( Predigt Johannes 12,20-24 ) [ Afrikaanse Vertaling ] [ Abkündigungen368.89 KB]
Lachen, Weinen, rennen, still stehen, reden und schweigen… alles hat seine Zeit. Dies alles geschieht meist einfach so. Wir denken darüber nicht nach.
Anderes entscheiden wir aber bewusst und da ist ganz automatisch oft die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt. Und das ist gar nicht so einfach. Das sind Lebensfragen, die wir selbst beantworten.Und manches haben wir nicht in der Hand. Da erscheint uns auch etwas zur falschen Zeit zu passieren. Damit müssen wir dann umgehen. Und selten findet sich eine Antwort auf die Frage, warum etwas so passiert und nicht anders. Wir wollen aber gern sehen, be-greifen, verstehen und nicht nur wir. Viele vor uns auch schon. Sie hatten viel gehört, waren aus aller Welt angereist und hatten gerade den triumphalen Einzug von Jesus in Jerusalem miterlebt.
„Alle Welt läuft ihm nach“ haben seine Gegner misstrauisch festgestellt. Und wir, liebe Gemeinde, mittendrin.
Joh 12,20-24
Griechen befinden sich also dabei, als alle Welt sich trifft, um das Passafest zu feiern und Gott anzubeten. Und sie wollen Jesus sehen. Aber an ihn kommen sie nicht ran. Sie sprechen Philippus an, weil sie irgendwoher wissen, dass Philippus aus Betsaida kommt und deswegen griechisch spricht. Aber Philippus muss ihre Anfrage erst einmal mit Andreas besprechen. Und dann sagen sie es Jesus.
Währenddessen warten die Griechen, neugierig, was passieren wird.
Liebe Gemeinde, so fängt es an mit Jesus und mir: ich bin interessiert an der Begegnung mit ihm. Innerlich sehne ich mich danach, dass er mich sieht. So kann Glaube entstehen und wachsen. Das Sehen, das neue Sehen und Gesehen werden ermöglicht ja schließlich auch neue Ansichten und Aussichten für mein eigenes Leben.
So manches Mal geht mir ein Licht auf, wenn ich nur genau hinsehe, mich nicht blenden lasse oder meine, vorher schon alles zu wissen.
Was Jesus den beiden Jüngern antwortet, ist nicht das, was man erwartet, aber das haben wir zumindest ja auch sicher nicht erwartet. Weil Jesus immer anders antwortet, als Menschen es sich erhoffen. Er scheint immer schon einen Schritt voraus. Und somit schwer zu verstehen. Auf die Fragen, die das Leben betreffen und die zu treffenden Entscheidungen gibt es nie die einfachen Antworten, auch wenn einige sich Jesu Worte gern so hinbiegen möchten.
Wir wissen nicht, ob die Griechen Jesus schließlich gesehen haben, aber darum geht es auch nicht. Zu sehen gab es nämlich eigentlich schon mehr als genug: Jesus hat Kranke geheilt, seelische Wunden verbunden, hat mit Gottes Vollmacht von seinem Reich gesprochen und …. der Höhepunkt, der unmittelbar vor dem Einzug in Jerusalem stattgefunden hat: war eben, dass er hat Lazarus von den Toten auferweckt. Mehr geht nicht. Mehr ist nicht möglich. Aber nun…. Ist die Stunde gekommen. Sagt er. Jesus scheint genau zu wissen, wann der richtige Zeitpunkt für ihn ist. Und er steht unmittelbar bevor.
Schaut hin, hört gut zu. Ihr alle, nah und fern. Für euch (auch für uns heute hier) gilt, was ich nun zu sagen habe.
Amen, Amen, ich sage euch etwas: jetzt wird passieren, was für euch alle bedeutsam wird, wenn MEINE Stunde gekommen ist , aber erst recht, wenn eure Stunde gekommen ist, dass euch Augen, Ohren und Herzen aufgehen und ihr erkennt, wer ich bin… wer ich für euch bin.
Wenn ihr also das sehen könnt.
Der Menschensohn wird in seiner Herrlichkeit sichtbar.
Haben die Jünger damals verstanden, was Jesus da zu ihnen sagte? Wohl kaum. Wir verstehen es vielleicht schon eher, weil wir wissen, dass Ostern kommt. Wenn Gott sich zu seinem Sohn bekennt und ihn zurück in seinen Bereich holt. Denn Jesus ist nicht nur Mensch, sondern „Menschensohn“, der vom Himmel auf die Erde gekommen ist und weiterhin zum Himmel gehört. Gott verherrlicht ihn, hebt ihn auf seine Höhe. Nicht zum Selbstzweck, sondern damit Jesus alle zu sich zieht, wenn er erhöht wird. Wir gehören dadurch mit ihm und durch ihn zu Gott.
Aber bevor das passieren kann, muss Jesu Weg erst einmal in die Tiefe gehen.
Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, sonst bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.
In diesem Bild ist eines ganz deutlich: Der Tod ist nicht der Feind des Lebens, sondern notwendige Voraussetzung. Sterben und Werden gehören zusammen. Jesus muss aus der Enge seines irdischen Wirkungskreises herausgenommen werden, seine Sache muss aufgegeben werden, damit er an der Seite seines Vaters zu weltweiter Wirksamkeit ermächtigt wird. Verherrlicht.
Das weiß er. Und dennoch: Um das Gesetz des Weizenkorns wissen und das Schicksal erleiden ist zweierlei. Jesus ist Mensch, fühlt so und kennt Anfechtungen, wie wir sie kennen. Meine Seele ist voller Angst wird er wenig später sagen. Im Garten Gethsemane bittet er Gott, dieser Kelch möge an ihm vorüber gehen.
Jesus weiß, er ist Gottes Sohn, geborgen und zu Hause bei ihm. Und dennoch sind da auch Momente der Unsicherheit. Der Angst.
Und so geht es mir ja oft auch. Das gehört zum Leben offensichtlich dazu und Gottes Wege mit der Welt sind für mich oft nicht begreifbar.
Ein Weizenkorn stirbt. Nur so kann es weitergehen und etwas Neues entstehen. Das ist der Lauf des Lebens und bleibt doch gleichzeitig immer ein Geheimnis.
Unser Sonntag heute heißt Lätare! Freue dich. Ein kleines Osterfest in der Passionszeit. Wir sind noch mitten in der Passionszeit und doch erwarten wir Ostern. Bald. Wir können die Osterfreude schon erahnen.
Denn die Hoffnung auf neues Leben schimmert durch und an Ostern ist sie vollkommen. Der richtige Zeitpunkt ist da, er ist nah.
Wir wissen: der Tod Jesu am Kreuz war nicht das Ende, sondern der Anfang. Wir wissen von den Früchten, die dieses Sterben und Auferstehen ermöglicht hat. Wir können sie sehen im Gegensatz zu den Menschen damals. Seht. Schaut euch um. Eure Banknachbarn. Vor euch, hinter euch, neben euch.
Christen in aller Welt. Fern und doch nah, unter dem Kreuz versammelt. Wenn Jesus nicht gestorben wäre, wie ein Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt, wir alle hätten niemals von Jesus erfahren. Wären nicht hier. Würden keine Versammlungen abhalten, keine Gemeinschaft erleben.
Gemeinschaft, die trägt. Gerade auch in solch ungewissen Zeiten. Liebe, die auflebt. Früchte, nichts als Früchte. So, wie Gott sich die Pflanzen seiner Schöpfung ausgedacht hat mit all ihrem Werden, Wachsen und auch Sterben, so begleitet er auch uns Menschen.
Nichts was wir tun, nichts was wir erleben kann passieren, ohne dass Gott es nicht schon wüsste.
Das gilt auch für die Entscheidungen, die wir treffen müssen. Die Dinge, die passieren, für uns gefühlt zum falschen Zeitpunkt. Sie sind Teil des großen Geheimnisses des Lebens. Auch sie fallen nicht aus Gottes Kontrolle heraus.
Egal, was dir passiert und wo du auch bist.
Gott ist an deiner Seite.
Lätare!
Amen