Predigten - 2026

Matthäus 6,33–34


predigt afrikaans


1. Sonntag nach Trinitatis

Pastor i.R. Werner Harms


Guten Morgen, liebe Brüder und Schwestern, in unserem Herrn Jesus Christus.

Sag mal: Hast du Sorgen? Gibt es etwas, das dich quält, das dich belastet, das dir bei Tag und Nacht das Leben schwer macht? Hast du etwas, das dich traurig macht? Etwas, vor dem du machtlos stehst und keinen Rat weißt? Etwas, bei dem du fragst: Wie soll es weitergehen? Wie kann ich das ändern? Wer kann mir helfen?

Ihr lieben Senioren, wie geht es euch? Wie ist das mit dem Sterben? Habt ihr Frieden in der Familie, mit den Leuten um euch? Mit eurem himmlischen Vater? Oder macht ihr euch Sorgen um die Ewigkeit? Ich möchte heute Morgen mit euch ein Wort unseres Herrn aus Matthäus 6 teilen. Dort heißt es:

„Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen; denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat. “Tracht! Was heißt das? Richte dich darauf aus. Lass es dir wichtig sein. Mach es zu deinem Lebensziel. Das will ich am liebsten tun. Das soll das Wichtigste in meinem Leben sein. Und wonach sollen wir trachten? Nach dem Reich Gottes. Aber was ist das eigentlich – das Reich Gottes? Ich versuche einmal zu sagen, wie ich es verstehe: Im Reich Gottes hat Gott das Sagen. Hier gelten seine Regeln und seine guten Lebensgesetze. Hier legt unser Herr Jesus Christus die Richtung fest. Hier entscheidet nicht der Mensch, was gut und böse ist, sondern Christus. Hier gilt die Agape – die bedingungslose Liebe Gottes. Eine Liebe, die nicht davon abhängt, wie liebenswert ein Mensch gerade ist. Agape ist ein Entschluss: Ich will lieben. Hier wird vergeben, noch bevor der Schuldige um Vergebung bittet.

Paulus schreibt: „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Feinde waren.“ Gott wartet nicht darauf, dass du erst um Vergebung bittest. Er vergibt, weil er sich dazu entschieden hat. Jetzt tue das Gleiche! Im Reich Gottes wird nicht gelogen, betrogen oder verleumdet. Hier ist Ehrlichkeit gefragt. Hier wird Frieden gesucht. Nicht nur Waffenstillstand, sondern echter Friede. Ein Friede, der aus Versöhnung wächst.

Darum sagt die Schrift: „Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. “Hier gilt die Liebe. Glaube der Liebe! Sie ist stärker als Macht, Gewalt und harte Worte. Es geht so leicht zu schimpfen und zu verletzen. Und doch macht das so viel kaputt. Glaube der Freude! Mach Freude, wo du hinkommst. Und glaube: Ich habe einen Vater im Himmel. Einen Vater, der für mich sorgt. Einen Vater, der mich kennt. Einen Vater, der mich trägt. Wir singen fast jeden Sonntag:

„All Fehd hat nun ein Ende.“

Wer weiß hier noch was Fehd eigentlich heißt? (Laut Lexikon: Eine Fehde bezeichnete im Mittelalter einen Streit, eine erbitterte Auseinandersetzung oder einen Konflikt zwischen Familien, Verwandten und Freunden.) Zwischen ihm und mir ist Frieden. Nicht weil ich so gut bin. Sondern, weil Gott es in Ewigkeit beschlossen hat. Darum hat die Sorge im Reich Gottes keinen Platz. Aber was ist Sorge eigentlich? Sorge ist Kummer .Bitterkeit. Unruhe. Angst .Ein quälender Gedanke. Sorge ist der Versuch, eine Bedrohung abzuwehren, die viel größer erscheint als ich selbst. Sorge bewegt immer wieder dieselben Gedanken: Ein Gedankenkarussel. Was wäre, wenn? Was wäre, wenn ich meine Arbeit verliere? Was wäre, wenn meinem Kind etwas zustößt? Was wäre, wenn ich oder ein lieber Mensch schwer krank wird? Was wäre, wenn Krebs kommt? Und so könnten wir noch viele andere Beispiele nennen. Sorge beschäftigt sich ständig mit dem, was vielleicht geschehen könnte. Die Gefahr erscheint immer größer. Und dabei vergessen wir oft die Hilfe. Ich denke an Petrus auf dem Wasser. Solange er auf Jesus schaut, geht er über die Wellen. Er geht über das Chaos. Er geht über die Gefahr.

Als er aber auf die Wellen schaut und seinen Herrn aus den Augen verliert, als er auf das Chaos schaut, beginnt er zu sinken. Geht es uns nicht auch oft gerade jetzt so mit unserer Weltpolitik? Verlieren wir uns nicht oft in dem Chaos der zwiespältigen und Furcht erregenden Nachrichten, anstatt unseren Blick auf unseren himmlischen Vater zu halten? Er sagt uns ganz deutlich: In der Welt habt ihr Angst, aber siehe ich habe die Welt überwunden!“ Darauf sollen wir uns konzentrieren. So, ist es auch bei uns.Wenn wir nur auf unsere Probleme schauen und unseren himmlischen Vater aus dem Blick verlieren, sinken wir. Dann bekommen wir Angst. Dann werden wir schwach. Dann werden wir krank. Jesus sagt: So machen es die Heiden. In der Not haben sie keinen Halt. Sie kennen keinen Vater, dem sie vertrauen können. Darum nennt unser Herr das Kleinglauben. Es fehlt das Vertrauen, dass der, der mich geschaffen hat und sein Leben für mich gegeben hat, mich auch heute noch im Auge hat. Sorge macht mürbe. Sorge macht krank. Sorge macht schwach.

Darum ist hier Vertrauen gefragt. Loslassen. Loslassen von der eigenen Kontrolle. Loslassen vom eigenen Können. Und dann das schwere Gebet sprechen: „Dein Wille geschehe. “Was immer jetzt geschieht –ich nehme es aus deiner Hand. Auch wenn ich deinen Weg nicht verstehe. Auch wenn er anders ist, als ich ihn mir wünsche. Auch dann will ich dir vertrauen. Nun müssen wir aber unterscheiden: Vorsorge ist etwas anderes als Sorge. Vorsorge ist gut und richtig. Ich tue heute das, was mir möglich ist, damit morgen keine Not entsteht. Wenn ich durch Namibia fahre, lasse ich keine Tankstelle aus. Denn ich weiß nicht, wann die nächste kommt.

Wir fuhren einmal Richtung Seeheim. Auf der Karte stand: Dort gibt es eine Tankstelle. Wir fuhren und fuhren. Sandige Straßen. Staub. Die Tankanzeige wurde immer niedriger. Und Seeheim blieb verschwunden. Im Auto wurde es immer stiller. Keiner wollte daran denken, was passiert, wenn wir mitten in der Wildnis liegen bleiben. Endlich ein Schild:„Seeheim links. “Wir fuhren den Berg hinunter. Und tatsächlich: Da stand eine Zapfsäule. Aber keine Menschenseele war zu sehen. Schließlich kam jemand und erklärte uns, der Besitzer sei im Urlaub – für drei Wochen.

Lange Geschichte. Am Ende half uns eine ältere Dame, und wir konnten weiterfahren. Wir hatten nicht genügend vorgesorgt. Dann hatten wir Sorge. Zur Vorsorge gehört auch, für das Alter zu sparen. Nicht leichtsinnig zu leben. Nicht auf schnelle Reichtümer hereinzufallen. Wie man so schön sagt: „If it sounds too good to be true, it is too good to be true. “Unser Herr spricht nicht gegen solche Vorsorge. Er spricht gegen die Sorge, die unser Herz gefangen nimmt. Darum sagt er: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes. Macht es zu eurem Lebensziel, in der Gegenwart Jesu zu leben. Auf ihn zu hören. Zu tun, was er sagt .Ihm zu glauben. Ihm zu vertrauen.

Der Psalmist sagt: „Suche Frieden und jage ihm nach. “Vergib. Sprich Menschen frei, die an dir schuldig geworden sind. Lass die Liebe in deinem Leben siegen. Denn sie ist stärker als Drohungen und harte Worte. Mit Gewalt kann man vielleicht einen Streit gewinnen. Aber oft verliert man dabei den Menschen. Man verliert Vertrauen. Man verliert die Beziehung. Die Bibel nennt das Sünde. Sünde zerstört Vertrauen. Etwas Unsichtbares tritt zwischen Menschen. Vielleicht lächelt man noch freundlich, aber im Herzen ist die Trennung da. Darum: Trachte danach, mit deinem Herrn Jesus Christus zu leben. Suche ihn. Vertraue ihm. Und alles andere wird dir zufallen. Vielleicht nicht im Voraus. Aber zur rechten Zeit.

Wir haben das selbst erlebt:

Verheiratet, mit zwei Schulpflichtigen Kindern fing ich ein 7-jähriges Theologiestudium an. Außer dem kleinen Einkommen einer treuen, fleißigen Ehefrau als Krankenschwester, hatten wir nichts. Und doch sind wir nie hungrig ins Bett gegangen und unsere Kinder haben eine gute Schulausbildung bekommen. „Jedes Mal, wenn wir dachten, es geht nicht mehr, kam von irgendwo ein Engel her“. Hier haben wir Gottes Fürsorge im großen Rahmen erfahren. Nicht alles war vorher da. Aber immer wieder hat Gott im richtigen Moment geholfen. Denkt an Mose. Hinter ihm das Heer des Pharaos. Vor ihm das Meer. Das Volk voller Angst. Kein Ausweg. Kein Weg nach vorne. Kein Weg zurück. Und doch handelte Gott. Zu seiner Zeit. Auf seine Weise. Und das Meer öffnete sich. Daran festzuhalten, nennt die Bibel Glauben. Diesem Herrn zu vertrauen nimmt uns die Sorge. Auch dann, wenn er anders führt, als wir es gerne hätten.

Sein Friede komme auf euch und begleite euch.

Amen.