1.Korinther 3,9-17
12. Sonntag nach Trinitatis
Pastorin Kornelia Schauf
1.Korinther 3,9-17
9 Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.
10 Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.
11 Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
12 Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh,
13 so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen.
14 Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen.
15 Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.
16 Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?
17 Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr.
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen
Liebe Gemeinde,
am Dienstag hatten wir hier Besuch aus Genf, aus Zimbabwe, dem Kongo, Estland und Südafrika: Zu Gast war eine Delegation des Lutherischen Weltbundes. Unsere NELCSA ist eine der 153 Mitgliedskirchen.
Unser Bischof, Theo Jäckel und der Präses unserer Synode, Henning Springer stellten die NELCSA vor.
Neben der Kirchenleitung besuchte die Delegation unterschiedliche Gemeinden der NELCSA: zuerst unsere Johannesgemeinde, dann die Nordrandgemeinde in Bryanston und danach auch noch die Friedenskirche in Hillbrow.
Wann und wie ist unsere Kirche entstanden? Wann wurde der Grund gelegt. Das war im 19. Jahrhundert. Die Kandaze legte am 2. August 1854 in Durban an.
Geschichtlich betrachtet haben zwei Bewegungen zur Gründung der Kirche geführt, die unsere heutige NELCSA ist: Deutsche Immigrationsbewegung nach Südafrika und Missionarsarbeit.
Auch Paulus hat auf seiner Missionsreise in einer Hafenstadt angelegt: in Korinth.
Und dort hat er eine Gemeinde gegründet. Er hat Jesus Christus gepredigt und so wurde Jesus Christus Grund und Fundament der Gemeinde in Korinth.
In jeder Kirchengemeinde gibt es eine Gründungsgeschichte: Einen Grund, warum die Gemeinde gebildet wurde und es gibt ein Fundament: Das Fundament ist hoffentlich immer Jesus Christus.
Paulus denkt in seinem Korintherbrief darüber nach, dass Kirchengemeinde sich fortwährend verändern. Nicht nur in der Hafenstadt Korinth oder im damaligen Durban sind Menschen gekommen und gegangen: sondern das gehört zu den Erfahrungen jeder Kirchengemeinde.
Selbst in der kurzen Geschichte unserer Johannesgemeinde gibt es einen ursprünglichen Grund, warum gerade damals Anfang der 90iger Jahre eine neue Kirche gebaut werden sollte und die Gemeinde in Pretoria sich teilte.
Unser Fundament ist das gleiche wie in der Skinnerstraße, in St. Peters: Jesus Christus.
Paulus nimmt selbstverständlich wahr: Wir arbeiten in dieser Gemeinde. Wir, die Mitarbeitenden verstehen uns wie Landwirte oder Bauleute. Und ihr, die Gemeinde, ihr werdet durch uns geprägt: im Wachsen gefördert, bei der Ernte begleitet. Ihr seid ein großartiges Bauwerk. Ein Werk, das sich verändert.
Ja, und immer wieder, ob am Anfang einer Gemeinde oder nach einigen Jahren oder wenn es einen Wechsel gibt: Dann steht die Frage im Raum: Wie geht es weiter?
Die Gäste vom Lutherischen Weltbund teilten mit uns diese Frage. Anne Burghard, die jetzige Generalsekretärin des Lutherischen Weltbundes sagte: Alle Mitgliedskirchen stehen vor der Frage: wie sehen die Kirchen und Kirchengemeinden in Zukunft aus? Warum brauchen Menschen Kirchen?
Ob in Lateinamerika, im Baltikum, in Europa oder auf dem afrikanischen Kontinent: Kirchen sind immer Teil der jeweiligen Zeitgeschichte und diejenigen, die in den Kirchen mitarbeiten, suchen nach Antworten.
Weder die christliche Gemeinde in Korinth noch die NELCSA sind heute so, wie sie bei ihrer Gründung waren.
Ja, liebe Gemeinde, die Bedeutung von Kirchen und ihre Existenz ändern sich. Die Weise, wie wir christliche Gemeinde und Kirchen sind, ist im ständigen Wandel.
Paulus drückt sich in der Sprache des Bildes so aus: Manche bauen mit Gold, manche mit Silber, manche mit Edelsteinen, Holz oder Stroh.
Wer in der Welt herumgekommen ist und sich Kirchen anschaut, ist beeindruckt von den unterschiedlichen Kirchengebäuden und der unterschiedlichen Weise, Kirche zu sein.
Vom Petersburger Dom bis zu einem aufgeschlagenen Zelt in der Wüste, von einer kleinen Holzkirche auf Pfeilern bis zu Kapellen unter der Erde: Es ist faszinierend und befreiend, wie unterschiedlich Christen ihren Glauben leben und Räume dafür schaffen.
Ein großer Reichtum und ein faszinierendes Bild von Kirche.
Wie geht es weiter?
Das heutige Bild auf der Powerpointpresentation ist vor drei Jahren entstanden. Die Kirche in Leopoldshöhe war ganz und gar eingerüstet. Der Boden musste ausgekoffert werden: Ein Bagger fuhr in der Kirche und grub seine Zähne einen halben Meter tief unter den Boden. Alles sieht nach Zerstörung und Vergänglichkeit aus. Doch unter allem, was wir verändern und renovieren bleibt unser Fundament.
Einen anderen Grund kann niemand legen, erinnert Paulus: Ja, der Boden der Kirche mag dem Verfall der Zeit zum Opfer gefallen sein, aber das Fundament ist und bleibt Jesus Christus.
Wir als Johannesgemeinde beschäftigen uns gerade mit unseren Gebäuden und der Frage: Wie geht es weiter: Wo und wie wollen wir renovieren und bauen.
Ja, Paulus stellt genauso fest wie wir: Kirchengemeinden verändern sich. Mit jedem neuen Menschen, ob Pastor oder Kirchenvorsteherin, Kindergottesdienstmitarbeiterin oder Chorleiter, wird etwas anders.
Und Paulus empfiehlt der Gemeinde in Korinth: Streitet nicht darum, wer es besser macht. Es wird sich herausstellen, was Bestand hat und was nicht. Viel wichtiger ist die Frage: Was ist euer göttlicher Auftrag?
Paulus prägt dafür das Bild vom Tempel Gottes.
Wir haben das vorhin gesungen: „Jesus will euch baun zu einem Tempel als Wohnung für den Heilgen Gott. Dieses Haus des Herrn ist die Gemeinde, die Säule und der Wahrheit Grund. Wie Edelsteine schön geformt durch seine Gnade durch das Wort: wenn wir uns lieben und vertrauen, dann wächst der Tempel fort und fort“.
Die Frage nach der Zukunft einer Gemeinde oder nach der Zukunft der Kirchen ist die Frage, wo wird Gott erfahrbar in dieser Welt.
Der Tempel Gottes: Der prächtige Bau in Jerusalem: doch der wurde zerstört.
Mit der Zerstörung kam die Frage: Ist Gott noch bei uns?
Und das ist die Frage, die Menschen stellen, wenn sie ihre Kirche verkaufen müssen oder keinen Pastor mehr haben oder andere Probleme erleben.
Paulus tröstet:
Gottes Gegenwart ist nicht an diese Steine gebunden. Gott wohnt nicht nur in einem bestimmten Gebäude. Sein Geist wohnt in seiner Gemeinde – in den Menschen, die miteinander glauben, hoffen und lieben.
Darum müssen wir nicht darum streiten, wer besser baut. Die Gemeinde gehört nicht uns.
Bei Paulus geht es um einen Streit in der Gemeinde. Wer ist der bessere Baumeister? Wer hat die Gemeinde stärker geprägt – Paulus oder Apollos? Und Paulus macht deutlich: Darum geht es nicht.
Ja, in diesen Worten steckt auch eine ernste Warnung: Die Gemeinde ist nicht unser Besitz. Wer Gottes Gemeinde zerstört, greift etwas Heiliges an. Paulus macht deutlich: Gott selbst liegt daran, was mit seiner Gemeinde geschieht.“
Paulus lenkt den Blick weg vom Streit, hin zum Auftrag; weg von der menschlichen Beurteilung, hin zu Gottes Wirken.
Was darf sich verändern – und was darf nicht verloren gehen?
Paulus' Antwort:
Die Formen können sich verändern, auch die Bedeutung von Kirche. Das Fundament nicht.
Der Tempel Gottes: die Gemeinden Jesu Christi: sie werden weiter gebaut.
Hier und da mag eine Gemeinde schließen, doch an anderer Stelle wächst der Glaube.
Hier und da wird Vertrauen in Gott kleiner, doch an anderer Stelle wachsen Hoffnung und Liebe und Glaube.
Was das für uns bedeutet: Wir stellen uns der Herausforderung von Veränderung. Wir nehmen die Erfahrung ernst, dass nichts bleibt wie es ist.
„Wir wissen nicht, wie die Kirche der Zukunft aussehen wird. Wir wissen nicht, wie unsere Johannesgemeinde in zwanzig Jahren aussehen wird. Was Menschen von der Kirche brauchen, verändert sich. Vielleicht werden manche Dinge verschwunden sein, die uns heute selbstverständlich sind. Vielleicht wird anderes entstehen, das wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.
Aber eines wissen wir: Der Grund bleibt. Jesus Christus.
Und wir dürfen darauf vertrauen: Gottes Geist bleibt bei seiner Gemeinde. Nicht gebunden an unsere Gebäude, nicht gebunden an unsere Pläne, nicht gebunden an eine bestimmte Form von Kirche.
Wir dürfen bauen. Wir dürfen verändern. Wir dürfen Neues wagen. Und wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott selbst seine Gemeinde trägt.
Denn der Bau gehört nicht uns. Er gehört Gott.
Amen.“
