( 1. Mose 32,23-32 ) - [ English ]
Jakob am Jabbok
Zwanzig lange Jahre ist es nun her. Seitdem ist er auf der Flucht, weil er den Zorn seines Bruders Esau fürchtet. Jakob hat es zu Wohlstand gebracht. Aber wie sieht es in ihm drin aus? Er will nach Hause, zurück ins Land seiner Väter und reinen Tisch machen. Sie sind am Fluss Jabbok angekommen. An einer Stelle, wo man den Fluss überqueren kann. Auf der anderen Seite wohnt sein Bruder Esau. Morgen wird er ihm begegnen.
Jakob hat Angst. Denn damals hatte er ihn um das Erstgeburtsrecht betrogen.
Jakob: Gleich bricht die Nacht an. Ich will vorher die Tiere und all meinen Besitz auf die andere Seite des Flusses bringen. (Pause)
Dunkle Seite: Du hast alles in Sicherheit gebracht: deine Familie, deine Tiere, dein Geld. Du hast es zu etwas gebracht. Du kannst stolz auf dich sein.
Helle Seite: Wie bist du aber zu deinem Besitz gekommen? Du hast betrogen.
Dunkle Seite: Aber die Mutter hat dich unterstützt. Sie hat dir geholfen. Du hast nicht alleine Schuld.
Helle Seite: du hast deinen Bruder um den Segen des Vaters betrogen. Der stand ihm zu. Er ist der Erstgeborene. Du hast dir den Segen erschlichen. Und damit auch all deinen Besitz.
Dunkle Seite: Es war ein Handel: Linsengericht gegen das Erstgeburtsrecht.
Helle Seite: es war kein fairer Handel. Du hast ihn betrogen. Und das weißt du. Du hast alles aus freiem Willen getan.
Dunkle Seite: Eigentlich kannst du ruhig sein. Du hast alles erreicht, was du wolltest. Du bist reich, du hast viele Söhne und Töchter. Du kannst zufrieden sein.
Helle Seite: zufrieden? Hast du schon vergessen, wie viel Angst du vor deinem Bruder hast? Vielleicht will er dich schlagen oder gar töten?
Dunkle Seite: du bist im ganzen Land angesehen. Du hast dir deinen guten Ruf erarbeitet. Das, was früher war, interessiert doch eh keinen mehr.
Helle Seite: Aber das hilft dir nur tagsüber. Nachts bist du zerrissen und unglücklich. Du spürst in dir, dass du etwas falsch gemacht hast. Das tut dir nicht gut. Und das weißt du auch.
Jakob: Ja, das weiß ich. Es quält mich jede Nacht.
Liebe Gemeinde, auch in dieser Nacht. Jakob hat sich Worte zurechtgelegt, Geschenke vorbereitet. Wird Esau diese annehmen oder gegen ihn kämpfen?
Ein Fluss trennt die Brüder noch voneinander.
Da liegt viel symbolische Bedeutung in Geschichten, wo Flüsse drin vorkommen. Flüsse markieren eine Grenze zwischen Orten und Zuständen. Wenn man einen Fluss überquert, dann beginnt eine neue Phase auf der Lebensreise. Und oft ist es dann auch so, dass die Person, die den Fluss überquert, verändert und erneuert daraus hervorgeht.
Wie die neugeborenen Kinder vielleicht.
Jakob ist noch nicht so weit. Er sucht inneren Frieden.
Mir kommt das bekannt vor, dieses krumme Leben von Jakob. Und euch vielleicht auch. Diese Brüche im Leben, bei denen wir Flüsse überqueren müssen.
Jakob hat sich gut vorbereitet und nichts dem Zufall überlassen. Nun kann er nur noch warten bis zum Morgengrauen. Im Nachhinein würde Jakob vielleicht erzählen: Mit allem hatte ich gerechnet, aber nicht damit, dass ein Fremder mich überrascht und angreift. Wer es war? Ein göttliches Wesen?
Ich kämpfte gegen ihn die ganze Nacht, bis zum Sonnenaufgang. Es war ein harter Kampf, aber ich gab nicht auf. Ich spürte, wie sehr ich um meinen Platz in der Welt kämpfte, um meinen Platz in Gottes Welt.
Ja, es fühlte sich so an, als würde ich mit Gott kämpfen.
Liebe Gemeinde, Jakob kämpft und ringt um seinen Glauben. Das taten auch andere, von denen die Bibel erzählt.
Mich von Gott herausfordern lassen, mit Gott zu kämpfen und zu ringen, ist ein natürlicher Teil unseres Glaubens und unserer spirituellen Suche. Dabei komme ich Gott ganz nahe. Und am Ende solch einer Auseinandersetzung kann es sich so anfühlen, dass unsere Beziehung zu Gott gestärkt wird.
Der Kampf hinterlässt seine Spuren. Jakob wird verwundet. Sein Gelenk der Hüfte wird verrenkt. Gleichzeitig markiert diese Verwundung eine Wende in seinem Leben. Die Hüfte gilt im jüdischen Glauben als Sitz der Begierde. Jakob wird nun gezwungen, seine Wünsche zu kontrollieren und sich stärker auf Gott zu konzentrieren.
Jakob ist entschlossen und lässt den Angreifer nicht los. Er erkennt, dass er mit einem göttlichen Wesen ringt und verlangt von ihm einen Segen. Der Fremde fragt Jakob nach seinem Namen und gibt ihm einen neuen: Israel, was so viel bedeutet wie: einer, der mit Gott ringt.
Schließlich bekam ich seinen Segen.
Ich fühle mich jetzt anders, irgendwie erneuert und stärker. Aber ich kann nicht aufhören, darüber nachzudenken, was dieser Kampf wirklich bedeutet hat. Ich weiß, dass ich weiter darüber nachdenken und beten muss, um zu verstehen, was diese Erfahrung für mich bedeutet. Aber ich weiß auch, dass ich von nun an anders bin, und ich hoffe, dass ich auf eine neue Weise in der Welt und in meiner Beziehung zu Gott leben werde.
Gottes Segen, liebe Gemeinde, gilt uns allen. Er begleitet und unterstützt uns auf unserer Lebensreise. Damit sich unser Leben in guter Gemeinschaft entfalten kann. Wenn wir Gottes Segen empfangen, dann gibt er uns damit auch eine Verpflichtung.
Jakob soll es von nun an besser machen. Er wird morgen seinen Bruder treffen. Und wir wissen schon: die beiden werden sich versöhnen.
Liebe Gemeinde, wenn krumme Geschichten zu einem guten Ende führen, dann ist da ein tiefer Friede, der einen erfüllt.
Und ja, es kann sich ein Stück weit anfühlen, als wenn man neu geboren wird. In Jesus Christus, dessen Auferstehung wir in diesen Wochen feiern, sind wir schon völlig neu geboren. Wir können unsere Verantwortung, die Gott uns Menschen übertragen hat, annehmen. Wo wir schuldig werden, da schenkt Gott uns neue Anfänge. Er ist und bleibt in unserer Nähe. Amen
