2023-12-03 - 1. Advent - (DE) - Pfarrerin Nicole Otte-Kempf

( PSALM 24 ) - [ English ]


EG 1 „MACHT HOCH DIE TÜR“

EG 1, 1 

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit…. 

Mit dem Advent beginnt das neue Kirchenjahr. Als Zeichen dieses Neuanfangs wird heute das Gesangbuch also auch ganz vorne an. Mit der Nummer 1. 

Advent, das heißt Ankunft, die Adventszeit ist eine Zeit der Vorbereitung auf die Ankunft Jesu in dieser Welt, eine Zeit der Vorfreude und der gespannten Erwartung. 

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit“ 

Psalm 24 hat unserem Lied die Worte gegeben. 

Psalm 24 vorlesen

400 Jahre ist es jetzt her, dass aus diesem Psalm das Lied wurde „Macht hoch die Tür“. Der Dreissigjährige Krieg war eine unruhige Zeit. In dieser Zeit arbeitete Georg Weissel, Musiker und Theologe, als Pfarrer an der neuerbauten Rossgärtnerschen Kirche im ostpreussischen Königsberg. Er hoffte, dass die biblische Wirklichkeit Auswirkungen auf die Realität hätte. Die Sehnsucht nach Frieden war groß. Und damit ist dieses Lied auch heute noch sehr aktuell. 

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe. Der Schöpfer, der über die Chaosmächte siegt und Lebensraum schenkt. Er kommt mit Sanftmütigkeit, Heiligkeit und Barmherzigkeit und wird alle Not beenden. Strophe 2

Zur Einweihung der neuen Altrossgärtner Kirche und der eigenen Amtseinführung verfasste Georg Weissel das Lied. Er selbst beschreibt die Entstehung folgendermassen: «Neulich, als der starke Nordoststurm von der nahen Samlandküste herüberwehte und viel Schnee mit sich brachte, hatte ich in der Nähe des Domes zu tun. Die Schneeflocken klatschten den Menschen auf der Strasse gegen das Gesicht, als wollten sie ihnen die Augen zukleben. Mit mir strebten deshalb noch mehr Leute dem Dom zu, um Schutz zu suchen. Der freundliche und humorvolle Küster öffnete uns die Tür mit einer tiefen Verbeugung und sagte: 'Willkommen im Hause des Herrn! Hier ist jeder in gleicher Weise willkommen, ob Patrizier oder Tagelöhner! Sollen wir nicht hinausgehen auf die Strassen, an die Zäune und alle hereinholen, die kommen wollen? Das Tor des Königs aller Könige steht jedem offen'.» Weissel bedankte sich bei seinem Küster: «Er hat mir eben eine ausgezeichnete Predigt gehalten!» Und er machte daraus am selben Abend das bekannte Weihnachtslied.

Neben der Kirche wohnte der reiche Geschäftsmann Sturgis. Wegen der unruhigen Zeiten hatte er sein Grundstück abgesichert und mit Toren abgeschlossen. Natürlich war dies sein gutes Recht, doch gerade hinter seinem Grundstück befand sich das Armenheim des Ortes. Die Menschen, die dort lebten, konnten nun nicht mehr auf kurzem Wege in die Stadt oder die Kirche gehen. Am vierten Advent kam Weissel mit dem Kurrendechor zu Sturgis' Haus. Zahlreiche arme und gebrechliche Leute aus dem Armenhaus hatten sich ihm angeschlossen. Weissel selbst hielt eine kurze Predigt. Er hatte seine Stelle gerade erst angetreten und stand vor der Haustür seines reichsten Gemeindegliedes. Aber er sprach davon, dass viele Menschen dem König aller Könige, dem Kind in der Krippe, die Tore ihres Herzens versperrten, sodass er bei ihnen nicht einziehen könne. Und er wurde sehr konkret: «Heute, lieber Herr Sturgis, steht er vor eurem verriegelten Tor. Ich rate euch, ich flehe euch an bei eurer Seele Seligkeit, öffnet ihm nicht nur dieses sichtbare Tor, sondern auch das Tor eures Herzens und lasst ihn demütig mit Freuden ein, ehe es zu spät ist.» Dann sang der Chor: «Macht hoch die Tür, die Tor macht weit! Es kommt der Herr der Herrlichkeit…»

Der Geschäftsmann stand da wie vom Donner gerührt. Noch bevor das Lied verklungen war, griff er in die Tasche und holte den Schlüssel zum Tor heraus. Er sperrte die Pforten wieder auf und sie wurden nie mehr verschlossen. Die Heimbewohner hatten ihren Weg zur Kirche wieder, der im Ort noch lange Zeit «Adventsweg» genannt wurde.

Liebe Konfis, ihr habt es genannt, wo es nötig ist, dass Türen sich öffnen. Und was dann möglich ist, wenn Herzen weich werden. Dann nämlich ist menschliches Miteinander erst möglich. Dann kann etwas hereinkommen in das eigene Leben, was man vielleicht so nicht für möglich gehalten hat. Dann kann auch das Kind in der Krippe hereinkommen in das eigene Herz. Wird das gut ausgehen? 

Der Lieddichter ist davon überzeugt. 3. Strophe

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. 

Nehmt alle Barrieren weg, alles, was Menschen voneinander und von Gott trennt. Die Türen sollen sich nach oben öffnen. 

So war es im alten Israel. In einer feierlichen Prozession wurde die Bundeslade, Zeichen der Gegenwart Gottes, in das Tempelheiligtum gebracht. Bevor sich sein Tor öffnete, sangen Levitenchöre wiederholt in etwa die Aufforderung „Erhebt, öffnet euch, ihr Tore, damit der König der Ehre einziehe“ im Wechsel mit der Frage: Wer ist dieser König? Und der Antwort „der Herr, stark und mächtig“. 

Wie sich der Tempel auf das Kommen des Herrn vorbereitet, soll sich das eigene Herz dem Tempel zubereiten, also in adventlicher Buße das Herz öffnen, damit „mein Gott“ kommen kann und ich zu ihm. EG 1,4

Im Advent bewegen wir uns aufeinander zu. Gott ist auf dem Weg zu uns, er wird Mensch im Kind in der Krippe. Und wir gehen auf ihn zu, indem wir uns innerlich vorbereiten. 

Vielleicht kann dieser Advent eine Zeit sein der inneren Sehnsüchte. Wonach sehnst du dich? Wo ist es nötig, dein Herz zu öffnen, damit Dinge sich ändern können. Damit dein Gott zu dir kommen und dann auch bleiben kann bis zur ewigen Seligkeit. Denn darum geht es letztendlich. 

Jede Strophe endet mit einem persönlichen Bezug und einem Lobpreis Gottes, es geht um dich. 

EG 1,5

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