Predigten - 2026

Matthäus 11,25-30



2. Sonntag nach Trinitatis

Pastor i.R. Horst Müller - Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Matthäus 11,25-30


25 Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart.

26 Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.

27 Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.

28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.


Liebe Gemeinde!

Der Psalm 36, den wir zu Anfang gebetet haben, ist ein Lobgesang auf die einzigartige Güte Gottes. Köstlich, nennt er sie. Sättigend, reichlich, Quelle des Lebens, Licht - wunderbare Worte aus dankbarem Herzen!

Das Kapitel aus dem unser Predigttext stammt, hat einen ganz andern Klang - besonders am Anfang. Da lesen wir, dass Johannes der Täufer aus dem Gefängnis fragen lässt: Bist du der, der da kommen soll? Kein Lobgesang, eine fast ängstlich, verzweifelte Frage eines Mannes in Lebensgefahr. “Bist du der, für den ich dich gehalten habe? Dem ich mein Leben gewidmet habe?

Jesus antwortet: Erzählt ihm, was ihr seht: Blinde sehen, Lahme gehen, Taube hören, Tote stehen auf, Armen wird das Evangelium gepredigt. Selig ist, wer nicht an mir Anstoß nimmt. Im Grunde genommen sagt Jesus damit: An mir können Menschen diese Güte Gottes erleben. Ja, ich bin der! 

Doch dann ändert sich die Stimmung. Es folgen Weherufe, weil viele an diesem Jesus Anstoß nehmen - weil ganze Städte sich ihm verschließen!

Wie ist das möglich? Wenn doch Jesus die Güte Gottes, die im Psalm besungen wird, in die Tat umsetzt? 

Jesus klagt, weil die “Weisen und Klugen” der Meinung sind, Gott verstanden zu haben, aber gar nichts versehen. Mehr noch, sie sind der Meinung, Gott schützen zu müssen. Er klagt, weil sie meinen, Wege gefunden zu haben, wie der Mensch (garantiert) Zugang zur Güte Gottes bekommt. Ganze 613 Satzungen wurden sorgsam formuliert. Wer sich daran hält, dem öffnet sich die Güte Gottes. 

Darüber klagt Jesus, weint sogar - dass die Klugen und Weisen blind sind für die Güte Gottes, die in ihm sichtbar, spürbar, fassbar da ist!

Doch dann kommt das Dankgebet, der Text von heute: Ich preise dich, Vater - denn die “Unmündigen” hast du erreicht. Meine Jünger, und viele einfache Menschen mit ihnen schmecken und sehen, wie freundlich ich bin - sie kommen, nehmen an, was ich ihnen schenke. Sie folgen mir und fangen an zu leben! 

Und dann wendet Jesus sich allen zu - auch den Klugen und Weisen: Kommt zu mir! Legt ab die Lasten der 613 Vorschriften, legt ab den Versuch zur Güte des Vaters zu kommen. Sie ist schon  hier, diese Güte - hier bei mir! Hier könnt ihr zum Frieden kommen, Ruhe finden. Geht mit mir, lasst euch von mir anstecken. Meine Lehre besteht nicht aus lauter Verboten: du sollst nicht, du darfst nicht. Oder laute Geboten: Du musst, du sollst.

Ich rufe euch zu: Lebt als Kinder des Lichts: Güte, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit. Kehr um - lauf nicht weg von Gott, versuch nicht länger um krampfhaft zu Gott zu kommen. Kehre zu mir, damit du frei wirst und atmen, leben kannst. 

Heute haben wir im Gottesdienst ein Kind getauft. Außerdem hat dieser 2. Sonntag nach Trinitatis “Abendmahl”  als Leitthema: Kommt, esst, trinkt - seht wie freundlich der Herr ist.

Taufe und Abendmahl sind Geschenke Jesu, wo wir die Güte Gottes, schmecken, fühlen, erleben können. Taufe und Abendmahl sind das Evangelium von Vergebung und neuem Leben “zum anfassen”!

Die Taufe empfange ich - sie geschieht an mir. Beim Abendmahl esse und trinke ich. (In Johannes 6 sagt Jesus wiederholt: Wer mein Leib ist, und mein Blut trinkt, der hat das Ewige Leben). Trinken (und Essen) sind das erste, was ein Mensch nach der Geburt tut, und das letzte vor dem Sterben. In dieser Form schenkt Jesus sich selbst - sodass der Mensch in allen Lebensphasen Evangelium essen und trinken, schmecken kann! Ein wunderbares Geschenk.

Doch wir Weisen und Klugen haben es geschafft, auch diese Geschenke, die man einfach empfangen soll, in Satzungen, Regeln, Gebote und Verbote zu verpacken. 

Taufe: Wer das falsche Taufverständnis hat, ist verdammt. Uns wird vorgeworfen, dass die Säuglingstaufe ungültig ist, weil der Glaube noch nicht da ist. Erst wenn man glaubt, gilt die Taufe. Die Reihenfolge muss stimmen. Erst Glaube, dann Taufe. Wir sagen: Glaube und Taufe gehören zusammen - auch wenn der Glaube erst “aus der Taufe” wächst. Und viele verdammen die Wiedertäufer, weil sie die Gnade der Taufe in den Staub treten. 

Noch schlimmer trifft es das Abendmahl. In der Kirche des Mittelalters wurde es zur Heilsnotwendigen Pflichtveranstaltung, und gleichzeitig zur schwersten Strafe neben der Todesstrafe: Exkommunikation - vom Abendmahl ausgeschlossen zu werden. Weise und Kluge bestimmen, wer vom Abendmahl essen und trinken darf, und wer nicht. Wer richtig glaubt, und wer nicht. Wer würdig ist, und wer nicht. Und manch ein Christ geht nie zum Abendmahl, fest überzeugt, unwürdig, oder zumindest nicht würdig, gut, genug zu sein. Ähnlich wie die 613 Satzungen im Judentum hat man Regeln, Gebote und Verbote erstellt um das Abendmahl und die Taufe zu schützen. 

Kommt her zu mir alle - Ja, ABER - dieser nicht, jene auch nicht!

Ich frage mich, wie oft Jesus im Laufe dieser 2000 Jahre geweint hat, wenn er sah wie Menschen sein sanftes Joch, die Einladung zu schmecken, zu sehen, zu empfangen, umgestaltet haben in ein schweres, erdrückendes Joch, über das man sich nicht freuen kann. Wenn Mühselige, beladene Menschen abgewiesen wurden, weil sie die Richtlinien nicht erfüllt haben. 

Ich bete darum, dass wir immer wieder die Augen öffne für das Wunder seiner Barmherzigkeit: Kommt! Eine unglaubliche, uneingeschränkte Einladung: Kommt, alle dir ihr mühselig und beladen seid! Kommt!

Komm doch, sagt Jesus. Ich will dir nicht zusätzliche Lasten auflegen, nein, ich will dich frei machen. 

Oder, aus dem Bild der Epistel, Eph 2, 17-22: Komm! Du brauchst dich nicht in einer Ecke zu verstecken, wie ein Diener, der im Haus eigentlich nichts zu suchen hat. Nein, durch Jesus Christus gehörst du dazu! Komm, du bist Hausgenosse! Du bist mein Kind! Für dich habe ich mein Leben gegeben. Du bist mein!

Kommt, sagt Jesus. Kommt doch einfach. Ich schenke euch das Leben. Ja, ich lege dann ein Joch auf - das Joch der Nachfolge. Es ist für dich Maßgeschneidert, damit du mit mir gehen kannst als gesegneter, beschenkter Mensch. Du wirst anderen zum Segen sein, weil du selber gesegnet bist!

Amen