2023-12-25 - 1. Weihnachtstag - (DE) - Pfarrerin Nicole Otte-Kempf

( 2. Mose 2,1-10 ) - [ English ]


Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott. Und Gott war das Wort. 

Weihnachten ist die Geschichte eines Anfangs. Am Anfang steht die Geburt eines Kindes. Im Anfang war das Wort, und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit. So klingt Weihnachten im Johannes-Evangelium. Bei Lukas klingt der Anfang so: Es begab sich aber zu der Zeit… Wenn ich diese Worte höre, dann ist Weihnachten.

An Weihnachten erzählen wir vom Anfang. Oder besser: von einem neuen Anfang. Denn Gottes Geschichte mit der Welt und den Menschen fängt viel früher an. Nämlich so fängt es an: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und Gott sprach: es werde Licht. Und es war Licht. Und Gott sah, dass es gut war. So fängt es an. Es fängt gut an.  Aber die Menschen sind nicht besonders gut darin, es auch gut weiterzuführen. Erst verlieren sie den Garten Eden, dann nimmt die Bosheit zu, so sehr, dass Gott bereut und eine Sintflut schickt. Noah wird gerettet, in einer Arche, einem Kasten, der auf dem Wasser schwimmt. Danach der Regenbogen. Ein Neuanfang. An diesem Anfang das Versprechen Gottes: Es wird gut werden! Gott erwählt Abraham, Isaak, Jakob. Dessen Söhne fliehen nach Ägypten und was einst gut war und Rettung war, wird zum Gefängnis. Israel in Ägypten, das ist Sklaverei, Frondienst, Todesangst. Es braucht einen Neuanfang. Und was eignet sich da besser als die Geburt eines Kindes. So beginnt die Geschichte, wie Gott sein Volk Israel rettet. 

Ex 2,1-10 lesen

Eine Geschichte vom Anfang – und in ihr klingen die anderen Anfänge nach. 

Mit einem kleinen Jungen fängt es an – und der sollte sterben. Auf diesem Hintergrund erscheinen nun drei Frauen, denen es gelingt, gar nicht bewusst vermutlich, Gottes verborgenes Handeln sichtbar werden zu lassen und in den Lauf der Dinge einzugreifen. Die Tochter des Levi, bringt einen Sohn zur Welt, sieht, dass er schön war, aber die Umstände zwingen sie dazu, ihn zu verstecken. Ein Kästchen aus Rohr, bestrichen mit Erdharz und Pech, wird zu seiner Rettung und zu einem Werkzeug in Gottes Plan.  Die Schwester des kleinen Mose, Mirjam, steht in der Ferne und beobachtet, wie das Leben ihres Bruders am seidenen Faden hängt. Hier entfaltet sich eine unscheinbare Heldin, eine Frau, die die Ereignisse mit wachem Auge verfolgt und bereit ist, mutig zu handeln. Und die Tochter des Pharao, die ungehorsam gegenüber ihrem Vater ist. Sie ahnt, dass das Kind ein Kind der Hebräer ist. Mutig trifft sie ihre eigene Entscheidung für das Leben. 

Starke Frauen kooperieren und bewirken so die Rettung des Mose Kindes. 

Die Bibel sagt uns darüber nichts darüber, ob Gott hinter all dem steckt. 

Doch später, da wird Gott Großes machen aus diesem kleinen Jungen, der so wunderbar gerettet wurde. Aus dem Wasser wird er gezogen – wie er später die Israeliten durch das Wasser des Schilfmeeres führen wird. 

Am Anfang der Geschichte, wie Gott sein Volk Israel rettet, steht die Geburt eines Kindes. Wir feiern heute Weihnachten. Den Anfang unserer Geschichte mit Gott. Und sie beginnt mit der Geburt eines Kindes. Auch diese Geburt war außergewöhnlich. Das Volk Israel sehnt sich nach einem Neuanfang. Ein Kind wird geboren – und wunderbar gerettet: Seine Eltern fliehen mit ihm nach Ägypten – in das Land, in dem der erste große Retter; Mose, geboren wurde. Beide Geschichten, die Geburt des Mose und die Geburt Jesu tragen den Stempel göttlicher Intervention und einer Mutterliebe, die bereit ist, alles zu opfern. 

Stellt euch einmal vor, wenn die beiden Mütter, die Mutter des Mose und die Maria, die Mutter Jesu einander begegneten und miteinander sprechen könnten. Hören wir hinein. 

Maria: Friede sei mit dir, tapfere Mutter des Mose. Deine Geschichte ist weit über die Jahrhunderte bekannt, und ich fühle eine Verbindung zu dir, obwohl unsere Zeiten und Orte unterschiedlich sind.

Mutter des Mose: Friede sei auch mit dir, Maria, Mutter des Gesalbten. Dein Sohn hat die Welt mit Liebe erfüllt. Es ist merkwürdig und doch wunderbar, dass wir uns hier begegnen.

Maria: Ja, die Wege Gottes sind oft unergründlich. Als du Mose zur Welt gebracht hast, warst du gezwungen, ihn zu verbergen. Ich erinnere mich, wie die Engel mir die Geburt Jesu verkündet haben. Eine Zeit der Freude, aber auch der Unsicherheit.

Mutter des Mose: Dein Sohn, Jesus, wurde in einem Stall geboren, weit weg von königlichen Gemächern. Mose hingegen sollte vor den Augen des Pharaos gerettet werden. Doch beide Male spürten wir die Hand Gottes, die unsere Kinder schützte.

Maria: Dein Glaube und deine Entschlossenheit, Mose zu schützen, sind bewundernswert. Als ich Jesus in meinen Armen hielt, wusste ich, dass sein Weg nicht leicht sein würde. Doch in jedem Augenblick fühlte ich die Gegenwart Gottes.

Mutter des Mose: Unsere Kinder wurden berufen, das Volk Gottes zu führen. Mose durch die Wüste, Jesus auf einem geistlichen Pfad. Beide haben göttliche Botschaften für ihre Zeit gebracht.

Maria: Und doch war da auch der Schmerz. Die Flucht nach Ägypten, die Kreuzigung meines Sohnes. In unseren Herzen haben wir die Tiefe des Opfers und die Hoffnung der Auferstehung erfahren.

Mutter des Mose: Die Opfer, die Mütter bringen, um ihre Kinder zu schützen und Gottes Willen zu erfüllen, sind umfassend. Die Tränen des Abschieds und die Freude der Wiederkehr.

Maria: Ja, die Gemeinsamkeiten zwischen unseren Geschichten sind erstaunlich. Gottes Pläne entfalten sich in unterschiedlichen Formen, aber die Liebe und Führung Gottes bleiben.

Mutter des Mose: Maria, lass uns in dieser Begegnung die Verbundenheit erkennen, die in unseren Herzen lebt. 

Maria: Amen, tapfere Mutter des Mose. Möge Gottes Frieden und Liebe über uns und unsere Kinder und Gottes Kinder in aller Welt sein.

Am Anfang war Gott – und Gott ist immer noch. Gott rettet – Mose und Jesus, die Israeliten und die ganze Menschheit.

In tiefster Nacht erscheint Gott – immer und immer wieder. Schenkt neue Anfänge von Anfang an. Schenkt auch uns einen neuen Anfang, alle Jahre wieder. Am Anfang war Gott – und seine Liebe und Führung bleiben.

Gottes Rettung beginnt manchmal in den scheinbar kleinen Dingen, in einem Kästchen aus Schilf oder in einer Krippe in Bethlehem. Möge uns die Verbundenheit der beiden Mütter inspirieren, unsere Gaben und Talente zu nutzen, um Gottes Liebe und Güte in die Weltgeschichte einzubringen.  Und manchmal kann daraus Großes und Gutes entstehen. 

Am Anfang war Gott – und seine Liebe und Führung bleiben. Amen.

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