2023-06-11 - 1. Sonntag nach Trinitatis - (DE) - Pfarrerin Nicole Otte-Kempf

( 1 Joh 4, 13-21 ) - [ English ]


Thema der Predigt: Gottes Wesen ist Liebe

Wie sollen wir Menschen von Gott sprechen? 

Wenn ich Euch bitten würde, mir ein Bild von Gott zu malen, wie würde es dann aussehen? Wir hätten viele Bilder anzuschauen. 

Kinder malen oft einen alten Mann mit weißem Rauschebart. Der liebe Gott, der auf einer Wolke, auf seinem Thron sitzt und von dort aus auf den Menschen Acht gibt. Für Kinder ist so ein Bild normal. Im Laufe der Zeit verändert sich dieses Gottesbild. Hoffentlich. 

Andere malen Bilder, die uns in der Bibel begegnen: Gott - der gute Hirte, die Hand, der Fels, der König, die Quelle und andere. 

Wir können Gott nicht sehen und anfassen, ihm keine Gestalt geben.

Wo Menschen in der Bibel Gott begegnen, da ist Gott nicht sichtbar: weder bei Mose im Dornbusch, noch beim Propheten Elia in der Stille, noch bei Abraham in den drei Fremden.

Ich bin, der ich bin. So ist Gottes Name. 

Ja, wir Menschen können versuchen, Gott zu beschreiben, sagen, wie wir ihn in unserem Leben wahrnehmen, aber sein Wesen, das letztlich Kennzeichnende, Unverzichtbare, Unverwechselbare, das steckt tiefer. 

Man könnte also sagen, es ist sehr kompliziert. Weil unser Geist Gott nicht fassen kann. 

Womit lässt sich das vergleichen? Vielleicht am ehesten damit: Versucht, euch das tiefste und bewegendste Ereignis in Eurem bisherigen Leben vorzustellen. Das, was Euch am meisten berührt hat. Ein Ereignis, das euch mit großem Glück und Zufriedenheit erfüllt hat. Und nun die Frage: wie könntet Ihr es einem anderen Menschen, der diese Erfahrung nicht teilt, beschreiben? Es wird schwer sein, denke ich. 

So ähnlich verhält es sich mit Gott. 

Die Bibel weiß darum und versucht, sich Gott immer wieder neu anzunähern, indem sie von solchen Erfahrungen der Menschen mit Gott berichtet. 

Du sollst dir kein Bild machen von Gott, weil du es nicht kannst. Jedes menschliche Bild ist zu klein, zu eindeutig, zu festgefahren. Und immer fehlt etwas. Und immer wieder verändert sich auch unser Gottesbild, weil wir älter werden, weil wir neue Erfahrungen machen. 

Wenn wir all unsere Bilder zusammen nehmen würden, dann wäre unser Bild schon größer und immer noch würde es den Kern nicht treffen. 

Johannes versucht, sein Bild von Gott so zu malen. 

Im 1 Johannesbrief im vierten Kapitel, die Verse 13-21 schreibt er:

Lesen des Bibeltextes

Welches Bild hat Johannes hier gemalt? Er hat das stärkste und attraktivste Bild genommen, das uns überhaupt zur Verfügung steht.

Das wesentliche, unverzichtbare, unverwechselbare, was wir sagen können ist: Gottes Wesen ist Liebe. 

Jeder weiß, was Liebe ist, und jeder hat Erfahrungen damit gemacht. Jeder stimmt mir zu, wenn ich sage: Liebe ist gut. 

Es ist ganz einfach: Wer sich mit Gott beschäftigt, der beschäftigt sich mit Liebe. Keiner kann Liebe definieren.  Ja, liebe Gemeinde: sie ist das schönste Geheimnis. Gott ist das schönste Geheimnis. Gott ist Liebe. 

Warum glaube ich an Gott? Weil er die Liebe ist. 

Und alle anderen Bilder von Gott sind Ausdruck der Liebe Gottes.  

Das die Erkenntnis des christlichen Glaubens: dass Gott uns liebt. Davon spricht Johannes hier. 

Weil der Vater den Sohn als Retter der Welt gesandt hat. 

Wegen Jesus, wegen einer Person sagen wir das: Gottes Wesen ist Liebe. 

Jesus ist der Sohn Gottes, der Kinder gesegnet hat, Frauen geachtet und in seine Gemeinschaft aufgenommen hat, mit Sündern zu Tisch saß und der auf Kranke zugegangen ist, sie geheilt hat an Leib und Seele. Gott ist Mensch geworden. Seine Liebe ist Mensch geworden. 

In ihm zeigt sich, was Liebe ist: 

  • Liebe ist ein Beziehungsgeschehen und rettet Menschen vor der Isolation. Sie sagt „Ja“ zum anderen Menschen. 
  • Liebe verschenkt sich im Zeit haben für einen anderen
  • Sie verzeiht Fehler und will das Beste für die andere
  • Sie geschieht nur in Freiheit und gewährt dem anderen Freiheit
  • Liebe ist immer mit Lust verbunden. Niemand wird sagen: ja, ich liebe dich, aber ich tu es nicht gern. 
  • Liebe sagt nicht zu allem Ja und Amen
  • Liebe ist nicht harmlos, sie ist anspruchsvoll. Sie will uns liebesfähiger machen zum Wohl der Menschen. 

Liebe Gemeinde, ich hoffe, dieser Geist war auch spürbar beim evangelischen Kirchentag in Nürnberg. Der endet heute nach 4 Tagen. Alle Veranstaltungen wurden von dem Thema bestimmt. Jetzt ist die Zeit. Hoffen. Machen. 

Gott gibt uns Anteil an seinem Geist, der Liebe ist. An der Liebe erkennen wir, dass wir mit ihm verbunden sind und er mit uns verbunden bleibt. 

Wir sind in diese Welt, an unseren je eigenen Platz, gestellt. Jetzt. Und doch hoffen wir darauf, dass Gottes Reich Raum gewinnt. Unter uns. Immer mehr. Dass wir, die wir an Gott glauben und damit an die Liebe, einen Unterschied machen in der Welt. Dass wir Herausforderungen anschauen, uns ihnen stellen. Dass wir darüber reden, unsere Hoffnung teilen, aber eben auch anpacken. Machen.

Gott ist bei allem dabei, was wir mit Liebe tun. Darauf sollen wir vertrauen. 

Johannes geht noch weiter, indem er über den Tag des Gerichts spricht. 

Darin hat die Liebe bei uns ihr Ziel erreicht: am Tag des Gerichts werden wir voller Zuversicht sein. 

Denn Gott, der Liebe ist, das ist derjenige, dem wir dann begegnen. Ja, es ist nicht egal, ob wir die Liebe leben oder nicht. Wir wissen, was Gott von uns will. Er ist nicht der liebe alte Gott, der halb weg dämmernd auf einer Wolke sitzt. Weit weg von mir.

Unserem Tun und Lassen müssen wir uns stellen. Aber der, der uns liebt, ist eben der Richter, der uns aufrichtet. Der Dinge zurechtbringt und der Recht bringt denen, die in dieser Welt unendlich viel leiden müssen. 

Wir sollen uns vor diesem Tag des Gerichts nicht fürchten. 

Gott vertreibt jegliche Furcht. Das sollten wir sein: eine Gemeinde von Erlösten: frei von Furcht, weil nichts in dieser Welt uns trennen kann von Gott, von seiner Liebe. Nicht einmal der Tod. 

Ich wünschte mir, wir könnten öfter so leben: erlöst, befreit von diesen irdischen Zwängen, die uns binden und die uns Angst machen. Frei und beweglich zu sein in unserem Denken und Handeln, offen und lebendig, auf dass wir diese Liebe, die Gott selbst ist, abbilden in unserem Leben. 

Ich kenne keinen, der das immer schafft, aber ich kenne viele, bei denen es ab und an deutlich hervorbricht, dass man nur staunend davorstehen kann und sagen muss: Ja, dieser Mensch hat Gott gesehen.

Das Gebot, seinen Bruder und seine Schwester zu lieben, hat darin seinen Grund: die Gewissheit, dass Gott bei uns ist. 

Wer so Gottes Liebe erfahren hat, kann auf seinen Bruder und seine Schwester zugehen, kann leichter vergeben, mit ihnen streiten und versuchen, gemeinsam mit ihnen die Wahrheit zu finden. Aber eines wird ihn immer dabei leiten: das Wissen, dass dieser Mensch, dieser Nächste, mit dem man in welcher Weise auch immer zu tun hat, ebenfalls ein geliebtes Kind Gottes ist.

Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. 

Amen

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