2024-09-01 - 14. Sonntag nach Trinitatis - (DE) - Pastor i.R. Dieter Lilje

Römer 8: 12 - 17


predigt english


Liebe Gemeinde!

Es gibt viele Menschen, die nicht an Gott glauben oder nicht mehr an einen Gott glauben. Das hat zur Folge, daß es für sie keine Autorität außerhalb ihrer selbst gibt, sie sind sich selbst die höchste Autorität. So müßen sie sich auch selbst den Maßstab geben, wonach sie alles messen, sie müßen sich auch selbst ihren Sinn geben. Heute hören wir von einer Alternative.

Der Apostel Paulus war der erste christliche Theologe. Anders als die vier Evangelien hat er nicht die Lebensgeschichte Jesu erzählt, sondern hat über die Bedeutung des Lebens und Sterbens Jesu reflektiert und seine Erkenntnis im Geiste Gottes und im Glauben in Worte gefaßt. So ist der Brief an die Römer, entstanden. Aus Kap. 8 dieses Briefes hören wir die Verse 12 – 17 .


So sind wir nun, liebe Brüder und Schwestern, nicht dem Fleisch schuldig, dass wir nach dem Fleisch leben. Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Leibes tötet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, da wir ja mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm zur Herrlichkeit erhoben werden.


Wie würden wir antworten, wenn einer zu uns mit der Frage käme: Möchtest Du noch leben?  Es gibt Menschen, die schon lebensmüde sind, denen das Leben eher eine Last ist und sie keine Freude mehr am Leben haben. Ich vermute, daß die meissten unter uns diese Frage mit einem klaren Ja beantworten würden. Ich möchte noch leben, weil…. Und da gibt es dann viele verschiedene Antworten. Der eine möchte das Leben noch genießen; der andere hat noch Vieles vor; der andere will sein Geschäft noch erweitern; ein anderer will seine Kinder durchs Leben begleiten wenigstens bis sie selbständig sind; ein anderer möchte noch gern reisen. Weshalb wills du eigentlich leben?

Heute geht es um die Frage nach dem Sinn unseres Lebens – wie würdest Du den Sinn Deines Lebens beschreiben? Es geht nämlich darum, dass wir so leben, daß wir am Ende unseres Lebens, und wer weiß wann das sein wird, sagen können, das war ein sinnvolles Leben – mein Leben hat sich gelohnt. Wie müßen wir leben das Leben nicht zu verfehlen?

Unser Text sagt uns heute: Lohnendes Leben, das Leben, das wir eigentlich suchen, bekommen wir durch den Geist Gottes. Wir werden leben, so heißt es, wenn wir die Taten des Leibes durch den Geist töten. Fragen wir danach: Wie sollen wir leben, so steckt die Antwort darauf in diesem einen Satz. Wir müssen ihn aber richtig verstehen. In diesem Satz steht die Kernaussage über das Verhalten eines Christen und darum darf er nicht mißverstanden werden. Ihr werdet leben, wenn ihr die Taten des Leibes durch den Geist tötet. Hier ist von einem Kampf die Rede, ein Kampf gegen die Taten des Leibes. Ich möchte in diesem Zusammenhang ein Erlebnis eines Missionars aus Neu-Guinea erzählen.

Auf Neu-Guinea gab es die Sitte, daß die Papuas, die einheimische Bevölkerung, wenn sie Christen werden wollten, Unterricht bekamen, damit sie Jesus, sein Wirken und seine Botschaft kennen lernen konnten. An einem Sonntag wurden diese Lehrlinge dann alle zusammen getauft. Das war immer ein großes Fest. Auch viele Heiden kamen dazu sich das anzusehen. Das Entscheidende geschah aber am Abend vorher. Da wurde ein großes Feuer angezündet und die Täuflinge, die getauft werden sollten, kamen zum Feuer. Auf den Armen hatten sie all ihr Zeug vom Götzendienst, die Zaubersachen und Götzenbilder. Dann traten sie ans Feuer und warfen diese Zeichen ihres alten Lebens in die heißen Flammen, sie zu verbrennen und sich endgültig davon zu trennen. Eines Tages, so erzählte der Missionar, beobachtete er eine junge Frau. Die trat auch mit einem Arm voller Götzenbilder ans Feuer. Aber in dem Moment, als sie alles hineinwerfen will, da kann sie es nicht tun. Sie hat sicher gedacht, damit haben meine Vorfahren gelebt, damit ist meine ganze Vergangenheit verbunden, davon kann ich mich doch nicht trennen.  Sie geht wieder zurück. Da fällt ihr aber ein: Aber dann kann ich Jesus nicht gehören! Darauf geht sie wieder drei Schritte vor, kann sich aber wieder nicht davon trennen und geht wieder zurück. Daraufhin ging der Missionar zu ihr und sagte: Überlege es dir noch einmal, du kannst dich ja zur nächsten Taufe anmelden. Die Frau überlegte einen Augenblick und machte schnell drei Schritte zum Feuer, warf die Sachen ins Feuer und sank ohnmächtig zusammen. Sie hatte einen erschütterden Kampf durchgemacht.

Liebe Gemeinde, um einen solchen absoluten Kampf geht es auch in unserem Leben. Es heißt wir werden leben, wenn wir die Taten des Leibes durch den Geist töten. Die Taten des Leibes, bei Paulus, sind die Dinge, die wir tun, wenn wir die eigene Stimme, die Stimme eines anderen Menschen, die Stimme der Welt gehorchen und nicht die Stimme Gottes. Auch wir haben unsere heimlichen Götzen. Auch wir müssen unseren Götzendienst ablegen. Bei dem einen ist es das eigene Ich, beim anderen das Ansehen, die Stellung oder Position in der Gemeinschaft, beim anderen das Geld oder sein Besitz, sein Erfolg. Luther sagt: Das woran ich mein Herz hänge, das ist mein Gott.

Wir sollen die Taten des Leibes töten. Bedeutet das nun, dass wir uns noch mehr anstrengen sollen das Böse zu bekämpfen, uns noch mehr Mühe machen müssen ein anständiges und vorbildliches Leben zu führen, noch mehr Liebe, Geduld, mehr Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit, mehr Treue und Hingabe, mehr selbstlosen Dienst leisten und größere Opfer bringen und vorweisen müssen?  Haben wir diesen Satz so verstanden, dann sind wir geknechtet und ewig unfreie Menschen, denn dann wüssten wir nie, ob und wann wir genug getan haben, genug vorweisen können. Dann ständen wir unter dem fordernden und anklagenden Gesetz.

Haben wir diesen Satz so verstanden, dann haben wir wie Tausende andere, einen der wichtigsten Aussagen in der christlichen Verkündigung falsch verstanden. Der Kampf in unserem Leben besteht nicht darin, daß wir das Böse durch unsere Anstrengung besiegen und beseitigen sollen, denn es steht geschrieben: Wir sollen die Taten des Leibes durch den Geist  töten!  Der Kampf ist also ein ganz anderer, ein viel tieferer! Es ist ein Kampf mit Gott selbst. Es ist der Kampf um die Frage, wer in meinem Leben der Herr sein soll, wer in meinem Leben die Autorität hat, wer in meinem Leben bestimmen soll – Gott durch Jesus Christus, oder ich selbst?  Es ist der Kampf um die Frage, ob ich es zulasse, dass mein Leben vom Geist Gottes bestimmt wird oder ob ich mein Leben selbst bestimmen will. Entweder bestimmt der Geist oder ich. Genau wie wir nicht mit einem Bein ins Flugzeug einsteigen und mitfliegen können, während wir mit dem anderen Bein vorsichtshalber noch auf dem Flugplatz stehen bleiben, genauso können wir nicht den Geist Gottes und uns selbst in unserem Leben bestimmen lassen. Entweder steigen wir ganz ein und fliegen mit oder wir steigen gar nicht ein und bleiben zurück. Entweder der Geist oder ich – dazwischen gibt es nichts. Ist das nicht so oft das Problem, daß wir oft so lau warm sind, weil wir doch lieber dazwischen stehen wollen, ein bischen Gott und ein bischen wir selbst?

Ich möchte ein weiteres Bild gebrauchen: Im Glauben geht es eben nicht darum, wie bei einer schönen Torte mit vielen Einzelstücken. Der Glaube ist eben nicht ein Einzelstück von dieser Torte und dann gibt es daneben die vielen anderen Stücke, wie unsere Gedanken, unsere Verhältnisse, unsere Verletzungen und unsere Rachsucht, unsere Finanzen, unsere Familie, unsere Arbeit, unsere Hobbies unsere Ferien. Nein, der Glaube ist eher wie der Sauerteig – er durchsäuert alles, er ist in jedem Stück der Torte und beeinflußt jeden Bereich unseres Lebens. Darum geht es auch nicht, daß es ein Unterschied in unserem Verhalten gibt zwischen dem Alltag und dem Sonntag. In der Woche betrügt man im Geschäft und am Sonntag sitzt man fromm in der Kirche, als hätte das eine mit dem anderen nichts zu tun.

Und nun noch ein Letztes: Bedeutet das Ganze nun, daß wir gar nichts mehr tun müssen? Darauf können wir mit einem ganz klaren, und vor allem als Lutheraner, “Ja” antworten. Das Einzige was wir zu tun haben ist, daß wir den Geist Gottes an unser Leben heranlassen. Das ist sicherlich der schwerste Kampf auf dieser Welt, uns selbst zu sterben, damit Christus in und durch uns leben kann. So stehen wir nicht mehr unter dem Druck des Gesetzes, unter einer Knechtschaft, die uns immer wieder zwingt ein besseres Leben zu führen. Nein, wir gehören zu Christus und lassen es zu, daß er unser Leben, ganzes Leben, bestimmt, dann wollen wir ihn mit unserem ganzen Leben loben, danken, preisen und dienen – mit unserem Geld, mit unserer Zeit, mit unserem Einsatz – da ist kein Zwang mehr, sondern seine Liebe treibt uns. Der Geist Gottes schenkt uns eine neue Freiheit das tun zu wollen, was richtig ist.

Wir sind Kinder Gottes – darum sind wir auch seine Erben, Erben seines Heilswerkes, Erben seiner Vergebung, Erben seiner Liebe. Das ist, was uns froh macht und Sinn fürs Leben schenkt. Ist das nicht genug Grund für uns mit aller Hoffnung und mit vollem Mut die Zukunft entgegen zu gehen, auch wenn sie wie dunkel aussehen mag.

Lasst uns den Kampf im Geist gegen uns selbst aufnehmen, uns Christus anvertrauen, damit wir frei werden und leben können. Jesus selbst hat diese Gedanken so formuliert: “ ...wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es gewinnen“ . (Lk. 9:24).

Gebet: O Herr, laß dein Geist meinen Geist überwinden. In deine Hände befehle ich meinen Geist. Und der Friede Gottes, der höher ist, als alle Vernunft, der regiere und bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Uns diesen Weg des Glaubens zu ermöglichen ist Jesus den Leidensweg bis ans Kreuz gegangen. Wenn wir den Weg gehen, uns von uns selbst durch seinen Geist loszumachen zum Leben in Christus hin, so ist das auch ein Kampf, ein Passionsweg, der täglich geführt werden muss. Darum singen wir nun das Lied EG 547: 1 – 4.

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