( Exodus 33, 18-23 ) - [ English ]
Heute taufen wir drei Kinder. Die Eltern haben die Taufsprüche ausgesucht. Ich staune, wenn ich sehe, wie sie miteinander das Evangelium auslegen! Ich beginne mit dem Ruf der Engel:
Tauftexte: Mattis: Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Lukas 2, 11
Die Hirten hatten es nicht erwartet. Sie galten als Außenseiter, Unrein. Sie dürfen es als erstes hören: EUCH ist heute der Heiland geboren. Christus ist Erlöser, und NIEMAND ist ausgeladen. Diese Gute Nachricht gilt allen Menschen, auch denen, die wir schon aufgegeben haben!
Jesus selbst bestätigt dieses im nächsten Text:
Kara: Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben Johannes 8, 12
“Wer mir nachfolgt”... wer auch immer. Wer es mit Christus wagt, der darf leben! Die Hirten hörten: Geht und schaut. Jesus lädt ein: Kommt und empfangt das Heil!
Heute bringt ihr Eltern und Paten diese Kinder zur Taufe. Das ist viel mehr als nur eine gute Tradition. Ihr bringt sie zu Christus, übergebt sie Christus, dem Heiland. In der Taufe sagt Jesus ihnen - beim Namen - ich bin dein Erlöser, dein Heiland!
Eure Aufgabe ist es dann, den Kindern zu helfen, dieses für sich zu entdecken, dass sie Christus gehören. Ihr sollt ihnen zeigen, was es heißt, Christus nachzufolgen. Es bedeutet nicht, dass ihr ein fehlerloses Leben führt. Christus nachfolgen wird in unseren Prioritäten sichtbar, und besonders auch dann, wenn wir Fehler gemacht haben: Wenn ich mein Versagen eingestehe, um Vergebung bitte - den Menschen und Gott - und seine Vergebung annehme. Christus nachfolgen wird sichtbar, wenn ich denen vergebe, die mich darum bitten - und sogar denen, die nicht darum bitten!
Damit komme ich zum dritten Vers:
Samu: Alle Eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für Euch 1.Petrus 5, 7
Hier spricht ein Mensch, der Jesus schon seit vielen Jahren nachfolgt, der dafür sogar im Gefängnis war, und immer wieder gemerkt hat: In allem ist Jesus mir treu geblieben, hat mich getragen, und nie aufgegeben.
Für euch als Eltern und Paten ist das ganz wichtig: Euer Versprechen ist groß - das Versprechen Jesu noch größer: Ich helfe euch! Ich gehe mit euch. Darum dürft ihr ihn auch immer wieder bitten: Herr, leite uns, führe uns, hilf uns in deinem Licht zu leben.
Auch der Text aus Exodus 33, den wir gleich bei der Predigt lesen, passt hierzu.
Nun folgen wir der Einladung wie die Hirten, und wollen die Kinder in der Taufe zu Jesus bringen
18 Und Mose sprach: Lass mich deine Herrlichkeit sehen!
19 Und er sprach: Ich will vor deinem Angesicht all meine Güte vorübergehen lassen und will ausrufen den Namen des Herrn vor dir: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.
20 Und er sprach weiter: Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.
21 Und der Herr sprach weiter: Siehe, es ist ein Raum bei mir, da sollst du auf dem Fels stehen.
22 Wenn dann meine Herrlichkeit vorübergeht, will ich dich in die Felskluft stellen und meine Hand über dir halten, bis ich vorübergegangen bin.
23 Dann will ich meine Hand von dir tun, und du darfst hinter mir her sehen; aber mein Angesicht kann man nicht sehen.
Liebe Gemeinde,
Gott sehen - wer möchte das nicht? Zachäus stieg auf einen Baum um Jesus zu sehen. Menschen reisen ins Gelobte Land um die Stätten zu sehen, wo Jesus gewirkt hat, wo er gekreuzigt wurde. Gott nahe sein ist gut. Gott sehen ist besser!
Auch die Jünger, die schon länger täglich mit Jesus zusammen waren, sagten zu ihm: Zeig uns den Vater!
Ich kann Mose gut verstehen. Mehr noch - ich teile seinen Wunsch: Herr, lass mich deine Herrlichkeit sehen!
Mose hatte leine leichte Stellung - Gegen seinen Willen wurde er von Gott gerufen, Israel aus Ägypten zu führen. Er tat sein Bestes, das Volk zu leiten - er, der Mittler zwischen Gott und dessen Volk. Doch statt Dank erntete er ständig nur Ärger. Wenn das Volk in der Wüstenwanderung nicht genug zu essen und trinken hatte, war es Moses Schuld. “Warum hast du uns aus Ägypten geführt?” Betrüger, Lügner bist du.
Und, als wäre das nicht schlimm genug, scheint es, dass sogar Gott ihm den Rückenzukehrt.NachdemdasVolkdasgoldeneKalbgegossenundanbetet hat, erfüllt Mose wieder die Mittlerrolle und bittet um Gnade. Und dann kommen die erstaunlichen Worte Gottes (Exodus 33,1-3): “Geh, zieh von dannen, du und das Volk DAS DU aus Ägyptenland geführt hast”. Gottes Engel wird mitgehen, aber Gott selbst will nicht mehr mitziehen.
Wie einsam muss Mose da gewesen sein. Er hatte sich das doch nicht ausgesucht! Wenn Gott nun einen Rückzieher macht, dass ist schrecklich! Er beginnt eine Verhandlung mit Gott: Lass mich deinen Weg wissen (V13). Denk daran, Herr, dass dieses Volk DEIN Volk ist! Gott gewährt ihm das. “Mein Angesicht soll voran gehen”.
Dann wagt Mose es einen Schritt weiter: Lass mich deine Herrlichkeit sehen! Du sprichst zwar mit mir, du antwortest auf meine Fragen, ich darf sogar deine Stimme hören. Bitte, erfüll mir doch diesen letzten, großen Wunsch: Deine Herrlichkeit zu sehen- dich in deiner Fülle, dich ganz und gar erkennen! Dann endlich werde ich nie mehr zweifeln, und kann jede Situation meistern!
Doch die Antwort Gottes ist enttäuschend: Nein. Kein Mensch kann mein Angesicht sehen und leben!
Anders ausgedrückt: Kein Mensch kann Gott in seiner Fülle erkennen. Wir könnten es nicht aushalten. Dafür ist Gott viel zu groß!
Mose träumt davon, an einen Punkt zu kommen, von wo an ihn nichts und niemand mehr umwerfen kann. Wenn ich Gott in seiner Fülle kenne - dann kann mich nichts mehr umwerfen. Und Gott sagt: Ich, in meiner Fülle, bin umwerfend. Das hältst du nicht aus!
Mose wünscht sich, Gott zu haben. Gott sagt ihm: Ich habe dich! Gott zeigt sich so, dass Mose nicht umkommt, sondern leben kann!
In der Fortlaufenden Bibellese ist gerade Genesis dran. Da haben wir gelesen, wie Adam und Eva, die ja Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen haben, dennoch gegen Gott gehandelt haben.
Im Evangelium heute hörten wir, wie Jesus Wasser in Wein verwandelt hat. Menschen haben damals seine Wunder erlebt, haben ihn mit eigenen Augen gesehen, mit eigenen Ohren predigen gehört - und dennoch dann gerufen: Weg mit ihm, kreuzige ihn!
Es ist leider nicht so, dass, je mehr man mit Gott erlebt, desto stärker automatisch der Glaube wird. Wie Mose müssen wir erleben, dass es keinen Punkt gibt, an dem ich unumstoßbar werde, an dem Zweifel für immer besiegt ist.
Nicht mein starker Glaube hält mich bei Gott, sondern mein starker Gott hält mich, damit ich immer wieder glauben kann!
Gott zeigt sich Mose immer wieder, aber immer nur Stückweise, so viel wie Mose verkraften kann. Gott sagt ihm: Du kannst mich nicht haben - aber ich habe dich! Du kannst mich nicht fassen, aber ich halte dich!
Ich komme zurück zu den Tauftexten: Gott schenkt sich selbst so, dass wir das Leben finden. Er wird Mensch - ein kleines Kind, das wir halten und kuscheln können. Gott möchte mir nahe sein, ohne dass ich Angst vor ihm haben brauche!
Der erwachsene Jesus lädt ein: Folge mir nach, und das Licht des Lebens wird dich begleiten!
Und der alte Petrus bestätigt: Es stimmt. Christus kümmert sich. Wir können ihm vertrauen.
Ich kann Gott nicht fassen - aber er hält mich! Christus Erlöser ist mein Herr. Auf ihn ist verlass!
Amen
Horst Müller, Bischof NELCSA,