( Hebräer 10,32-39 ) - [ English ]
Es sind besondere Momente, wenn man zusammensitzt und einer sagt: erinnerst du dich noch an damals, als wir uns kennengelernt haben? Oder: als wir geheiratet haben? Oder: als unsere Kinder geboren worden sind? Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne… Hermann Hesse beschreibt es in seinem Gedicht „Stufen“.
Es tut gut, sich an diese Zeiten zu erinnern, gerade auch dann, wenn man schwere Zeiten durchlebt. Diese kleinen Schätze können einem dann auch helfen, die Gegenwart zu erhellen.
Unser Predigttext im Hebräerbrief fordert die Menschen auf, sich an frühere Zeiten zu erinnern. Schon ihre Eltern waren Christinnen und Christen gewesen und dafür müssen sie nun büßen. Sie werden wegen ihres Glaubens verfolgt. In diese Situation hinein sprechen folgende Verse im Hebräerbrief:
Text lesen: Basisbibel
32Erinnert euch an die früheren Tage, als ihr vom Licht erfüllt worden seid. Damals seid ihr in einem harten Leidenskampf standhaft geblieben.
33Die einen wurden öffentlich zur Schau gestellt, indem man sie beschimpft und misshandelt hat. Die anderen standen denen zur Seite, denen es so erging.
34Ihr habt mit den Gefangenen gelitten. Und wenn man euch euren Besitz geraubt hat, habt ihr das mit Freude ertragen. Denn ihr wisst, dass ihr ein besseres und unverlierbares Vermögen habt.
35Werft also eure Zuversicht nicht weg! Sie wird reich belohnt werden.
36Was ihr jetzt braucht, ist Geduld. Tut, was Gott will –dann werdet ihr erhalten, was er versprochen hat:
37»Nur noch eine kurze, ganz kurze Zeit. Dann wird der auftreten, der kommen soll. Und er wird nicht auf sich warten lassen.
38Aber mein Gerechter wird aufgrund seines Glaubens das Leben erlangen. Wenn er sich jedoch von mir abwendet, habe ich keinen Gefallen an ihm.«
39Wir gehören aber nicht zu denen, die zurückschrecken und damit in ihr Verderben rennen. Sondern wir gehören zu denen, die glauben und dadurch das ewige Leben gewinnen.
Es ist nicht immer leicht, standhaft zu sein. Und auch wenn wir nicht solchen Repressalien ausgeliefert sind wegen unseres Glaubens, so sind doch die Anfechtungen zuweilen groß. Was, du gehst in die Kirche? Du bist Christin? Gerade Jugendliche werden manchmal von ihren Klassenkameraden skeptisch angeschaut oder belächelt, wenn sie sich zum christlichen Glauben bekennen. Da kann man schon mal den Mut verlieren wie die angesprochenen Christen im Hebräerbrief.
Sie brauchen scheinbar die Ermahnungen, weil ihnen die Zeit des „wandernden Gottesvolks“ zu lange wird und zu mühsam. Sie sind ermüdet, einige verlassen auch die Gemeinde. Sie geben ihren Glauben auf.
Wir hier in der Johannesgemeinde haben es noch gut, obwohl wir auch schon weniger geworden sind in der Kirche. Zu überlegen, wie wir Menschen von uns und vom christlichen Glauben überzeugen können, ist eine Aufgabe für uns alle. In Europa, aber auch anderen Teilen der Erde werden die christlichen Gemeinden rasant kleiner. Die Gründe dafür sind vielfältig.
Für viele ist der christliche Glaube nicht mehr greifbar. Und das ist auch eine Herausforderung. Wir leben, wie Bonhoeffer schon gesagt hat im Vorletzten. Das Reich Gottes ist noch nicht da und doch schon punktuell spürbar. Wir erleben Wüstenzeiten, dürsten nach Gerechtigkeit, nach Frieden und Liebe. Das gelobte Land haben wir noch vor uns.
Murren und Unzufriedenheit ist auf solchen Wüstenwegen normal. Menschen werden Müde, die Hände erschlaffen und die Knie werden weich. Und dann fragt man sich: warum sind wir nochmal unterwegs? Was ist das Ziel und wie lange wird es noch dauern?
37»Nur noch eine kurze, ganz kurze Zeit. Dann wird der auftreten, der kommen soll. Und er wird nicht auf sich warten lassen.
In dieser Zwischenzeit sollen sie sich an das Licht erinnern, das von Jesus her in den Alltag strahlt. Das kann sein, wenn wir eine Gemeinschaft erleben im Sinne Jesu, die einen mit Licht erfüllt. Für mich und viele war es die Seniorenfreizeit in der vergangenen Woche, die ein Zeichen gesetzt hat gegen Einsamkeit, die man gerade als älterer Mensch im Alltag spürt. Wo Menschen einander zuhören und mit ihren Meinungen gelten lassen, ist das ein Ort zum Auftanken.
Gibt es Gott? Und sieht er mich waren ausgehend von der Jahreslosung Fragen, die ihren Raum hatten bei der Seniorenfreizeit und ich hab wieder einmal gemerkt, wie wichtig es ist, dass wir füreinander zu Zeuginnen und Zeugen werden, indem wir einander von unseren Hoffnungen und von unserem christlichen Glauben erzählen.
Auch die Adressen des Hebräerbriefs haben einander in früheren Zeiten ermutigt und bestärkt. Erinnert euch an früher. Was für einzigartige Glaubenszeugen seid ihr gewesen.
Manchmal braucht man andere, die einen daran erinnern, nicht zu verzagen und mutig zu bleiben. Und manchmal, zum Glück gehören wir zu denen, die das anderen sagen und anderen zusprechen, wo unser großer Schatz ist, nämlich in Jesus Christus. Keiner kann uns diesen Schatz nehmen. Wir sind eine Weggemeinschaft, indem wir einander vom Reich Gottes erzählen und mit unseren Händen etwas dafür tun, mit festen Knien zu anderen hingehen. Und dabei feste stehen bei dem, auf den man hofft.
35Werft also eure Zuversicht nicht weg! Sie wird reich belohnt werden.
36Was ihr jetzt braucht, ist Geduld. Tut, was Gott will –dann werdet ihr erhalten, was er versprochen hat:
Geduld ist nicht ein über sich ergehen lassen, was die Zeit bringt, sondern Geduld meint, den Willen Gottes zu tun. Zu sehen, wo jemand meine Hilfe braucht oder ein offenes Ohr. Und sich unter das zu stellen, was Gottes Wille ist. So manches Leiden wird da auf eine harte Probe gestellt, aber das Leiden ist auch besser zu ertragen, wenn man sich dessen gewiss ist, dass nichts geschieht, was außerhalb von Gottes Plan ist. Es tut gut zu wissen, dass ich bei Gott gut aufgehoben bin. Um diesen Glauben kann ich Gott eigentlich nur bitten, ich kann ihn nicht selbst machen. Wir können ihn uns nur schenken lassen. Dafür ist es aber notwendig, dafür offen zu sein und zu wissen, dass ich auf Gottes Gnade angewiesen bin. Das macht Glauben zu einer eigenen Art zu leben.
Was ist das Besondere an unserer Gemeinschaft? Wir sind gemeinsam unterwegs in manchmal fruchtbarem, manchmal auch dürrem Land. Wir alle kennen Wüstenzeiten.
Jesus ist unser Retter, einen anderen Retter gibt es nicht. Unser Leben hat ein Ziel, ein großes Ziel. Jesus hat am Kreuz sein Leben für uns gegeben, um uns da hin zu bringen. So hat alles angefangen.
Erinnert euch, sagt der Hebräerbrief. Das Ziel ist die Herrlichkeit bei ihm. Wir erinnern einander an die Anfänge. Wir stärken einander und lassen uns auch stärken.
Wir tun es heute, wenn wir das Abendmahl miteinander feiern. Wenn wir heute schon schmecken und sehen dürfen, wie es im Ziel bei Jesus einmal sein wird. Wir erinnern uns an das erste Abendmahl. Und wir wissen genau, es war nicht nur vor 2000 Jahren einmal, sondern es ereignet sich, wo zwei oder drei oder mehr zusammen sind. Weil Jesus dann mitten unter uns ist und wir sein Heil heute schon schauen können. Dann fangen die Augen an zu leuchten, es wird einem warm ums Herz. Und ich spüre: jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…
Jesus erleuchtet mein Herz…. Jeden Tag… bis ich im Ziel bin und das ewige Leben erlange. Amen
