgen, und sie verstanden nicht, was damit gesagt war.
35 Es begab sich aber, als er in die Nähe von Jericho kam, dass ein Blinder am Wege saß und bettelte.
36 Als er aber die Menge hörte, die vorbeiging, forschte er, was das wäre.
37 Da berichteten sie ihm, Jesus von Nazareth gehe vorbei.
38 Und er rief: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
39 Die aber vorne an gingen, fuhren ihn an, er solle schweigen. Er aber schrie noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
40 Jesus aber blieb stehen und ließ ihn zu sich führen. Als er aber näher kam, fragte er ihn:
41 Was willst du, dass ich für dich tun soll? Er sprach: Herr, dass ich sehen kann.
42 Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat dir geholfen.
43 Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach und pries Gott. Und alles Volk, das es sah, lobte Gott.
Jesus geht fest entschlossen nach Jerusalem. Auf diesem Weg liegen zwei Szenen, die kaum unterschiedlicher sein könnten, aber zusammen die wahre Nachfolge definieren. Zwei vollkommen gegensätzliche Welten werden beschrieben, die dem Einzug in Jerusalem vorausgehen.
Zuerst ging es um eine, genauer gesagt um die dritte und letzte Leidensansage Jesu.
Und dann geht es auf einmal um einen Blinden - bei dem Evangelisten Markus hat er sogar den Namen Bartimäus -, der von Jesus geheilt wird.
Noch ist Nachfolgeschaft für die Jünger eine rein räumliche Bewegung:”Jesus geht ihnen voran”( Markus 10,32), und sie folgten ihm. Bald würde es aber so sein, dass Nachfolgen auch die Teilhabe an dem von Jesus beschrittenen Leidensweg beinhalten würde.
Da spricht Jesus: ‚Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.
“Sehet”, sagt der Herr seinen Jüngern und zeigt auf die Schriften der Propheten in denen der heilige Gotteswille niedergelegt ist,
“Sehet”, sagt er ihnen und will damit sagen, daß sein Leiden nicht irgend ein Leiden ist.
Er geht diesen Weg bewusst, um die Prophezeiungen zu erfüllen.
Jesus weiß, dass es ein schwerer Weg wird, der vor ihm liegt, aber eins ist klar: Es sind Worte, die das Leiden und Sterben, das Kreuz, das auf Jesus in Jerusalem wartet, in den Vordergrund rücken. Jesus weiß, was geschehen wird und wozu es gut ist.
Und sie gehen mit. Auch wenn sie nichts verstehen und keine Ahnung davon haben, was da jetzt in der vor ihnen liegenden Zeit alles passieren wird und warum: Sie gehen mit ihm, ihrem Freund mit. Der von ihnen verehrte Lehrer und Wundertäter sollte nach ihrer Vorstellung endlich beim Fest in Jerusalem die Anerkennung erfahren, die ihm zustand. Leiden und Tod hatten in dieser Vorstellung noch keinen Platz, eher die Anerkennung des Meisters. Sie hoffen, der Sohn Davids werde das alte Reich wieder aufrichten.
Doch schon auf dem Weg straucheln sie an der Realität.
Auf dem Weg nach Jericho ruft ein Blinder am Wegesrand Jesus als den Sohn Davids an und bittet um Gnade. Obwohl die Menge versucht, ihn zum Schweigen zu bringen, ruft er weiter. Jesus fragt ihn nach seinem Wunsch, und der Mann bittet darum, wieder sehen zu können. Jesus heilt ihn aufgrund seines Glaubens, und der Mann folgt Jesus und lobt Gott.
Der Glaube und die Ausdauer des Blinden dienen als Beispiel für den Glauben, den Jesus von seinen Nachfolgern fordert. Seine Heilung beweist Jesu messianische Macht und zeigt, dass er gekommen ist, um Menschen sowohl körperlich als auch seelisch zu heilen.
Das Buch „Fünf Merkmale eines Nachfolgers Christi“ (Original: Five Traits of a Christ Follower von Doug Nuenke und Jerry Bridges) definiert authentische Jüngerschaft durch fünf Kernkompetenzen:
Wachsen in der Gottesbeziehung, Vertiefung in die Schrift, Zeugnisgeben für Christus, Leben in Gemeinschaft, und Dienst am Nächsten.
1.Wachsen in der Beziehung zu Gott: Eine tiefe, persönliche Verbindung zum Schöpfer pflegen.
2.Kennen und Leben nach der Heiligen Schrift: Die Bibel nicht nur lesen, sondern ihre Prinzipien aktiv im Alltag anwenden.
3.Auseinandersetzung mit Menschen, die Christus nicht kennen: Den Glauben bezeugen und das Evangelium mit anderen teilen.
4.Leben in Gemeinschaft mit anderen Gläubigen: Aktive Teilnahme und Unterstützung innerhalb der christlichen Gemeinde.
5.Andere dazu ausrüsten, Christus nachzufolgen: Die Multiplikation des Glaubens durch Anleitung und Begleitung neuer Jünger.
Das Werk wird oft als Handbuch für Jüngerschaft genutzt, um Gläubigen zu helfen, ihre Begeisterung und Kapazität für die Nachfolge Christi zu steigern.
Der blinde Bartimäus am Wegesrand wird zum Gegenbild der Jünger. Er ist körperlich blind, sieht aber geistlich, wer Jesus ist. Obwohl die Menge ihn zum Schweigen bringen will, schreit er: "Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!" (V. 38). Er erkennt Jesus als den Messias ("Sohn Davids").
Doch die Jünger erkennen und verstehen es nicht. Sie sind "blind" für den Weg des Kreuzes. Warum? Weil sie einem falschen Bild von Jesus und der Nachfolge nachliefen. Sie erwarteten den messianischen König, der triumphiert, nicht den, der leidet.
Die Lehre für uns ist, dass Nachfolge nicht immer Erfolg, Anerkennung oder ein Leben ohne Leid . bedeutet Manchmal "verstehen" wir Gottes Weg nicht, weil er nicht unseren Vorstellungen entspricht. Doch Jesus geht diesen Weg für uns.
Jesus sagt: "Dein Glaube hat dir geholfen" (V. 42). Nachfolge beginnt, wenn wir erkennen, dass wir Hilfe brauchen und unsere Blindheit von Jesus geheilt wird.
Wir gehen hinauf. So hören wir es an diesem Sonntag immer wieder. Wir sind also keine Zuschauer*innen, nicht im Glauben und auch nicht im Gottesdienst. Wir sind angesprochen. Jerusalem ist der Ort, am dem Jesus gekreuzigt wurde. In seinem Leiden spiegelt sich unser eigenes Leiden wider. Der Weg mit Jesus ist kein Spaziergang. Doch wenn wir mit ihm unterwegs sind, sind wir nicht allein. Und eines Tages werden auch wir auferstehen. Wie und wo das sein wird, können wir uns jetzt nicht wirklich vorstellen. Da geht es uns wie den Jüngern.
Wenn wir etwas sehen, was über das hinausgeht, was wir mit unseren Augen erfassen können, dann tun wir das mit einem glaubenden Herzen, so wie es der Blinde in Jericho tut.
Nachfolge ist ein Dank für die erfahrene Gnade und ein aktives Mitgehen mit Jesus.
Was bedeutet das für uns?
Wir dürfen unsere "Blindheit" eingestehen. Wie Bartimäus dürfen wir um geistliches Sehen bitten, besonders wenn wir in unserem Leben nicht verstehen, wohin Gott uns führt.
Wahre Nachfolge bedeutet, das Kreuz zu akzeptieren. Sie bedeutet, zu glauben, dass Gott auch durch schwierige Zeiten zum Leben führt.
Wie der Blinde seinen Mantel (seine Existenzgrundlage) zurückließ (laut Markus Evangelium), erfordert Nachfolge manchmal, alte Sicherheiten aufzugeben, um Jesus zu folgen.
Seit der Auferstehung Christi heißt "Nachfolge": dem "nachfolgen", der nicht mehr zu sehen, "nur" zu glauben ist. Also im übertragenen Sinn "in seine Fußstapfen treten". Also sich führen lassen, "wohin du nicht willst". Amen.
