Erntedank – Nehmen und Geben - teilen was wir empfangen haben
Manna und Mercy
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.
Liebe Gemeinde,
„Gib uns unser tägliches Brot und vergib uns unsere Schuld“. Diese beiden Bitten stehen in der Mitte des Gebets, das in der ganzen Welt millionenfach täglich gebetet wird.
Gottes Antwort auf diese Bitte ist Manna und Mercy: Brot und Gnade.
Beide Gaben kommen von Gott – und beides sind Gaben, die wir täglich brauchen. Es ist etwas, das wir nicht für die Zukunft aufbewahren können.
Zum ersten Mal tauchen Brot und Gnade im Alten Testament auf. Wir haben in der Lesung die entsprechende Stelle gehört.
Das ist schnell erzählt: wenn Menschen hungrig sind und nicht wissen, wo sie etwas zu essen bekommen, wächst die Angst. Wo Angst ist, da wird gemurrt und gemeckert. Da werden Menschen aggressiv und die Bereitschaft zur Gewalt wächst.
Da werden sie aneinander schuldig.
Diese kleine Szene ist Teil einer langen Geschichte von Befreiung. Befreiung ist nicht getan in einem Moment. Zwar ist Mandela in einem bestimmten Moment aus dem Gefängnis gekommen. Es gibt ein Datum für die ersten Wahlen. So wie es ein Datum für den Mauerfall in Deutschland gibt. Doch damit ist es nicht getan: der Weg ist lang und schwer.
40 Jahre durch die Wüste.
Und immer wieder die Gefahr, dass das Volk vom Weg abkommt.
Das kann jeden Tag geschehen.
Auch in unserem Leben.
Da ist keine Garantie.
So satt wir uns heute auch fühlen, so zufrieden und komfortabel. So sehr wir meinen, wir haben alles und haben auch gut vorgesorgt. Es kann anders kommen. Sehr schnell. Dass wir an einem gedeckten Tisch sitzen, ist keinesfalls selbstverständlich. Unser Vertrauen, unsere Hoffnung, unsere Liebe . das alles sind keine Selbstverständlichkeiten.
Es sind Gaben, die wir immer wieder neu empfangen.
Erntedank ist eine wunderbare Gelegenheit, uns bewusst zu machen, dass wir oft mit offenen und leeren Händen dastehen.
Wir empfangen viel mehr, als wir uns manchmal eingestehen.
Was sind das für große Geschenke: Eltern, die für ihre Kinder sorgen. Wirtschaftlicher Wohlstand. Die Möglichkeit zur Schule zu gehen und zu studieren. Das Glück einen Beruf zu haben und ausüben zu können. Dazu eine Gemeinde, in der wir uns geborgen und getragen fühlen.
All das sind große Geschenke. Ja, wir wirken daran mit. Unser Leben ist ein Nehmen und ein Geben. Doch am Anfang steht das Empfangen.
Manna: jeden Tag.
Jeden Tag ist Gottes Güte neu. Sie hat kein Ende. Sie geht über uns auf wie die Sonne am Morgen und wacht über uns wie der Mond in der Nacht.
Gott gibt Brot und Gnade: jeden Tag. Das zieht sich durch die Bibel wie ein roter Faden. Gottes Zusage ist so klar.
Doch leider zweifeln Menschen daran. Kann das wahr sein, dass Gott uns jeden Tag versorgt? Trauen wir der Gnade Gottes zu, dass sie eine Antwort ist auf unsere Schuld?
Wir Menschen haben es oft schwer damit: Wir urteilen und beurteilen – wir sind oft erbarmungsloser als Gott und unsere Angst hat uns oft besser im Griff als Liebe und Vertrauen.
Wie wächst Vertrauen: indem wir anfangen zu danken. Indem wir uns jeden Tag bewusst machen, was wir empfangen: die Luft zum Atmen, den Tag voller Lebenszeit, die Verbindung zu anderen Menschen.
Jeden Tag: danke sagen! Das ist eine der wichtigsten geistlichen Übungen. Jeden Tag sich die Schuld, die Unvollkommenheit, die Angst vergeben lassen.
Jeden Tag bitten: Gib uns unser tägliches Brot und vergib uns unsere Schuld.
Wo das eingeübt wird – da reicht das Brot – da ist genug für alle. Möge diese Hoffnung wachsen – von einem kleinen Korn in einen großen Baum.
Mögen wir das, was wir empfangen, ernten und geschenkt bekommen so verarbeiten und teilen, dass Menschen durch uns empfangen.
„Vater, ich danke dir, von deinen Gaben leben wir und was wir haben, kommt von dir. Herr, deine Gnade fällt auf mein Leben – wie Regen im Frühling. Dafür danke ich dir von ganzem Herzen. Amen“

