( Matthäus 17,1-9 ) - [ English ]
Es gibt Momente – die vergisst man nicht. Am Steilhang der Drakensberge in Mpumalanga befindet sich God's Window. Ein Blick nach unten genügt, um zu verstehen, warum es "God's Window" genannt wird. Mit seinen herrlichen Aussichten, Schluchten, Felsformationen und Wasserfällen ist God's Window wirklich atemberaubend schön. Tief durchatmen und für kurze Zeit über den Dingen stehen. Oben auf dem Berg erscheint vieles da unten plötzlich ganz klein.
Wir brauchen solche Gipfelerlebnisse – Höhepunkte im Leben.
Die Tage rauschen so dahin, Woche für Woche, Monat für Monat.
Und manchmal, vielleicht geht es euch auch so, da kommt sowas Schweres in einem hoch. Zäh. Bedrückend fast.
Jesus ist mit seinen Schülerinnen und Schülern unterwegs.
Auch ihnen ist die Leichtigkeit abhandengekommen.
Es war aufregend, mit Jesus zu gehen. Aber dann sagt Jesus,
dass da etwas auf ihn zukommt - und damit auf sie alle.
Etwas Schweres. Die meisten versuchen, es zu überhören.
Was kommt da auf sie zu?
Bibeltext vorlesen
Nach sechs Tagen kommt der siebte Tag, Schabbat - ein Tag der Unterbrechung.
Tag des Herrn, für uns Christen ist das am Sonntag.
Gott schenkt uns schon mal einen Vorgeschmack auf das Reich Gottes Gottes. So ist es gedacht. Der Sonntag lässt uns in die Erlösung hineinschnuppern und lässt für einen Moment das Himmelreich aufleuchten.
Aus ihrem trüben Alltag nimmt Jesus seine Freunde heraus
und führt sie auf einen hohen Berg. Ein Gipfelmoment.
Auf dem Berg sind Jesus und die Jünger nicht allein.
Es findet da oben ein Gipfeltreffen der besonderen Art statt.
Drei prominente Bergsteiger treffen sich:
Mose und Elia, die zwei großen Zeugen der Heiligen Schriften,
sind mit Jesus im Gespräch. Gottes Wort ist in der Tora und in den Propheten. An Mose gibt Gott seine Weisung in der Tora
Elia steht für die prophetischen Schriften in der Bibel.
Auch ihm war Gott nahe gekommen - auf dem Berg Horeb.
Mose und Elia – die Namen haben Geschichte geschrieben.
In diese Geschichte wird Jesus mit hineingenommen.
Mose, von Gott beauftragt, das Volk Israel aus Ägypten zu befreien
und in das Gelobte Land zu führen, steht für die Geburtsstunde des jüdischen Volkes.
Elia wiederum richtet den Blick auf das kommende Reich Gottes:
Er wird am Ende der Tage die Generationen miteinander versöhnen
und als Wegbereiter des Messias wiederkommen.
Mose und Elia sind längst gestorben.
Und doch sind sie nicht tot.
Sie bilden eine lebendige und Leben erweckende Kraft, die alle Zeitvorstellung sprengt. Wie das ist, darüber reden sie vielleicht mit Jesus. Und dass es auch für ihn so kommen wird.
Und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Manchmal geht von Menschen so ein Leuchten, so eine Ausstrahlung aus.
„Hier ist gut sein“, sagt Petrus tief versunken mit verklärtem Blick.
Ich will auch auf so einen Berg. Klarheit, Übersicht und vor allem eine Perspektive bekommen. Hütten will Petrus bauen – für Mose, Elia und Jesus. Sie erinnern an das jüdische Laubhüttenfest. Hütten sind schnell auf und wieder abgebaut und mit einem Dach nur aus Palmzweigen,
erinnert das Volk Israel - erinnert uns daran, dass wir unterwegs sind.
Die Ewigkeit dauert nur einen - leuchtenden - Moment.
Aber schon wird die gleißende Helligkeit überschattet, eine lichte Wolke nur und eine Stimme: „Dies ist mein lieber Sohn, den sollt ihr hören.“
Es gibt Momente – die vergisst man nicht. Aber sie dauern keine Ewigkeit. Der Weg Jesu führt wieder nach unten –
in die Gemeinschaft mit den Menschen, die es schwer haben.
Man kann nicht ewig den Ausblick bei Gods Windows genießen. Auftanken kann man dort.
Und dann wieder herunterkommen. Und Kraft sammeln für das, was einem im Alltag an Herausforderungen begegnet.
Von dem leuchtenden Moment auf dem Berg bleibt die Stimme, die sagt:
„Den sollt ihr hören!“
Die Jünger erschrecken erst einmal. Es ist eine tiefe spirituelle Erfahrung, die sie dort auf dem Berg haben. Wie Gott sich in der Bibel oft auf Bergen zeigt und spricht. Religiöse Erfahrung kann einen Menschen ganz und gar ergreifen, ihn buchstäblich niederwerfen.
Und das erste, was Jesus dann sagt, ist: „Steht auf und fürchtet euch nicht mehr!“ Bei mir seid ihr richtig. Ihr habt es erlebt: Gott ist mit mir und ich bin ein Teil der Geschichte von Gott und den Menschen – so wie Mose und Elia. Habt keine Angst.
Dann steigen sie vom Berg herab, gehen dahin zurück, wo sie hergekommen sind. Kehren zurück in ihren Alltag, um eine faszinierende Erfahrung reicher. Sie sollen sich im Alltag bewähren. Das ist bei uns nicht viel anders. Wir werden nicht an unserer Sonntagsfrömmigkeit gemessen, sondern daran, ob wir im Alltag als Christen erkennbar sind.
Aber im Alltag sich zu bewähren, das geht nicht, ohne aufzutanken. Alltag geht nicht ohne Sonntag. Arbeiten geht nicht ohne beten. Manchmal braucht es die Auszeit, spirituelle Erlebnisse, die Wanderung auf den Berg.
Und Jesus sagt: Ich bin bei euch alle Tage.
Ich gehe mit euch.
Bis an das Ende der Welt.
Amen
