Markus 14,32-42
Gründonnerstag
In drei Teilen
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen
Markus 14, 32-42
Liebe Gemeinde,
Die Jünger und Jesus. Gemeinsam wollten sie alles machen. Jeder hatte Jesus versprochen, ihn auf seinem Weg zu begleiten. Die Jünger taten, was sie sagten. Sie waren seit Monaten oder sogar Jahren mit Jesus auf seiner Wandermission. Die dreizehn waren eine besondere Gemeinschaft. Sie waren mit Hoffnung gesegnet. Wort und Tat gehören für sie zusammen.
Lasst uns einen Moment Zeit nehmen und uns vorstellen, wie sie sich gefühlt haben müssen – voller Hoffnung und Erwartung. Das Gefühl, Teil einer großen Sache zu sein, muss überwältigend gewesen sein. es gibt Sinn im Leben. Es schenkt Selbstbewusstsein und Zugehörigkeit.
Vor allem hatten sie ein gemeinsames Ziel: „Das neue Jerusalem!“ Oft waren sie fröhlich unterwegs. Jede Heilung war für sie wie ein Beweis: Das Leben wendet sich zum Guten.
Gemeinsam war ihnen ihre Liebe für die Heilige Schrift. Sie waren dankbar, wenn Jesus mit den Schriftgelehrten und Pharisäern argumentierte. Durch Jesus verstanden sie ihre Heilige Schrift besser. Jesus erklärte alles so gut und verständlich.
Gemeinsam machten sie etliche begeisternde Erfahrungen: Sie teilten Brot und 5000 Menschen wurden satt. Manche von ihnen waren sicher: Wenn wir Brot für 5000 Menschen finden, dann finden wir auch Brot für die Welt.
Und nun dieser Abend.
Das hatten sie bestimmt nicht wahrhaben wollen. Ja, schon eine Weile gab es nicht nur Jubelrufe, wenn sie in einem Dorf oder einer Stadt ankamen. Was da alles über Jesus erzählt wurde. Manches stimmte. Anders war ihnen so fremd. Sie merkten, dass Jesus mit Wünschen und Bitten überfrachtet wurde. Auf einmal sollte er die Welt retten. Und da waren andere, denen Jesus viel zu viele Anhänger hatte.
Hier nehme ich die Enttäuschung von Judas besonders stark wahr. Er hatte gehofft, dass aus Jesus mehr würde als ein Prophet und begabter Wanderprediger. Er wollte weitere Taten sehen: Jesus an der Macht. Jesus als neuer König. Das würde Judas gefallen.
Ach, dieser Abend: wo sie gemeinsam zusammensaßen, wie an so vielen Abenden. Sie aßen zusammen. Und dann wurde Jesus sehr ernst. Bis dahin fühlten sie sich ihm so nah. Eine starke Gemeinschaft.
Und nun: es bahnte sich etwas an. Jesus zog sich zurück. Jesus hatte Angst. Das war eindeutig.
Einsamkeit und Gemeinschaft: Stellt euch vor, wie sie in diesem Moment fühlten. Sie waren so verbunden, und plötzlich zieht sich Jesus zurück. Es ist eine Erinnerung daran, wie wir uns manchmal fühlen, wenn ein geliebter Mensch in schwierigen Zeiten allein sein möchte.
Und noch viel schlimmer: Sie hatten den Eindruck: Wir können ihm nicht mehr helfen. Wir wissen nicht, was kommt. Sie ahnten, dass sie ihren Jesus verlieren könnten – sie schämten sich für ihre eigene Angst und ihre Sorgen. Sie hatten so viele Fragen. Keine Antworten.
Ach, dieser Abend. Jesus so allein – sie sahen, dass er seinen Weg ging:
Diesen Weg ging er allein. Auch sie blieben allein mit ihren Gedanken, ihrer Hoffnung, ihrer Angst.
Kennt ihr solche „Gethsemane-Momenten“ – können wir als Gemeinde einander unterstützen und wenn Ja, wie? Wie gehen wir mit unseren Ängsten um, unserer Müdigkeit und Hilflosigkeit?
Was kommt da auf uns zu? Wann sie wohl verstehen würden, was da geschah – ob sie es überhaupt je verstehen würden?
Predigt Teil 2 (Gedanken in verteilten Rollen)
• Judas
(Ein Sprecher)
Ich bin Judas. Jesus enttäuscht mich. Er sollte König werden. Das ist meine Meinung. Darum bin ich ihm gefolgt. Er wäre stark genug, die Römer zu vertreiben.
Ich habe mich leider getäuscht. Ich war bereit für ihn zu kämpfen. Doch jetzt ist mir klar: Jesus will nicht kämpfen. Er wird schwach. Er schafft es nicht. Erst hat er groß geredet: die Reichen werden abgeben müssen und die Schwachen werden regieren.
Jetzt sagt er nichts mehr. Es ist ein trauriger Abend.
Was kann ich noch tun? Ich werde nicht aufgeben. Ich gebe ihm eine Chance. Ich werde ihn zwingen, das Ruder umzureißen. Ich gehe zu denen, die ihn verurteilen.
Heute Nacht kann er König werden. Ich helfe ihm.
(Judas löscht eine Kerze aus und geht)
• Die Schläfer
(Ein Sprecher*in und zwei andere)
Wir sind die „Schläfer“. Jesus hat uns mit in den Garten genommen. Da waren wir oft. Jesus wollte beten. Er hat uns gebeten, bei ihm zu bleiben. „Wacht und betet mit mir!“ hat er gesagt. Jesus war so traurig. Er hat gezittert. Dieser starke Mann. Er hat so viele Menschen geheilt. Er hat so viel Hoffnung gegeben. Er hat so viel Freude verschenkt. Er hat so viel mit uns gelacht und debatiert. Wir haben ihn kaum wiedererkannt in seiner Not. Keiner von uns wollte ihn allein lassen.
Doch wir waren so müde. Als würde alle Kraft von uns weichen. Wir haben das nicht ausgehalten, dass Jesus so betrübt war. Wir konnten nicht anders. Wir hatten Angst und fühlten uns hilflos. Es tut uns leid.
Die drei löschen drei Kerzen und gehen
• Die „Dabeisteher“
(ein Sprecher*in und sechs andere)
Wir standen dabei. Als sie Jesus ergriffen, habe ich mein Schwert gezogen. Ich habe einem das Ohr abgeschlagen und Jesus verteidigt. Es war furchtbar. Mit Waffen sind sie gekommen. Die Römer und ihre Helfer. Sie haben ihn festgenommen. Da musste ich doch etwas tun.
Ich habe einfach zugeschlagen. Es hat nicht viel gefehlt, dann hätten wir alle gekämpft. Aber Jesus hat das verhindert. „Hört auf damit!“ „Lasst das!“ sagte er.
Dann sprach er. Seine Stimme war ruhig. Sein Körper bewegungslos. Er heilte den verwundeten Soldaten. Das war zu viel für mich. Wir sind weggelaufen. Wir haben ihn allein gelassen. Nein, ich wollte nicht verhaftet werden.
Das war Jesus Sache.
Sie löschen sieben Kerzen aus und gehen
• Petrus
Ich bin Petrus. Ich ahnte, was kommt. Da habe ich Jesus versprochen, dass ich bei ihm bleibe. Auf mich kann er sich verlassen, habe ich ihm mehrfach gesagt. Er hat mir nicht so richtig getraut: Noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich verleugnen. Nicht nur einmal, sondern dreimal.
Da war ich enttäuscht. Ich war mir so sicher, dass ich mutig genug bin.
Ich habe mich in mir selbst getäuscht und den anderen. Ach, was war das für ein Abend.
Die einen sind eingeschlafen. Die anderen sind weggelaufen. Judas hat ihn verraten. Wenigstens ich wollte durchhalten. Jesus sollte nicht so allein sein.
Da kommt diese Magd auf mich zu. Völlig unerwartet: Du bist doch einer von denen.
Nein, bin ich nicht. Ihr verwechselt mich. Ich gehöre nicht dazu. Das ging so schnell. Am schlimmsten war. Da krähte der Hahn. Ich habe mich in Grund und Boden geschämt.
Petrus löscht die letzte Kerze und geht
Predigt Teil 3 abschließender Gedanke
Ja, das war ein trauriger Abend. Er hatte so festlich begonnen. Das gemeinsame Essen am Abend vor dem großen Fest. Und dann wurde alles anders. Gewalt. Angst. Hilflosigkeit. Erschöpfung. Enttäuschung.
Was sollte daraus werden?
Jesus allein – gefangen. Ausgeliefert.
Da haben viele nicht mehr geglaubt. Da haben manche ihre Hoffnung eine Weile verloren. Da gab es viele Fragen und keine Antwort. Warum?
Diese Fragen brauchen Zeit. Ja, manchmal sind wir auf einem Weg durch ein Tal, das im Schatten des Todes liegt. Es braucht Mut, diesen Weg zu gehen.
(Die Osterkerze wird gelöscht)
