2023-04-23 - Misericordias Domini - (DE) - Prädikantin Renate Switala

( Psalm 33,5b.12a ) - [ English ]


Misericordias Domimi “Die Erde ist voll der Güte des Herrn”

"Christus spricht:“ Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.."  (Johannes 10,27 & 28)

Wie bringen Sie Ihre Kinder dazu, sonntags in die Kirche zu gehen? fragte ein verzweifeltes Elternteil eine Freundin. "Ich lasse sie nicht gehen."

Aber das ist nicht wahr? Ihr Sohn hat gerade erzählt, was der Pfarrer heute und vor zwei Wochen gepredigt hat. „Ja, sie gehen in die Kirche“, antwortete die Mutter der Kinder.

"Aber ich lasse sie nicht in die Kirche gehen. Ich nehme sie mit."

Welch ein Vorbild?

Was/ wer ist ein Vorbild?*

 Wenn man jemand bewundert, 

* Man braucht Vorbilder

* Eltern, Freunde oder Jesus können Vorbilder sein. Man möchte dann so leben wie diese Menschen

* Wenn man sich an jemanden orientiert

Vorbild werden kann man nur, wenn man ein gutes Vorbild hat.

Der erste Petrusbrief schreibt in eine Situation hinein, in der die Christen in der Minderheit sind (oft innerhalb der Familien) und unter Druck und Bedrohung stehen. 

Unser Predigttext beginnt, indem er Jesus zum Vorbild erklärt, dessen Fußstapfen wir folgen sollen.

Text aus 1. Petrus 5,1-4

Wir sind berufen, dem Guten Hirten zu folgen, um ein guter Hirte zu sein! Petrus wendet sich an diejenigen in der Gemeindeleitung, die die gleichen Probleme hatten wie wir heute. Daher ermutigt er sie dazu, sich in Christus einzufühlen und seinem Beispiel zu folgen – sich um andere zu kümmern und sie mit Vortrefflichkeit und Standhaftigkeit zu betreuen. Petrus bittet sie nicht, etwas zu tun, was er nicht getan hat; vielmehr benutzt er sich selbst als Beispiel und weist sie auf das Ultimative Beispiel hin.

Nun schreibt Petrus hier diese Ermahnungen in seinem Brief an die Gemeinden. Hat er nicht selber eine ziemlich hochmütige Vergangenheit. Nimmt man ihm seine Botschaft ab? Ja, weil sich bei ihm etwas verändert hat. Der Erzhirte hat an ihm gearbeitet. Er hat ihn in seine Schule genommen und ihn zurecht gebracht. Und Petrus hat sich zurecht bringen lassen. Der erste Schritt vom Hochmut zur Demut ist, dass man sich etwas sagen lässt.

Petrus hat bitterlich über seine Schuld und sein Versagen geweint. Er hat sich über seine Schuld gebeugt und nicht mehr aufbegehrt, als Jesus ihn nach seiner Auferstehung am See Genezareth bei Tiberias dreimal fragte: Hast du mich lieb? Ihm war schon klar, dass das mit seiner dreimaligen Verleugnung zu tun hatte. Und Jesus hat ihm trotz seines Versagens dreimal den Auftrag zum Hirtendienst gegeben.

Echte Vorbilder sind nicht die, die immer alles richtig machen, oder die wenigstens so tun. Vorbilder sind Menschen, die über ihre Fehler reden können, die ihre Schwächen eingestehen, die sich entschuldigen und um Verzeihung bitten können. 

Jesus lehnt es nicht ab mit Versagern sein Reich zu bauen. Er weiß, wer sich seiner eigenen Schwäche bewusst ist, wird auf ihre Stärke bauen. Wer seine eigenen Fehler zugibt, wird mit anderen, die Fehler machen und Schwächen haben barmherzig umgehen.

Petrus hat aus seinen Erfahrungen gelernt und er versucht sie an die Gemeinden weiterzugeben. Bei den Gemeindeleitern fängt er damit an. Ihnen gibt er am Ende seines Briefes einige sehr wichtige Ratschläge weiter: Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist; achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt; nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund; nicht als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder der Herde.

„Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist!“ Da nimmt Petrus das schöne Bild auf, dass früher so weit verbreitet war und heute eher selten vor unsere Augen kommt

Die Gemeinde der ersten Christinnen und Christen kennt ihren Hirten. Sie weiß, was wirklich nährt. Sie ist empfänglich geworden für den wahren Hirten ihrer Seelen.

Und zugleich kennt sie die vielfältigen Anfechtungen, denen sie ausgesetzt sind, Verfolgungen, Spott und Hohn. Sie kennen nicht nur den festen Glauben, sondern auch immer wieder den Zweifel. „Weidet die Herde Gottes“, mahnt der Schreiber des Briefes, lasst sie nicht allein, überlasst sie nicht sich selbst. Zeigt ihnen den Weg des gelingenden Lebens! Und zwar tut es so, wie es Gott gefällt.Welch ein anspruchsvolles Leitungsbild wird hier gemalt! Wir wissen, wie leicht  aus Leitung Herrschaft, aus Führung Machtausübung werden kann!

Jemand, der andere führt und leitet, soll das können bzw. soll das beherrschen, was ein guter Hirte können muss. Er drückt sich nicht vor Schwierigkeiten. Er leitet an zu einem vernünftigen Miteinander. Er ist fähig, mit zu leiden, kann Menschen in Not nahe sein. Und auch in leidvollen Momenten hat man nicht unter ihm zu leiden.

Das Hirtenamt ist kein Spaß, es führt uns an unsere Grenzen.

Jesus hat gesagt: Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. (Joh 10,11) Ein guter Hirte rennt nicht weg, wenn der Wolf kommt. Ein guter Hirte hat einen guten Kontakt zu seinen Schafen. Das wusste schon Jesus: Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich … ich kenne sie und sie folgen mir. (Joh 10,14.27b) Ich bin der gute Hirte – ja, wer das sagen könnte.

Vorbild, denken wir, nein bloß nicht. Ich bin kein Heiliger, ich bin keine Mutter Teresa. Wenn in der Bibel vom menschlichen Vorbild die Rede ist, dann sind damit nicht perfekte Christen ohne Fehl und Tadel gemeint. Vorbilder sind Menschen, die in ihrem Glauben echt sind

Wir dürfen lernen beim Erzhirten, Jesus.

Und das bedeutet, jeder sollte für sich klären und beantworten:

  • Wo ist die Stelle in der Gemeinde,wo ich mich jemand anderem unterordne?
  • Und wo ist die Stelle in der Gemeinde, wo ich für jemanden Verantwortung übernehme?

Nur wo ich beides beantworten kann, lebe ich dem Wort der Bibel gemäß.

- Jesus als Vorbild, dessen Fußstapfen wir folgen sollen

- die Erfahrung von Unrecht, Leiden und Schmerzen auf unserem Lebensweg

- das Ertragen von Lasten und Trübsal mit Geduld

- und die Hoffnung auf Christus.

Jemand, der andere führt und leitet, soll das können bzw. beherrschen, was ein guter Hirte können muss. Er drückt sich nicht vor Schwierigkeiten. Er leitet an zu einem vernünftigen Miteinander. Er ist fähig, mit zu leiden, kann Menschen in Not nahe sein. Und auch in leidvollen Momenten hat man nicht unter ihm zu leiden.

Gut, dass wir ein solches Vorbild haben. Und wir auf diese Weise selber zu Vorbildern im Glauben werden können.

Was Christus getan und unterlassen hat davon können wir nur lernen.

Statt dessen kann ich nun vor allem darin ein Vorbild sein, dass ich selbst am meisten von der Liebe und Güte und Seelsorge und Leitung des guten Hirten lebe, jeden Tag, in allem, was ich tue, für meinen Dienst, an welcher Stelle auch immer, ganz besonders, aber ganz sicher nicht nur in der Leitung der Gemeinde.

Zwei Wochen nach dem Osterfest und seinen Jubelgesängen heute noch einmal das Bild vom Kreuz, der Weg des Leidens Jesu. Wir kommen her von Ostern – die Wende vom Tod zum Leben liegt hinter und zugleich vor uns. In diesen Wochen bildeten sich diese Spannung ab: Terroranschläge; Gewalt; Krieg; Menschen die sterben: kein Friede breitet sich da aus, die Unsicherheit, das Misstrauen, die Angst wächst.

Wir brauchen die Verheißung unseres Glaubens gerade jetzt, dass nicht alles dem Tod überlassen bleibt, dass das Leben sich Bahn bricht durch alles Sterben hindurch: dass nicht alles bleiben muss, wie es war und ist. Wir sind denen die Osterbotschaft schuldig, die nicht wissen wohin mit ihrer Trauer, ihrer Angst, den Opfern von Missbrauch und Hass: den Aufstand des Lebens gegen alle Gewalt sind wir ihnen schuldig.

Die wunderbare Verwandlung vom Holz auf Jesu Schulter, das zum Baum des Lebens wurde – sie gilt es zu besingen und weiter zu erzählen. So wie es am heutigen Sonntag „Misericordias Domini“, die Barmherzigkeit Gottes, der wunderbare Psalm 23 beschreibt: 

Der Herr ist mein Hirte / mir wird nichts mangeln.

Die Sorglosigkeit des Glaubens gründet in der Fürsorge des einen Hirten. Ihm sollen die Schafe sich anvertrauen.

Ein Vorbild zu haben, ist eine Kraft, die mich bewegen kann. Aber das bleibt meist doch eher im Gedanklichen und Theoretischen. Vor allem, weil es ganz auf mich und meine Kraft ankommt, ob ich meinem Vorbild wirklich folgen kann.

Das beste Vorbild, das man haben kann ist Jesus, der Erzhirte, der Hirte aller Hirten und aller Herden im Sinn des biblischen Bildes vom Guten Hirten. Verachten wir dieses alte Bild nicht, sondern betrachten wir es und bedenken es.

Vorbild werden kann man nur, wenn man ein gutes Vorbild hat, so wie es die junge Mutter mit ihren Kindern Sonntags macht.

Es wird uns und unserer Arbeit, auch der Mitarbeit im Reich Gottes zum Segen, wenn wir uns etwas sagen lassen. Wenn wir ehrlich nach dem Frieden suchen und bereit sind, dafür auch einmal etwas einzustecken. Franz von Assisi kann beten und ich möchte es mit ihm tun und auch sie dazu einladen:

Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens,

dass ich verbinde, wo Zwietracht ist,

und Verzeihen trage mitten in das Leid, das dich vergisst.

Amen

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