2024-08-25 - 13. Sonntag nach Trinitatis - (DE) - Prädikantin Renate Switala

3. Mose 19, 1-3.13-18.33-34


predigt english


Der Predigttext für den heutigen Sonntag ist ein kleines Stück aus einer langen Reihe von Anordnungen Gottes für das Zusammenleben der Menschen.

Das Volk Israel ist auf seinem Weg durch die Wüste aus der Knechtschaft in Ägypten in das gelobte Land, das Gott ihnen verheißen und vor Augen gemalt hat.

Mose steigt auf den Berg Sinai und Gott gibt die zehn Gebote – Worte für das Leben, die Leben schützen und zum Leben führen sollen.

In den Kapiteln 17 bis 20 lernen wir Gottes Wunsch, dass Israel in allen Bereichen seines Lebens ein heiliges Leben führt. Gott hat seinem Volk Gesetze gegeben, damit sie sowohl im religiösen, wie auch im sozialen Bereich ein geheiligtes und abgesondertes Leben führen.

Darüber hinaus lesen wir im 2. Und 3. Buch Mose noch viele Worte, viele einzelne Gebote, die Gott gibt und seinem Volk sagen lässt.

Genaue Rechner haben da im Ganzen 613 Gebote gezählt.

Und mitten in dieser ganzen Aufzählung stehen die Worte, die wir heue als Predigttext hören. Bei diesem Abschnitt wird ganz deutlich: Gott gibt die Gebote und Weisungen nicht einfach so, nicht als eine Anordnung, die beliebig wäre, die man ändern kann nach Belieben oder die er ändern würde. Er verbindet sich selbst mit diesen Weisungen.

Der Predigttext ist Teil des sog. „Heiligkeitsgesetzes“und steht im 3. Buch Mose, 19

Gott will seine Gebote beachtet und gehalten haben.

Das wird auch in unserem Predigtwort deutlich. Denn hier spricht Gott durch Mose: „Rede mit der ganzen Gemeinde der Israeliten und sprich zu ihnen: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott.“

Was ist mir heilig? Diese Frage lässt sich gar nicht so einfach beantworten: die Familie, der Sonntag, der Frieden, die Kirche? Und kann man befehlen, heilig zu sein? Kommt dabei nicht schnell Scheinheiligkeit heraus? “Ihr sollt heilig sein!” Das ist die Überschrift für das ganze Kapitel.

“ Gott betonte ständig, dass Israel als sein Volk heilig sein soll. Gottes Kinder sollen wie Gott ein heiliges Leben führen.

Das Wort „heilig“ist nicht einfach irgendein frommes Wort, sondern in diesem Wort liegt das ganze Geheimnis begründet, das Gott uns Menschen offenbart hat. Geheimnisvoll ist bereits die Herkunft dieses Wortes. Im Hebräischen finden wir das Wort «kadosch» für heilig. Es bedeutet wörtlich übersetzt «aussondern, scheiden, trennen. Das Wort „heilig“ ist ja nur die deutsche Übersetzung. Während wir beim deutschen Wort „heilig“ heraushören, dass es von „heilen“ und „Heil“ herkommt. Es war schon immer ein Wort, das auf geheimnisvolle Weise Gott ins Bewusstsein rief; die Bibel verwendet es nur für Gott und für Dinge, die mit Gott in Beziehung stehen.. „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, ließ Gott sein auserwähltes Volk Israel durch Mose wissen. „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig“, so deutete der Apostel Petrus diesen Satz auf die Christenheit (1. Petrus 1,16). „Ihr sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist“, so lehrte Jesus seine Jünger (Matth. 5,48). Gott ist heilig, vollkommen, vollendet, göttlich, gut, richtig, rein – all das steckt in diesem geheimnisvollen Wort drin. Gott selbst bestimmt, was vollkommen, gut, richtig, rein und heilig ist.

Aber wir? Erleben wir uns selbst nicht oft als unvollkommen,”heil-los überfordert? Doch Heiligkeit muss man sich nicht erarbeiten. Sie ist Gabe und sie ist Frucht, wenn uns eins heilig bleibt: der Menschenliebende und gütige Gott.

Am besten verstehen wir das Wort heil, wenn wir drei Sätze betrachten, die etwas über das Verhältnis Gottes zu uns Menschen sagen: 1. Wir sollen heilig sein. 2. Wir sind nicht heilig. 3. Gott macht uns heilig. In diesen drei Sätzen hängt die ganze Heilsgeschichte Gottes mit der Menschheit. In diesen Sätzen begegnet uns Gottes ganzes Gesetz sowie auch das volle Evangelium, die frohe Botschaft von Jesus Christus.

Das Wesen der Heiligkeit ist Liebe. Und zwar Gott zu lieben und den Nächsten zu lieben und die ganze Schöpfung zu lieben. Jesus sagte: „Liebt euch untereinander!“ Dies ist der Lebensweg für das heilige Volk, das Gott wünscht.

Konkret wünscht Gott sich, dass wir unsere Eltern ehren, den Sabbat halten und Gott anbeten, anstatt den Götzen zu dienen.Im Mittelpunkt dieser Gesetze steht das bekannte Gebot: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

Nächs·ten·liebe ist eine innere Einstellung, aus der heraus jemand bereit ist, seinen Mitmenschen zu helfen, Opfer für sie zu bringen, "etwas aus [reiner, christlicher] Nächstenliebe tun".

Was versteht man unter Nächstenliebe?

Als Nächstenliebe wird ein helfendes Handeln für andere Menschen bezeichnet. „Liebe“ beinhaltet hier jede dem Wohl des Mitmenschen zugewandte aktive, uneigennützige Gefühls-, Willens- und Tathandlung, nicht unbedingt eine emotionale Sympathie.

Die Nächstenliebe ist uns nicht nur für Menschen aufgetragen, die uns nahestehen, sondern auch für Fremde. Jesus sagte in der Bergpredigt: „Wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden?“ (Matth. 5,47-48). Und für das heutige Evangeliumsgleichnis wählte Jesus bewusst einen barherzigen Samariter als Vorbild der Nächstenliebe – einen Samariter, für den der unter die Räuber gefallene Jude, der ein Fremder und Andersgläubiger war.

Im Begriff Barmherzigkeit steckt das Wort „Herz“. Herz hat ganz viel mit Liebe zu tun. Liebe ist die zentrale Grundeigenschaft GOTTES. Dort wo das Grundmotiv der Liebe bei der Barmherzigkeit aber fehlt, ist unser Tun zwar lobenswert, es mag meinem Nächsten auch nützen und es kann sogar einem christlichen Zweck dienen, aber CHRISTUS wird für den Nächsten nicht sichtbar.

Wenn CHRISTUS nicht der Ursprung unseres Handelns ist, werden wir uns verausgaben und wie ein runtergebrannter Docht, irgendwann einmal erlöschen.

Der Wochenspruch handelt davon, dass liebevolle Hilfe für die „geringsten Brüder“ ein Dienst an Jesus selbst ist, und in demselben Zusammenhang sagte Jesus: „Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen“ (Matth. 25,35).

Ein klarer und einfacher Grundsatz der Nächstenliebe ist: Wenn ich einem Menschen begegne, der Hilfe braucht, und wenn ich ihm helfen kann, dann soll ich ihm helfen – egal ob es sich um einen Verwandten handelt oder einen Nachbarn oder einen Unbekannten oder einen Ausländer.

Der Nächstenliebe sind die politischen und gesellschaftlichen Probleme, die damit zusammen- hängen, zunächst einmal egal; die Nächstenliebe handelt stets ohne Ansehen der Person. Sie tut es, weil sie von Gott kommt.

Weitere Verse in diesem Kapitel enden mit dem Refrain des Heiligkeitskodex: „Ich bin der HERR.“

Die Aussage des Kapitels scheint etwa so zu sein: Weil der HERR heilig ist und weil die Menschen im Namen Gottes geschaffen sind, Diejenigen, die dazu berufen sind, Gottes Heiligkeit nachzuahmen..Sie sollen dies tun, indem sie ihren Mitmenschen mit Barmherzigkeit und Liebe begegnen.

Da ist doch viel eher beschrieben, wie es Miteinander aussehen kann und wird, wenn wir uns miteinander von Gottes Blick leiten lassen. Den anderen und die andere durch Gottes Augen sehen und einander so aufrecht zu begegnen.

Du sollst nicht nur „heilig“ sein, du bist es schon. Lass es aus deinem Leben strahlen, durch Dich hindurch in die ganze Welt. Dann kann und wird diese Welt zu einem Ort des Heils werden für Dich und für die Menschen, denen Du begegnest.“

Ich bin der Herr, dein Gott! Wir dürfen wahrlich dankbar sein, dass wir einen solchen Herrn haben.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unser menschliches Denken und Begreifen, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

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